Bili hatte schon einen schweren Start ins Leben.

Zoo 

Frankfurt: Prügel für Bonobo Bili

Bonobo Bili war einst im Frankfurter Zoo der Publikumsliebling. In  Wuppertal hat er es schwer: Die Weibchen dort beißen ihn blutig. 

Es war einmal ein strubbeliges Affenbaby, das von der Mama verlassen und ganz allein auf der Welt … – nein, nicht ganz allein. Denn im Frankfurter Zoo gibt es, wenn alle Stricke reißen, den Revierchef Carsten Knott und seine Frau Andrea, die menschliche Wärme und sogar ein Schlafplätzchen in ihrer Wohnung zu geben haben. Eine der vielen Waisen, die sie betreuten, blieb besonders in Erinnerung: der kleine Bonobo Bili. Kam 2009 mit dem Flugzeug aus England. Überwältigte alle mit seinem Charme.

Lang ist’s her. Zehn Jahre später müssen Frankfurter Zoofreunde jetzt schreckliche Bilder aus Wuppertal sehen. Dorthin zog Bili im November, um möglichst seine Gene weiterzugeben. „Am Anfang blieb auch alles ruhig, es sah gut aus“, sagt Andreas Haeser-Kalthoff, Geschäftsführer des Wuppertaler Zoovereins, zur schrittweisen Integration.

Doch in dieser Woche machten Fotos die Runde, die Bili mit blutenden Wunden zeigen, ein Ohr halb abgebissen. Die Bonobo-Damen, bei dieser Primatenart Chefinnen der Sippe, gehen auf den Neuen los. Ihn aus der vertrauten Heimat gerissen und gemobbt zu sehen, tut manchen Frankfurtern in der Seele weh.

„Auch uns tut er leid“, sagt Haeser-Kalthoff, „aber da muss der arme Kerl jetzt durch.“ Es sei typisch, dass nach einer gewissen Zeit Aggressionen aufkämen, und ebenso typisch, dass sie wieder beigelegt würden. Erfahrung mit der Integration männlicher Bonobos hat der Wuppertaler Zoo freilich in den vergangenen 20 Jahren nicht gesammelt.

Wuppertal: Hoffnung für Bonobo Bili

Die Zooleitung schafft nun Rückzugsräume mit Zwischenwänden, holt sich Rat beim Europäischen Zuchtprogramm EEP und beim Frankfurter Zoo. Hier, in Bilis früherer Heimat, betont man, zu den NRW-Kollegen volles Vertrauen zu haben. „Die Sozialstrukturen bei Bonobos sind hochkomplex und dynamisch“, heißt es in der Stellungnahme aus Frankfurt. „Letztlich verhalten sich die Tiere ganz natürlich. Um Bili kümmern sich die Wuppertaler Kollegen bestens.“

Die oft gerühmte Eigenschaft der Bonobos, Streit nicht mit Gewalt auszutragen, sondern mit Sex, gilt leider nicht generell. „Es ist nicht immer Love and Peace“, sagt die Frankfurter Zoosprecherin Christine Kurrle. Das sieht auch der Tierschutzbund so. „Ein gewisses Maß an Reibereien ist üblich“, sagt eine Sprecherin, „es darf nicht so weit gehen, dass ein Tier ernstlich verletzt wird.“

In Wuppertal ist man nicht beunruhigt. „Es gibt Momente der Annäherung in der Gruppe, die uns Hoffnung machen“, sagt Haeser-Kalthoff. Eine Rückkehr nach Frankfurt ist ausgeschlossen: In den Borgori-Wald sind inzwischen zwei Damen neu eingezogen, was die Gruppenstruktur so sehr verändert, dass es Bili hier noch schwerer hätte. Diese zwei Neuen wurden übrigens klaglos akzeptiert. Untereinander sind Bonobo-Weibchen nicht so.

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