Gericht

Prügelnde Fahrkartenkontrolleure

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Nasratullah K. muss sich wegen Schlägen und Tritten vor dem Amtsgericht verantworten.

Mit einer aus dem Ruder gelaufenen Fahrkartenkontrolle in der S-Bahn hat sich am Dienstag das Amtsgericht Höchst beschäftigen müssen. Angeklagt ist Nasratullah K. Der 34-Jährige soll im Januar 2017 als Fahrkartenkontrolleur gemeinsam mit einem Kollegen auf zwei jugendliche Fahrgäste eingedroschen haben. Doch bevor die Verhandlung beginnt, bittet K.’s Verteidiger Thomas Scherzberg um ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen. Das dauert fast eine halbe Stunde.

Laut Anklage, die dann doch noch verlesen wird, soll K. am Abend des 6. Januar 2017 gegen 21:10 Uhr bei der Fahrkartenkontrolle in der S2 Richtung Niedernhausen einem Fahrgast mit einem Tritt an der Haltestelle Hofheim aus der Bahn auf die Gleise gestoßen haben. Danach soll der Kontrolleur auf den am Boden liegenden Jugendlichen eingeprügelt haben. Dessen Kumpel, der ihm zu Hilfe kommen wollte, erhielt einen Faustschlag ins Gesicht, bei dem er ein Zahntrauma erlitt und stark aus einer Wunde über dem Mund blutete. Mehr verrät die Anklage nicht.

K.’s Anwalt räumt ein, das Gespräch sei verbal eskaliert, aber sein Mandant gebe die Schläge zu. Es habe eine Rangelei gegeben, die „nicht unbedingt einseitig“ gewesen sei. K. selbst sagt, „die Situation war nicht überschaubar.“ Doch das ist Amtsrichterin Julia Trinte-Schoeps zu wenig. Im Rechtsgespräch waren die Parteien wohl übereingekommen, dass K. ein reuiges Geständnis ablegt und sich bei den Geschädigten entschuldigt. Dies ist die Voraussetzung dafür, das Verfahren gegen K. einzustellen. Der Verteidiger versucht zu helfen. „Draußen hat er mir eben noch gesagt, es sei wohl nicht der richtige Job für ihn gewesen, weil er sich nicht unter Kontrolle hatte.“

Der Ansicht war K.’s Arbeitgeber wohl auch. Denn nach einem weiteren Vorfall war er seinen Job los. K. steht unter laufender Bewährung und will nun Taxifahrer werden. Im Moment hält ihn die Freundin aus, Unterhalt für die geschiedene Frau und die drei Kinder kann er derzeit nicht zahlen.

200 Euro für jedes Opfer

Die zwei geschädigten Jugendlichen werden nun als Zeugen gehört. Masud S. hat es noch glimpflich erwischt. Er musste nur ein paar Wochen eine Zahnschiene tragen. Ali A. hingegen scheint unter den Schlägen in den Unterleib noch heute zu leiden. Er könne nicht mehr Fußball spielen, das sei immer sein Traum gewesen. Die Entschuldigung des Angeklagten, in Dari, der gemeinsamen Muttersprache der drei Afghanen, nehmen die heute 20-Jährigen an.

Die Einstellung des Verfahrens soll mit einem Schmerzensgeld an die Geschädigten erfolgen. Doch welche Geldstrafe kann K. zugemutet werden? Die Staatsanwältin passt: „Ich stelle die Entscheidung ins Ermessen des Gerichts.“ Trinte-Schöps spricht den Geschädigten 400 Euro zu, beiden zusammen wohlgemerkt. K.’s Kollege war in einem anderen Verfahren gleich ganz freigesprochen worden. Zur Verhandlung, zu der er als Zeuge geladen war, erscheint er am Dienstag nicht.

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