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Prozess in Frankfurt: Unheiliger Zorn

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Die Richterin stellt das Verfahren gegen den mutmaßlichen Islamisten ein. Eine Klinik bescheinigt ihm mentale Probleme..

Ich komme wieder und bringe euch alle um!“ Viele Menschen haben schon Filialen der Telefonanbieterin T. besucht, und nicht wenigen davon dürften nach ein paar Minuten genau diese Worte auf der Zunge gelegen haben. Aber Muhamet A. hatte am 12. November 2020 in der T.-Filiale in der Nordweststadt den Mumm, sie auch auszuspucken. Wegen der überflüssigen Zugabe „Ihr könnt froh sein, dass es in Deutschland keine Scharia gibt!“ wurde sein Zorn aber als ein heiliger missinterpretiert. Und daher sitzt der 24-Jährige am Donnerstag wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat auf der Anklagebank des Amtsgerichts.

A. ist aus einer Weltgegend nach Frankfurt migriert, in der Menschen leben, deren Werte und Bräuche hier oft seltsam anmuten, nämlich aus Hanau. „Aber mit der Scharia hat er nichts am Hut!“, versichert sein Verteidiger. Er sei an jenem Tag nur „etwas aus der Haut gefahren“, weil er zuvor einen Vertrag mit der T. geschlossen hatte, der diese im Kleingedruckten ermächtigte, Geld von A.s Konto abzubuchen, was sie dann auch tat. Zudem habe sein Mandant, dem bereits 2017 wegen Dauerkiffens eine drogenbedingte Psychose attestiert worden war, damals unter paranoider Schizophrenie gelitten, die er aber mittlerweile durch Drogenabstinenz und Medikamente im Griff habe.

Das würde auch die Aussage einer T.-Mitarbeiterin erklären, die A.s Verhalten nach seiner Scharia-Todesdrohung an jenem Tag als etwas merkwürdig beschreibt. „Die T. hat mich krank gemacht“, habe A. ihr erklärt, und das klingt ja noch ganz vernünftig und nachvollziehbar. Aber dann habe er begonnen, die deutsche Nationalhymne zu summen.

Tatsächlich bescheinigt der Entlassungsbericht einer Frankfurter Klinik vom Januar 2021 A. handfeste mentale Probleme. Der hatte sich wenige Tage zuvor selbst eingewiesen, weil die mentalen auch juristische Probleme nach sich zogen. Er hatte „antisemitische Äußerungen“ getätigt, obwohl er „überhaupt nichts gegen Juden habe“. Der Entlassungsbericht empfiehlt weitere Behandlung. A. hat dies beherzigt und kann das dem Gericht schriftlich beweisen.

Die Amtsrichterin kann und will daher gar nicht anders, als das Verfahren einzustellen, und auch der Staatsanwalt gibt dazu seinen Segen. Auch deshalb, weil A. wegen einer ähnlichen Pöbelei vom November 2020 bereits zu einer – noch nicht rechtskräftigen – Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt worden war. Dieses Jahr sind lediglich zwei Verfahren wegen Schwarzfahrens hinzugekommen. „Das muss aber auch aufhören!“, mahnt die Richterin.

Ende gut alles gut. Der als einzige Zeugin geladenen Mitarbeiterin der T. bleibt eine Aussage über die gesummte Nationalhymne und eine mögliche Retraumatisierung erspart. Und A., der, wie er sagt, nach jahrelangem Kiffernebel endlich wieder Licht am Horizont sieht, kann in Ruhe darüber nachdenken, ob er eine Ausbildung zum Fliesenleger oder zum Industriemechaniker anfängt und wie er aus dem Vertrag mit der T. wieder rauskommt. Und natürlich froh sein, dass es in seinem deutschen Heimatland keine Scharia gibt.

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