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20 Quadratmeter für 712 Euro

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Von: Claus-Jürgen Göpfert

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Richtet sich auch an Uni-Mitarbeiter: Apartmenthaus „The Fizz“ an der Mainzer Landstraße.
Richtet sich auch an Uni-Mitarbeiter: Apartmenthaus „The Fizz“ an der Mainzer Landstraße. © peter-juelich.com

In Frankfurt ist das Wohnheim für Studierende „The Fizz“ im Gallus nur etwas für Betuchte. Für 20 Quadratmeter sind 712 Euro zu bezahlen.

An der Infotheke Blick in den Prospekt. Das „Single Studio“ bietet 18 bis 20 Quadratmeter zum Leben, hat aber einen „Pfeiler im Raum“. Wer sich daran nicht stört, kann zur Warmmiete zwischen 557 und 712 Euro im Monat einziehen. Für 557 Euro blickt man allerdings nur auf ein Parkdeck, für 712 Euro gibt es zwischen der sechsten und neunten Etage die „Aussicht über Frankfurt“. 382 Kleinstwohneinheiten für Studierende umfasst das riesige Gebäude „The Fizz – living cum laude“, Mainzer Landstraße 323–329.

Hinter der dunklen Metallfassade verbirgt sich das umgebaute ehemalige städtische Ordnungsamt, das nach dem Auszug 2011 entkernt wurde. Sehr teures Wohnen für Studierende sei ein „Trend“, so Mark Gellert, Sprecher von Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD). „Es gibt eine entsprechende Nachfrage“, urteilt er. Dazu zählten etwa „Juniorprofessoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Young Professionals“. Die Stadt spricht offiziell gar nicht mehr von Studierenden-Wohnen, sondern allgemein von „Mikroapartments“. Erst kürzlich hatte die Frankfurter Rundschau über die sehr teuren Studierendenapartments im ehemaligen Philosophicum auf dem alten Unigelände in Bockenheim berichtet. Dort liegt die Warmmiete für 23 Quadratmeter bei 670 Euro.

Das „Single Studio“ im „The Fizz“ wird im Prospekt mit den Worten beworben „Dein eigenes, voll ausgestattetes Reich“. Zum Reich gehören ein Bett („1,20 Meter breit inklusive Matratze“), eine „praktische Pantry-Küche“ und ein „modernes Duschbad mit eigenem WC“.

Das Konzept von „The Fizz“ ist offenbar wirtschaftlich so erfolgreich, dass ein zweites, riesiges Wohnheim geplant wird. Auf dem Grundstück Gutleutstraße 293 am Sommerhoffpark im Gutleut soll dieses Gebäude nach Angaben des Planungsdezernats 398 Apartments umfassen.

Auf einer Konversionsfläche der Deutschen Bahn AG, auf der vor einiger Zeit noch ein altes Heizkraftwerk stand, werden die Studierenden wohnen. Dabei dient das künftige Wohnheim „als Lärmriegel zur Bahnlinie hin“, so Referent Gellert. Generalübernehmer ist die OFB-Projektentwicklung GmbH. Ursprünglich war der Baubeginn bereits für den Sommer 2015 angekündigt, doch das Projekt hat sich verzögert. „Das Baugrundstück ist noch nicht komplett zusammen“, sagt Gellert.

Im „The Fizz“ an der Mainzer Landstraße heißt es, die neue Dependance am Sommerhoffpark werde 2018 eröffnen. An der Informationstheke im Erdgeschoss herrscht rege Nachfrage. Gerade fragt eine französische Mutter für ihre Tochter an, die in Frankfurt studieren möchte. Aber ist dieses Luxuswohnen für Studierende wirklich das, was die Stadtregierung von CDU, SPD und Grünen will?

„Es entstehen zu viele hochpreisige Wohnheimplätze und zu wenige im mittleren und unteren Preissegment“, gibt Mark Gellert vom Planungsdezernat zu. „Grundsätzlich schlagen zwei Herzen in unserer Brust“, sagt er. Das ehemalige Ordnungsamt an der Mainzer Landstraße sei ein „Konversionsprodukt“, weil Büros in Wohnungen umgewandelt worden seien. „Das freut uns grundsätzlich.“ Außerdem gelte, dass teure Apartments dafür sorgten, dass anderer Wohnraum von einer gut zahlenden Klientel nicht in Anspruch genommen werde.

Hinter der Marke „The Fizz“ steht die International Campus AG mit Sitz in München. Sie stellt sich als „Investor, Entwickler und Betreiber innovativer Studentenwohnhäuser“ vor. Man konzentriere sich auf „Städte mit überdurchschnittlich wachsendem Markt für hochwertiges studentisches Wohnen“. Innerhalb von fünf Jahren wolle man in Deutschland der Marktführer für diese Wohnform werden.

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