Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Knapp 1000 Jugendliche feiern im Frankfurter Grüneburgpark das Ende ihrer Abi-Prüfungen.
+
Knapp 1000 Jugendliche feiern im Frankfurter Grüneburgpark das Ende ihrer Abi-Prüfungen.

Abi-Feier im Grüneburgpark

Von der Prüfung in die Partyzone

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
    schließen

Knapp 1000 Jugendliche feiern im Frankfurter Grüneburgpark das Ende ihrer Abi-Prüfungen.

Schon von weitem dröhnen Musik und Geschrei an die Ohren der Spaziergänger im Frankfurter Grüneburgpark. Manche gucken irritiert, andere machen einen Bogen um die große Menschenmenge, die sich auf dem Rasen versammelt hat. Ein paar wenige sind mutig, nähern sich dem Trubel und fragen nach, was los sei. „Wir feiern heute unser Abitur“, sagt ein Mädchen und rennt plötzlich los zu ihren Klassenkameraden, die sie schon verzweifelt gesucht hat.

Man kann schon leicht den Überblick verlieren, wenn man im Pulk der gut 1000 feiernden Jugendlichen steht. Wer kann, versucht per Handy seine verlorene Entourage wiederzufinden, falls er denn seinen Gegenüber in der Leitung versteht. Kaum fünf Meter müssen die Abiturienten gehen, dann dringt eine neue Melodie aus den vielen Boxen, Anlagen und Smartphones. Da konkurrieren schon einmal Helene Fischer und gleich nebenan Rapper Jay Z miteinander. Im Schatten der Bäume hat sich ein Hobby-DJ ordentlich breit gemacht. Mit Plattentellern, Laptop und fetten Boxen unterhält er seine Clique.

„Das ist der Frankfurter Weg des Abisaufens“, sagt Wolfgang Sterneck, Leiter des Alice-Project. Mit sieben weiteren Leuten, hat er einen Stand im Park aufgebaut und informiert die Feiernden über Drogen und deren Auswirkungen. „Wir verteilen auch kostenloses Obst und Wasser an die Jugendlichen.“ Die Schüler haben sich das Feiern verdient und ein Mal im Jahr müsse Frankfurt das aushalten. Die Helfer von Alice achten auch darauf, dass es nicht ausufert. „Unser Alkoholtest ist der Renner, damit kommen wir mit den Jugendlichen ins Gespräch“, sagt Sterneck. Dadurch wollen sie die Feiernden sensibilisieren, wo ihr Limit liegt. Später am Abend wollen die Projektmitglieder auch über das Gelände gehen und nach den Leuten schauen und notfalls helfen.

Das machen aber auch die Diensthabenden der Stadtpolizei. Etwa zwölf Beamte sind mit Unterstützung von sechs Polizisten im Einsatz und schauen, dass die Party nicht aus dem Ruder läuft. Gegen 16 Uhr liegt allerdings das erste Mädchen in der stabilen Seitenlage und braucht Hilfe. Ihre Freunde haben die Polizeibeamten in der Nähe gerufen, die schnell einen Rettungswagen verständigen. Nachdem die herbeigeeilten Retter eine Infusion gelegt haben, wird das Mädchen abtransportiert. Kaum ist der Wagen weg, füllt sich der entstandene Freiraum schon wieder mit Abiturienten – die Party geht natürlich weiter.

„Man feiert mit guten Freunden und es ist gute Stimmung. Was will man mehr“, sagt Aleksander von der Elisabethenschule Frankfurt. Er ist spontan hergekommen und prophezeit ein offenes Ende der Feierlichkeiten im Grüneburgpark. Während einige seiner Klassenkameraden heute noch in der Physik-Klausur schwitzen mussten, hatte er bereits alle Prüfungen hinter sich. Zumindest die schriftlichen. Wenn man es ganz genau nimmt, haben die Jugendlichen ihr Abi noch gar nicht in der Tasche. Schließlich warten im Juni noch die mündlichen Prüfungen auf die Schüler. Aber darüber macht sich heute kaum einer Gedanken.

Auf den Sandwegen rund um den Rasen müssen ein paar Spaziergänger erneut dem Rettungswagen Platz machen. In Abstimmung mit den medizinischen Helfern hat die Feuerwehr einen G-KTW (Groß-Krankentransportwagen) in der Nähe des Parks abgestellt, damit schnell reagiert werden kann. Bis zum Abend sind etwa zehn Notrufe bei der Feuerwehr eingegangen. Darin seien aber nicht die Einsätze vor Ort inbegriffen, zu denen die Rettungskräfte direkt gerufen wurden, so Feuerwehr-Pressesprecher Thomas Koch.

„Es ist der finale Abschluss nach dem Schriftlichen und es hat Tradition“, erklärt Antonia von der Ziehenschule in Eschersheim. Ihre Freundin Lena ist extra aus Darmstadt angereist um mit ihr zu feiern. „An sich ist es cool hier zu feiern, aber manche Leute kennen ihre Grenzen nicht“, sagt Antonia. Zudem kritisiert sie, dass die meisten ihren Müll nicht mitnehmen. „Ich werde meinen in die Mülleimer werfen.“

Tatsächlich ist der Rasen des Parks bereits am frühen Abend mit Plastikbechern, Pizzaschachteln, Flaschen und allerlei Verpackungen übersät. Die extra aufgestellten Mülltonnen sind für einen Großteil der Jugendlichen entweder unsichtbar oder geben eine prima Sitzgelegenheit ab, sobald sie einmal umgeschmissen sind. Immerhin vorbildlich nutzen die Abiturienten die aufgestellten mobilen Toiletten. Während die Herren die Pissoirs aus Plastik nutzen, stehen die Damen in relativ langen Schlangen vor den blauen Häuschen. Wildpinkler sind auf den ersten Blick nicht auszumachen.

Wer glaubt, dass alle Anwesenden auch Abiturienten sind, irrt sich gewaltig. Etwa Kai, der nur einige der feiernden Abiturienten kennt und sich ihnen angeschlossen hat. Oder Simon, der momentan noch sein Fachabitur macht und gefühlt ein Dauergast bei der Fete im Grüneburgpark ist. „Letztes Jahr war ja schlechteres Wetter gewesen, diesmal ist es echt schön.“ Er findet die ausgelassene Feier gut, weil er viele Leute kennt. Wenn er sein Abitur hat, wird er sich wieder den Feiernden im Park anschließen. „Dann kommen auch alle, mit denen ich bisher hier gefeiert habe“, verspricht Simon.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare