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Zerstörungswut - Demolierte und besprühte Briefkästen
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Eine solche Zerstörungswut wäre ja noch harmlos. In Frankfurt ging es wohl härter zur Sache.

Götter des Gemetzels

Krieg mit den Nachbarn – Psychoterror in Frankfurt

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Am Landgericht Frankfurt beginnt ein Prozess gegen ein Ehepaar, das im Nachbarschaftsstreit kaum Hemmungen haben soll.

Frankfurt – Es sei wohl „Psychoterror mit den Nachbarn“ gewesen, was das Ehepaar L. damals in Sossenheim betrieben habe, mutmaßt am Donnerstagmorgen (12.08.2021) ein Polizist im Zeugenstand des Landgerichts Frankfurt. Das ist womöglich maßlos untertrieben. Wenn die Anklage auch nur teilweise stimmt, sind die L.s keine herkömmlichen Psychoterroristen. Dann sind sie Götter des Gemetzels.

Die Anklage umfasst diverse Taten, die meisten davon falsche Verdächtigung und Vortäuschen einer Straftat. Von April 2016 bis April 2018 überzogen die L.s ihre Nachbarn in einem Mehrparteienhaus mit Eigentumswohnungen mit einer Armada von Strafanzeigen. Darunter alles, was dem menschlichen Nebeneinander Würze verleiht: Bedrohung, Beleidigung, Nachstellung, Hausfriedensbruch und Betrug. Und alles frei erfunden.

Nachbarschaftsquerelen in Frankfurt: Mehr als nur Kot an der Fensterscheibe

Begleiterscheinungen wie geknackte Briefkästen, Eier an der Hauswand oder Kot an der Fensterscheibe kennt man auch von anderen Nachbarschaftsquerelen. Die L.s sollen aber noch eine Stufe weiter gegangen sein und von ihrem Konto Überweisungen getätigt haben, die sie dann den Nachbarn in die Schuhe schoben: Diese hätten ihr Konto geknackt.

Ihr Meisterstück aber sollen die L.s einen Tag nach einer bei ihnen erfolgten Hausdurchsuchung, bei der die Polizei belastendes Material fand, abgeliefert haben. Da erschienen beide auf der Wache und beschuldigten einen Nachbarn, Frau L. im Aufzug brutal zusammengeschlagen und –getreten zu haben. Frau L. erschien auf der Wache mit blauen Flecken, Kratzern, einem Büschel ausgerissener Haare und einem gebrochenen Nasenbein. All diese Verletzungen soll sie sich aber selbst zugefügt haben.

Frankfurt: Sind die angeklagten Eheleute Götter des Gemetzels?

Das ist natürlich starker Tobak. Vor Gericht machen die beiden 68 Jahre alten Eheleute von ihrem Recht auf Schweigen Gebrauch. Ihre Verteidiger machen von ihrem Recht Gebrauch, zu versuchen, den Prozess durch Befangenheitsanträge und ähnlichen Kokolores zu Tode zu strapazieren. Sie haben aber die Rechnung ohne den Vorsitzenden Richter gemacht, der am ersten Verhandlungstag zu den ohnehin bereits terminierten elf Verhandlungstagen bis Ende des Jahres noch fünf weitere hinzufügt.

Ehemalige Nachbarn sind am ersten Verhandlungstag nicht als Zeugen geladen. Dafür ein paar Polizisten, die mit der Strafanzeigenflut der L.s konfrontiert waren. Wie der Beamte, bei dem die L.s nach dem angeblichen Überfall Anzeige erstattet hatten. Der hatte sich damals schon gewundert, dass die beiden nicht zuerst ins Krankenhaus gefahren waren. Aber trotz all der Schmerzen hätten sich Frau L. und Gatte zusammengerissen und auf das Wesentliche konzentriert: „Sie wollten so viel Schlechtes wie möglich über ihre Nachbarn reden.“

Nachbarschaftsstreit in Frankfurt: Da könnte was faul sein ...

Die Anzeigen brachten wenig Erfolg. Immerhin hat das Amtsgericht Höchst einmal ein Annäherungsverbot gegenüber einem Nachbarn ausgesprochen, der darüber ganz froh gewesen sein dürfte. Ansonsten endeten die Verfahren mit Einstellungen, einer immerhin mit einem Freispruch vor dem Amtsgericht.

Man habe damals schon die Möglichkeit in Betracht gezogen, dass irgendwas faul sei bei Familie L., erinnert sich ein anderer Polizist. Denn die wohnten früher in Schlangenbad und schon damals war die Zahl ihrer Anzeigen Legion. „Die Strafverfahren zogen dann irgendwie mit ihnen um.“ Obwohl sie in dieser Hinsicht auch in Sossenheim gewiss nicht faul waren, schienen sie nicht ausgelastet und schafften es, auch ein paar Strafanzeigen im Namen ihrer in Kelkheim lebenden und dort angeblich gemobbten Tochter zu stellen – in Ermangelung greifbarer Nachbarn gegen Unbekannt.

Mittlerweile leben die L.s in einem Dorf bei Hannover. Ob es da mit den Nachbarn klappt, ist unbekannt. (Stefan Behr)

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