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„Närrisch uff Europa“, so lautete das Motto der Demo am Wochenende.

Demonstration

„Pulse of Europe“ integriert in Frankfurt karnevalistische Elemente

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Auch bei der Demo „Pulse of Europe“ sind Verkleidungen zu sehen.

In einem engen, blauen Ganzkörperanzug läuft ein Mann am Sonntagmittag zügigen Schrittes über die Kaiserstraße. Der gelbe Sternenkreis auf seinem Rücken, der mit dem Blau des Anzuges die Flagge der Europäischen Union symbolisieren soll, verrät, wohin er möchte.

Während an der Straße Passanten stehen, die auf den Frankfurter Fastnachtsumzug warten, läuft der Mann zum nahe gelegenen Roßmarkt. Dort, am Gutenbergdenkmal, haben sich die Aktivisten der Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ versammelt. Etwa 200 sind gekommen, mehrere von ihnen verkleidet, um für ein geeintes Europa zu demonstrieren. „Es herrscht Ausnahmezustand in Europa, und damit meine ich ausnahmsweise nicht den Brexit“, ruft Carine Chardon von „Pulse of Europe“, mit blauer Perücke auf dem Kopf, durch ein Mikrofon. In vielen Ländern wie Frankreich, Österreich und Spanien sei dieser Tage, genauso wie in Deutschland, die fünfte Jahreszeit im vollen Gange. Daher hätte sich unter dem Motto „Närrisch uff Europa“ auch die Frankfurter „Pulse of Europe“-Gruppe dazu entschieden, beim närrischen Treiben mitzumachen.

Büttenredner Bernd Albrecht, ebenfalls mit blauem, unechtem Haar auf dem Kopf, reimt von den Anfängen Europas, begonnen bei Griechen und Römern: „Sie wollte sich mit einer Mauer schütze, das tut meistens net viel nütze“. Über die Entwicklung der heutigen Europäischen Union: „Die Grenze wurde abgeschafft, damit net jeder de‘ Stau begafft“. Bis heute: „20 Jahre später, ich glaub‘ es kaum, ist Europa nur ein Traum?“

Karnevalistische Elemente integrieren

Franziska Schneider, die erst seit einem halben Jahr in Frankfurt wohnt und vorher schon öfter bei „Pulse of Europe“ in Leipzig dabei war, findet die Idee, karnevalistische Elemente zu integrieren, gut. „Es macht den Karneval politisch und die Politik ein bisschen lockerer“, sagt die 24-Jährige. Sie habe ihr „Großbritannien-Fan-Outfit“ angezogen, sagt sie: eine Union-Jack- und eine EU-Flagge, Leggings und ein Oberteil in blau-weiß-rot. Dazu trägt sie ein Schild um den Hals: „F*ck Brexit“. Zwei Jahre habe sie in der Nähe von London und Leeds gewohnt, sagt Schneider, und habe viele britische Freunde. „Ich sehe keinen Sinn im Brexit und als großes Ganzes gehören wir alle zusammen“, fügt sie hinzu.

Carine Chardon appelliert derweil, zur Europawahl zu gehen, um das Erstarken „populistischer, antidemokratischer Kräfte“ zu verhindern. „Eine Denkzettel-Wahl bringt nichts“, sagt Chardon. Wichtig sei, für Europa seine Stimme abzugeben. Sie hoffe in den nächsten Wochen auf mehr Zulauf: „Wir waren mal Tausende“, ruft sie. „Ein bisschen mehr dürften es sein“, finden auch Elinor und Norbert Bucher. Schon länger kommt das Paar aus Bad Nauheim zu den Aktionen der Bürgerbewegung nach Frankfurt. Die 69-Jährige hat im Vorjahr auch EU-Mützen zur Versteigerung gestrickt. Zwei der Mützen haben ihr Mann und ein Bekannter an diesem Tag aufgesetzt. Außerdem tragen alle Drei blau angemalte Clowns-Nasen, mit den gelben Sternen der EU. „Wir sind nicht so die Fastnachter“, sagt Elinor Bucher. Doch es sei „unheimlich wichtig, vor der Europawahl Flagge zu zeigen“, ergänzt ihr Mann. Der 71-Jährige finde „ein bisschen närrisch auch ganz witzig“, sagt er. Seitdem er lebe, gebe es Frieden in Europa. Das gelte es zu bewahren. Die beiden hätten Freunde in Frankreich, sagt sie, und es sei einfach wichtig, dass es weiterhin „offene Grenzen“ gebe.

Neben der Prämierung eines Wagens des Frankfurter Fastnachtsumzuges, der am Roßmarkt vorbei zieht und den Brexit thematisiert, wird vom Publikum auch das schönste Fastnachts-Kostüm gekürt. Der Mann mit dem blauen Ganzkörperanzug vom Anfang des Textes stellt sich ebenfalls zur Wahl. Den größten Applaus erhält aber das Modell eines Motivwagens, das auf einem Kinderwagen montiert ist. Es zeigt, der griechischen Sage entsprechend, Europa, wie sie auf einem Stier reitet. In den Händen hält sie ein Schild, auf dem steht: „We vote for Europe“ – Wir stimmen für Europa.

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