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Räuberische Erpressung

Die  männliche Bescheidenheit des Joany R.

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Joany R. ist wegen schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Das Opfer soll er mit einem Straßenschild bedroht haben.

Joany R. erinnert optisch an den Banditen Tuco aus dem Sergio-Leone-Western „The Good, the Bad and the Ugly“ und ist auch sonst ein Ausbund toxischer Männlichkeit. Das mag am Alkohol liegen. „Wenn’s mir scheiße geht, trinke ich sehr viel“, sagt der 23-Jährige auf der Anklagebank des Landgerichts, so etwa drei Flaschen Whisky am Stück. „Und dann?“, fragt der Vorsitzende Richter. „Dann nix“, antwortet R.

Das ist männliche Bescheidenheit. Die Anklage lautet auf schwere räuberische Erpressung: Am 5. November 2018 schnorrte Joany R., dem es schon gegen 9.30 Uhr nicht gut ging, am Schaumainkai den 48 Jahre alten Ralf G. um eine Zigarette an. Die eine Dargebotene erschien ihm wohl zu wenig, jedenfalls riss R. ein mobiles Tempo-30-Schild aus der Verankerung, schwang es als Keule und stürmte mit dem Schlachtruf „Ganze Packung!“ auf G. los, der ihm völlig verängstigt das Päckchen entgegenwarf, in ein Museum flüchtete und die Polizei rief.

Joany R., wurde noch am selben Tag festgenommen und am nächsten Tag wieder freigelassen. An diesem Mittwochmorgen wird er dennoch aus dem Gefängnis vorgeführt, weil er am Tag nach seiner Entlassung vier Einbrüche beging und sich beim letzten erwischen ließ. Das Amtsgericht Frankfurt hatte ihn dafür zu sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt, weil R. schon vom Amtsgericht Bielefeld zu einer anderthalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden war: Er hatte ein Auto geknackt, war ohne Führerschein gefahren und dann noch in die Wohnung des Fahrzeughalters eingebrochen.

Lückenhafte Erinnerung

Seine Erinnerung an den Tattag ist lückenhaft: „Erstens war ich verzweifelt“ und zweitens „betrunken mit verschiedenen Drogen“. Da habe er sich ein Tempo-30-Schild als Wanderstab genommen um am Main zu lustwandeln, wo er auf einen anderen Wandersmann getroffen sei. „Entschuldigung, Sir, hätten Sie vielleicht eine Zigarette?“, habe er den Gevatter gefragt. Ob er eine bekommen habe, wisse er nicht mehr, er habe dann aber das Schild abgelegt und Frankfurt eigentlich verlassen wollen, „weil ich hab’ gesehen, dass da nicht gute Umgebung ist“. Und der gebürtige Bielefelder mit kosovarischen Wurzeln hat schon viel Umgebung gesehen.

Sein Leben fasst er kurz zusammen. Er sei mal in eine Schule gegangen, aber da habe es ihm nicht gefallen. Er habe mal ein halbes Jahr bei Burger King gearbeitet „und dafür einen Aufenthaltstitel bekommen“, dann aber aufgehört, „weil ich keinen Sinn mehr darin erkennen konnte“. Er habe im Kosovo seine Ehefrau kennengelernt, „wir haben zwei Minuten gesprochen und dann ging’s los“, zuerst nach Dänemark, wo man geheiratet, dann zu seinen Eltern nach Bielefeld, wo man gewohnt habe. Nach ein paar Monaten habe die Frau ihn verlassen, obwohl er 5000 Euro für sie bezahlt habe. Trau, schau, wem? Seine Eltern hätten ihn mittlerweile auch rausgeschmissen.

Der Prozess wird fortgesetzt. Mit Pech erwartet Joany R. an seinem Ende die ganze Packung des Gesetzes.

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