Ein Mikro im Landgericht.
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Ein Mikro im Landgericht.

Justiz

Frankfurt: Salafist kündigte Selbstmordattentat auf Sachsenhäuser Kneipe an

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Vor dem Landgericht in Frankfurt beginnt der Prozess gegen einen Salafisten, der Anschläge mit selbstgebastelten Bomben und Maschinengewehren geplant haben soll.

Frankfurt - Filan M. betritt am Mittwochmorgen den Hochsicherheitssaal des Landgerichts im Salafisten-Business-Dresscode. Er trägt ein graues Sakko zu weißem Hemd, der üppige Vollbart sprengt jede Schutzmaske, die schwarzen Hochwasserhosen bieten Ausblick auf eine hochexplosive Mischung aus Waden, Ringelsöckchen und braunen Lederschuhen, Uhr und Handschellen in Silber-metallic runden das Gesamtbild ab. M. kann sich das leisten: finanziell, weil sein Vater Inhaber einer Klinik für Herzchirurgie ist; ästhetisch, weil er derzeit in Untersuchungshaft sitzt und keine ernsthafte modische Konkurrenz fürchten muss.

Salafist steht in Frankfurt vor Gericht: Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat

Die Anklage lautet: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Verstoß gegen das Kriegswaffengesetz und Körperverletzung. Dem 25 Jahre alten Offenbacher wird vorgeworfen, einen Selbstmordanschlag auf eine Kneipe in Sachsenhausen vorbereitet zu haben und sich zu diesem Zweck Wasserstoffperoxid, Aceton, Batterie- und Schwefelsäure sowie diverse Bombenelektronikteile besorgt zu haben. Der Anschlag scheiterte, weil M. sich vor der Ausführung auf sozialen Netzwerken mit Anschlagsankündigungen dicke gemacht hatte. Er soll zudem versucht haben, im Internet ein Maschinengewehr nebst Munition zu erstehen.

Auch das scheiterte, weil M. die Bitcoin, die er zuvor zu einem miserablen Kurs gegen echtes Geld eingetauscht hatte, an eine Betrügerfirma überwies. Zudem soll er in Offenbach einen Mann erst niedergeschlagen und dann getreten sowie einen Mithäftling im Gefängnisduschraum mit einem Wasserschieber verdroschen haben – ausnahmsweise beides erfolgreich.

Salafist in Frankfurt: von früh bis spät den Islamischen Staat gepriesen

M. ist, um das höflich zu formulieren, nicht die hellste Kerze auf der Torte, er selbst bezeichnet sich als „naiv“. Obwohl sein Vater ihm etliche Privatschulen finanziert hatte, reüssierte der Bub lediglich in Kiffen und räuberischer Erpressung, was zwar nicht zu einem Schulabschluss, aber immerhin zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe führte.

Noch in der Frankfurter U-Haft fand M., wie er sagt, den Weg zum Glauben, inmitten vollbärtiger Mithäftlinge, die von früh bis spät Gott und den Islamischen Staat lobpreisten. „Booah“, dachte M. da nach eigenen Worten, „die sind stark, die lassen sich von Ungläubigen nicht untermachen!“ Um sich von Ungläubigen nicht „untermachen“ zu lassen, muss man aber erst mal gläubig werden, und so geschah es mit M. dann auch – im Blitzradikalisierungstempo.

Salafist vor Gericht: Selbstmordattentat als Fluchtweg ins Paradies

Die Liebe zu Gott blieb auch nach der Haftentlassung im April 2019, dafür wuchsen in M. der Hass auf den Staat und das Abendland. Auf den Staat, weil dieser ihm nach der Entlassung nicht wie erhofft eine eigene Bude finanzierte, sondern ihn zurück ins Kinderzimmer zu Mutter und Stiefvater – die Eltern hatten sich mittlerweile getrennt – schickte. Auf das Abendland, weil er im Internet immer wieder Videos „von Bombenanschlägen der Anti-IS-Koalition“ auf Greise und Kleinkinder habe sehen müssen, was ihn „sehr geärgert“ habe.

Da habe er es als seine Pflicht betrachtet, gegen diese Bombenanschläge mit einem eigenen Bombenanschlag zu protestieren, weil „wenn Pflicht ist, dann musst du was machen!“ Zudem erschien ihm ein Selbstmordattentat als schnellster Fluchtweg aus dem Kinderzimmer, denn nach einem solchen „landet man direkt im Paradies und hat seine Pflicht erfüllt“.

Ob Allah über den Einzug Filan M.s sonderlich erbaut gewesen wäre, darf bezweifelt werden. Denn seine Langmut mag so groß sein wie die des Vorsitzenden Richters, aber selbst diese wird bereits am ersten Verhandlungstag auf eine harte Probe gestellt. Auf die Frage etwa, warum Filan M. von den 1000 Euro, die ihm sein Vater monatlich überweise, keine eigene Bude gemietet habe, die er sich doch so sehnlich gewünscht habe, weiß der junge Mann keine gescheite Antwort zu geben. Auf so eine Idee muss man aber auch erst einmal kommen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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