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Bald wird auch in Frankfurt königlich gewunken, aber nur an einem Tag.
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Bald wird auch in Frankfurt königlich gewunken, aber nur an einem Tag.

Queen in Frankfurt

Die Queen kommt

  • Claus-Jürgen Göpfert
    VonClaus-Jürgen Göpfert
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Königin Elizabeth II. besucht das republikanisch karge Frankfurt. Und heute schon taucht dieses Ereignis, das erst am 25. Juni ansteht, die kalte und geschäftsmäßige Banken-Stadt in ein warmes royales Licht.

Allein diese Bilder. Schon jetzt beanspruchen sie unsere Phantasie aufs Äußerste. Wie die Queen in ihrer Luxuslimousine langsam auf den Römerberg rollt, durch das halb herabgelassene Seitenfenster huldvoll mit der rechten Hand ein Winken nur andeutet – und schon brechen die Massen hinter den Absperrgittern in Jubel aus. Königin Elizabeth II. besucht das republikanisch karge Frankfurt. Und heute schon taucht dieses Ereignis, das erst am 25. Juni ansteht, die kalte und geschäftsmäßige Banken-Stadt in ein warmes royales Licht.

Protokollarisch ist die Visite der Queen, mit einer Dauer von mehr als fünf Stunden, der Höhepunkt des ersten Frankfurter Halbjahres. Irgendwann in grauer Vergangenheit, in den 60er Jahren, hatte Elizabeth Frankfurt schon einmal mit ihrer Gegenwart geadelt. Doch wer weiß das heute noch? Ihr Gemahl, der umtriebige Prinz Philip, gab sich sogar schon zweimal die Ehre, 1979 und 1993.

Doch jetzt kommt das königliche Paar gemeinsam in der Blüte seines Lebens, 89 und 93 Jahre alt. Warum  die beiden ausgerechnet nach Frankfurt reisen, vermag nicht einmal das städtische Protokoll genau zu erklären. Irgendwie hängt es damit zusammen, dass das Bundesland Hessen gegenwärtig den Vorsitz im Bundesrat führt und dass deshalb die größte hessische Stadt auch ein wenig Glanz abbekommt.

Festliches Bankett

Schon zur Begrüßung des königlichen Paares am Morgen eilen Bundespräsident Joachim Gauck und Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zum Frankfurter Flughafen. Gauck lässt sich nicht lumpen, weil er die britischen Gäste nach Deutschland eingeladen hat. Im geschlossenen Konvoi, von Polizisten auf Motorrädern eskortiert, eilen die Prominenten dann auf selbstverständlich streng geheimer Strecke in die Innenstadt.

Und dann, siehe oben, biegt die Luxuslimousine der Queen auf den Römerberg ein, die Königin winkt huldvoll und so weiter…

Das Protokoll rechnet fest damit, dass Elizabeth sogar an die Absperrgitter herantritt, um Hände zu schütteln. Dann wartet im Kaisersaal des Rathauses ein festliches Bankett auf die Hundertschaft der königlichen Gäste. Die treffen beim Essen ihre Verwandten: Prinz Donatus von Hessen oder die Prinzessin von Hannover, die sich früher mal nicht zu schade war, als CDU-Stadtverordnete zwischen Bürgerlichen zu hocken.

Frankfurter Ehrenbürger wie Helmut Kohl und Friedrich Metzler sind geladen, der Präsident der Europäischen Zentralbank darf nicht fehlen, und natürlich werden frühere Frankfurter Stadtoberhäupter wie Volker Hauff, Andreas von Schoeler und Petra Roth erwartet.

Immergleiche Ritualen

Man darf bei Staatsbesuchen dieser Art nie nach Sinn und Zweck fragen. Oder gar nach Kosten. Da bekommt man nämlich keine Antwort. Nein, diese Visiten folgen geheimnisvollen, immergleichen Ritualen: Also trägt sich die Queen ins Goldene Buch der Stadt ein, während sich der amtierende Oberbürgermeister Peter Feldmann in ihrem Glanz sonnt. Und natürlich legt die Königin danach den Weg zur Paulskirche zurück, schließlich zeigt Frankfurt die „Wiege der deutschen Demokratie“ immer gerne her. Unten in der Wandelhalle wird edle Kunst aus Frankfurter Museen zu sehen sein, eigens für das Königspaar herangeschafft.

Geradezu mit Ekel reagiert man im Protokoll auf das publizistische Störfeuer von Parias, wie etwa der Römer-Fraktion im Römer, die fragt, ob die Queen etwa auch die Kleinmarkthalle aufsuchen wird. Was für ein Pöbel!

Schon am Nachmittag will das königliche Paar das Flugzeug zurück nach Berlin besteigen. Und uns im Elend der kalten und geschäftsmäßigen Bankenstadt zurücklässt. Aber in zehn Jahren werden Elizabeth und Philip bestimmt nochmal vorbeischauen.

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