1. Startseite
  2. Frankfurt

Prozess um Mord vor 28 Jahren

Erstellt:

Von: Stefan Behr

Kommentare

Optiker aus Habgier und Angst vor Enttarnung umgebracht

Vor dem Landgericht wird seit Montag ein Mord verhandelt, der vor mehr als 28 Jahren begangen worden ist. Auf der Anklagebank sitzt der 48 Jahre alte Günay C.. Ihm wird vorgeworfen, am frühen Nachmittag des 20. Januars 1994 gemeinsam mit seinem Komplizen Mehmet E. den 70 Jahre alten Optiker Günter G. in dessen „Kontaktlinseninstitut“ in der Großen Eschenheimer Straße umgebracht zu haben – aus Habgier und um den vorangegangenen Raubüberfall zu verdecken.

Laut Anklage klingelten die beiden Männer an der Tür des Ladens, drängten den allein anwesenden Inhaber, der die Tür öffnete, ins Innere, verbanden ihm die Augen mit einem Schal, knebelten ihn mit einem Baumwolltuch und fesselten Hände und Füße mit Paketschnur. Dann durchstöberten sie das Geschäft nach Beute.

Während dieser Zeit konnte sich der Überfallene von seinen Fesseln befreien und auch die Augenbinde abnehmen – was laut Anklage wohl sein Todesurteil war. Mehmet E. war Kontaktlinsenträger und als G.s Kunde dem Opfer bekannt. G. leistete heftige Gegenwehr, laut Anklage fügte er seinen Mördern zumindest ein paar Schrammen zu. Dennoch hatte der alte Mann letztlich gegen die zwei aktiven Ringer keine Chance. Viermal wurde ihm mit einem Messer in den Hals gestochen, anschließend wurde er mit dem Schal stranguliert. Die Täter flüchteten nach der Tat mit ihrer Beute: der EC- und Kreditkarte sowie der Armbanduhr des Opfers und Bargeld in Höhe von etwa 1000 Mark.

Lange fehlte von den Mördern jede Spur – was für den mutmaßlichen Mittäter E. immer noch gilt. Auch ein Fahndungsaufruf in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ brachte keinen Erfolg.

Wie meistens in solchen Fällen kam den Fahndern schließlich der Zufall zu Hilfe: C., der relativ verhaltensunauffällig im südhessischen Ober-Ramstadt lebte, wurde im März 2021 wegen eines Drogendeliktes festgenommen. Dabei wurden auch Fingerabdrücke von ihm genommen, die mit denen des damaligen Tatorts übereinstimmten.

Zu den Vorwürfen will sich der Angeklagte zumindest vorerst nicht äußern – dass sich daran etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich. Die Jugendstrafkammer hat acht Verhandlungstage bis Mitte Juli angesetzt. Ihre Zuständigkeit sowie die Anwesenheit einer Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe Darmstadt erklärt sich aus dem Umstand, dass C. zur Tatzeit noch Heranwachsender war.

Auch interessant

Kommentare