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Schulte soll im Kaisersaal des Römers den Protokollchef Karlheinz Voß attackiert haben.
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Schulte soll im Kaisersaal des Römers den Protokollchef Karlheinz Voß attackiert haben.

Römer

Ein Prozess als Kunstaktion

  • Fabian Scheuermann
    VonFabian Scheuermann
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Der ehemalige OB-Kandidat Carl Maria Schulte sieht sich als Opfer der Justiz. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schulte am 20. Juni 2013 im Kaisersaal des Römers den Protokollchef Karlheinz Voß von einem Klavierhocker gestoßen hatte, wobei sich dieser unter anderem eine Prellung zuzog.

Carl Maria Schulte hatte es angekündigt: Er werde durch alle Instanzen gehen, sagte der ehemalige OB-Kandidat im Dezember, als er vom Frankfurter Amtsgericht wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à acht Euro verurteilt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schulte bei der Verleihung des Bürgerpreises am 20. Juni 2013 im Kaisersaal des Römers den Protokollchef Karlheinz Voß von einem Klavierhocker gestoßen hatte, wobei sich dieser unter anderem eine Prellung zuzog.

Nun ging Schulte in Berufung. Und gleich zu Beginn der Verhandlung am Dienstag machte der 61-Jährige allen Verfahrensbeteiligten klar, dass er keineswegs die in der Öffentlichkeit gezeichnete Witzfigur, sondern ein ernst zu nehmender Kritiker des Justizapparats sei. Wohl um maximale Aufmerksamkeit zu erregen, will er den Prozess in den kommenden Wochen zudem frei nach Joseph Beuys „als Kunstaktion gestalten“, kündigte er an.

Dieses Vorhaben zeigte sich am Dienstagmorgen bereits an Schultes Bekleidung. Für das Verfahren hatte sich der selbst ernannte „Demokratiereformator“ einen schwarz-goldenen Kimono umgeworfen – auch um „Waffengleichheit“ zwischen sich und der Richterin herzustellen, wie er es ausdrückte. Diese trage schließlich auch eine Robe. Auf dem Kopf trug Schulte eine rosafarbene Kappe, und auf den Tisch legte er eine rote Rose und zwei Aldi-Tüten voller Unterlagen. Darin enthalten: Ergänzungen zu dem 110-seitigen Berufungsschreiben, das Schulte in Reaktion auf das Urteil gegen ihn im Dezember verfasst hatte. „Wie Sie sehen, habe ich mich gut vorbereitet“, sagte er triumphierend zu Beginn der Verhandlung.

Protest gegen „Willkür“

So eindeutig, wie die Zeugen im Herbst den Vorfall im Kaisersaal geschildert hatten, sei das alles nicht gewesen, begründete Schulte den Schritt in die Berufung. So sei er bei der Verleihung des Bürgerpreises „vielfach provoziert“ worden. Die Verurteilung vom Dezember komme deshalb einem „willkürlichen Urteil“ gleich, das es geradezubiegen gelte. Die Justiz könne nun zeigen, dass sie „lernfähig“ sei.

Zunächst wird das Verfahren jedoch für zwei Wochen ausgesetzt. In dieser Zeit soll ein Gutachter aufgetrieben werden, der ein psychologisches Sachverständigengutachten zu Schultes Aktion im Kaisersaal erstellen kann. Ein solches Gutachten hatte der Angeklagte bereits in seiner Berufungsschrift angeregt, und die Staatsanwaltschaft schloss sich am Dienstag dieser Idee an.

Den Pressevertretern drückte Schulte schließlich noch Zettel mit grundsätzlichen Positionen zum deutschen Rechtssystem in die Hand. In Bezug auf die laufende Verhandlung findet sich darin unter anderem der Satz: „Lassen Sie sich überraschen.“

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