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Prozess gegen mutmaßlichen IS-Terroristen in Frankfurt: Zeugen sagen aus

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Gedächtnislücken beim Prozess gegen mutmaßlichen IS-Terroristen in Frankfurt.

Der mutmaßliche IS-Terrorist und „Emir“ Mohamed al G. hat zumindest eine Schneise des Vergessens geschlagen. Der 33-Jährige muss sich derzeit vor dem Oberlandesgericht verantworten. Der ehemalige Hilfsbauarbeiter soll mindestens 20 IS-Kämpfer befehligt, in Schlachten mitgekämpft und als leitender Sittenwächter der „Religionspolizei“ in der vom IS besetzten Stadt Raqqa gewütet haben.

Die Hauptzeugin der Anklage war al G.s Noch-Ehefrau, die den Behörden in Deutschland mitgeteilt habe, ihr Ehemann und etliche seiner Verwandten hätte mit Begeisterung beim IS mitgemacht.

Nach Darstellung seiner Verteidiger ist al G. freilich vor dem IS geflohen, der ihn und seine Familie gejagt hat, weil die sich als so eine Art humanitäre Freischärler in Eigenregie um Kriegsverletzte in Syrien, unabhängig von Glaube, Nationalität und Weltanschauung, gekümmert und sie in Krankenhäuser gebracht habe.

Am ersten Tag hatte die Ehefrau allerdings ihre Aussage überraschend zurückgezogen. Die Frau, die im Zeugenschutzprogramm ist, machte den Eindruck, als lebe sie in schrecklicher Angst vor den „Brüdern“ und „Cousins“ ihres Gatten, die mittlerweile in Kompaniestärke nach Deutschland ausgewandert sind.

Gestern berichtetete nun ein ehemaliger Mithäftling des „Emirs“, der mit ihm in Frankfurt in Untersuchungshaft saß. Dort habe al G. mehrfach gesagt, dass er „den IS liebe“, erinnert sich der Zeuge. Und er habe von Problemen mit seiner Ehefrau berichtet, die ihn an die Polizei verraten habe. Er habe zudem erzählt, dass er „Anführer einer Gruppe“ gewesen sei und manche Schlacht gegen manchen Feind geschlagen habe: gegen Assads Truppen, gegen andere islamistische Terroristen, die man als Konkurrenz betrachtet habe, aber auch gegen einen anderen IS-Kommandanten der Stadt Raqqa, mit dem man sich regelmäßig um Gefangene, vor allem Aleviten, gestritten habe. Dabei sei es, habe der „Emir“ zugegeben, um die Frage gegangen, wer „die meisten Gefangenen an den IS weitergeben“ und so dem so gut wie sicheren Tod überantworten könne – „um angeben zu können“, wie der Zeuge schlussfolgert.

Das ist zwar weit mehr, als bei der Ehefrau zu holen war. Aber an viele wichtige Details, die der Zeuge bei seiner richterlichen Vernehmung vor knapp einem Jahr zu Protokoll gegeben hatte, will er sich partout nicht mehr erinnern können. Auf Nachfrage des von den jetzt eher schwammigen Aussagen genervten Vorsitzenden Richters Thomas Sagebiel nennt der Zeuge eine mögliche Erklärung, die der der Aussageverweigerung der Ehefrau nicht unähnlich ist: „Ich habe Probleme im Gefängnis und habe das vergessen.“

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