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Kriminalität

Prozess mit Ricky vom Dach

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Frankurter Amtsgericht verurteilt Fassadenkletterer ohne Fortune.

In „Über den Dächern von Nizza“ brilliert Cary Grant als John Robie: Der als „die Katze“ berüchtigte Juwelendieb ist gewitzt, wortgewandt, akrobatisch, erfolgreich – und schwer zu fassen.

Ricky S. ist keine Katze. Und auch kein Kater. Laut Anklage gleicht Ricky S. eher der Taube und macht Mist auf dem Dach. Dem 39 Jahre alten gelernten Fensterbauer, der nach Polizeiangaben schon seit Jahren zwischen Bau und Bahnhofsviertelszene pendelt, wird Einbruchsdiebstahl sowie der Versuch vorgeworfen.

Am 4. Juni vergangenen Jahres kraxelt demnach S. durch das Fenster eines nicht abgeschlossenen Treppenhauses in der Kaiserstraße auf das Hausdach und von dort in das Schlafzimmer der Mutter des Hausmeisters Dennis J.. Dieser allerdings ist anwesend, wundert sich, wer da wohl im Zimmer der eigentlichen abwesenden Mutter sei, guckt nach, findet S. und stellt ihn zur Rede. Er sei Handwerker, sagt S., repariere die Satellitenschüssel auf dem Dach und habe sich wohl im Fenster geirrt. Er sei Hausmeister, sagt J., und wisse als solcher, dass das Haus gar keine Satellitenschüssel habe, dann weist er S. die Tür. Erst später stellt er fest, dass ihn mit S. auch eine etwa 800 Euro teure, als Erbstück aber unschätzbare Armbanduhr verlassen hat.

Aber bereits am 8. Juni schaut S. ja wieder vorbei, diesmal ins Schlafzimmerfenster des Hausmeisters, durch das er sich mit vollem Oberkörpereinsatz beugt und wohl gerade J. mit „Alter Sportsfreund!“ grüßen will, aber der ist immer noch sauer wegen der Uhr und verweigert mit prasselnder Gymnastikstange S. die Gastfreundschaft. Der entfleucht über die Dächer der Nachbarhäuser und rutscht schließlich via Dachschräge nach unten, der Polizei in die Arme.

„Das klingt jetzt blöd“, sagt Ricky S. am Dienstagmorgen vor dem Amtsgericht nichts als die Wahrheit. Die Sache sei so: Am 4. Juni hätten er und ein paar Szenefreunde sich auf dem gut erreichbaren Hausdach in der Kaiserstraße, das ihnen „in Corona-Zeiten“ als Rückzugsort diene, einen Lenz gemacht. Vom vielen Koksen sei er müde geworden und eingeschlafen, seine Kumpels hätten ihm dann das Koks geklaut und zum Streich das Fenster hinter sich geschlossen, so dass er sich beim Erwachen ein Ersatzfenster habe suchen müssen. Dasselbe sei ihm vier Tage später noch einmal passiert, nur mit einem anderem Fenster, aber demselben unfreundlichen Bewohner. Das tue ihm leid. Geklaut habe er nichts.

Bei seiner Festnahme hatte er der Polizei erzählt, eine Dame habe ihn nach einem Schäferstündchen auf dem heißen Blechdach aus Versehen dort droben ausgesperrt. Aber das klang damals blöd.

Das Amtsgericht verurteilt Ricky S. zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Hausmeister J. aber vermisst weiterhin seine Uhr und seine Gemütsruhe. Manches Mal, berichtet er im Zeugenstand, zucke er zusammen, wenn eine Taube allzu dicht an seinem offenen Fenster vorbeiflöge, weil er für eine Schrecksekunde wider besseres Wissen glaube, es handele sich um Ricky S. Und die Zahl der Tauben auf J.s Hausdach ist im Gegensatz zu der der Junkies wahrlich Legion. Vielleicht sollte er sich eine Katze holen.

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