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Der Angeklagte Franco A. sitzt am dritten Prozesstag im Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt und wartet auf den Beginn der Verhandlung.
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Franco A. muss sich vor Gericht verantworten, hier ein Bild vom dritten Prozesstag im Juni.

Gericht

Prozess gegen Franco A.: Antisemitische Chats verlesen

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen Franco A. nach der Sommerpause geht es um antisemitische Chats und eine rassistische Masterarbeit.

Frankfurt - „Man weiß ja nicht, welcher Kack-Jude dein Telefon überwacht.“ Als Mathias F. seinem Kumpel Franco A. diesen Satz einst chattete, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass der ihm irgendwann mal im Zeugenstand der Staatsschutzkammer des Frankfurter Oberlandesgerichts vorgehalten werden würde. Aber man weiß halt nie.

„Per se“ habe er gar nichts gegen Juden, versichert F., er habe selbst schon im Laufe seiner 29 Lebensjahre einige getroffen und das relativ schadlos überstanden. Aber prinzipiell sei er „allen Religionen gegenüber sehr kritisch“, und die Juden hätten schließlich mit dem Kokolores angefangen, daher dürften sie sich nicht wundern, wenn sein Zorn sie unter allen Kindern Gottes am häufigsten treffe.

Masterarbeit von Franco A. „Völkisch-nationalistischer Appell“

Es ist der zweite Verhandlungstag nach der Sommerpause im Prozess gegen Franco A., den Bundeswehroffizier, dem die Anklage vorwirft, unter seiner falschen Identität als syrischer Flüchtling einen Terrorakt vorbereitet zu haben.

In der Woche zuvor war die Masterarbeit Thema bei Gericht gewesen, die A. 2014 unter dem Titel „Politischer Wandel“ der französischen Militäruniversität vorgelegt hatte. Grob vereinfacht enthält die Arbeit zwei Thesen. Erstens: Alles ist im Eimer. Zweitens: Schuld sind die Juden. Der Gutachter der Bundeswehr nennt die Masterarbeit einen „völkisch-nationalistischen, rassistischen Appell“ auf „pseudowissenschaftlicher Grundlage“. In einer Sache gesteht er A. Diversität zu: Die „Liste seiner Feindbilder“ sei „bunt und lang“. Aber immerhin hat sie eine klare Nummer Eins.

Verteidiger von Franco A. zitiert Gutachten des Deutschen Freidenker-Verbands

A.s Verteidiger Moritz David Schmitt-Fricke unternimmt nun am gestrigen Donnerstagmorgen (19.08.2021) einen verzweifelten Versuch zur Ehrenrettung der Masterarbeit seines Mandanten. Beim Surfen im Internet ist Schmitt-Fricke auf ein Gutachten des Deutschen Freidenker-Verbands gestoßen, das ihm viel besser gefällt, und das er darum jetzt einfach mal vorliest. Auch dieses Gutachten kommt zu dem Ergebnis: Alles ist im Eimer. Und Schuld ist das Kapital. Man könne Franco A. Begriffsschluderei vorwerfen, aber keinesfalls Rechtsextremismus.

Es zeugt von Mut, was Schmitt-Fricke da treibt. Gutachten des Deutschen Freidenker-Verbands werden sonst nur sehr selten vor Gericht zitiert.

Prozess gegen Franco A.: „Alte Volkslieder“ und „Mein Kampf“

Aber zurück zu Mathias F. Von dem will der Vorsitzende Richter Christoph Koller wissen, ob man in den Begriff „Kack-Jude“ mit viel bösem Willen nicht vielleicht doch ein ganz kleines bisschen Judenhass hineininterpretieren könnte. Das könne man, wenn man partout wolle, antwortet der Ingenieur, der im September 2019 vom Landgericht Gießen zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden war, weil er für seinen unter Terrorverdacht stehenden Rudervereinskameraden A. Waffen, Munition und Büchlein wie „Alte Volkslieder“ oder „Mein Kampf“ aufbewahrt hatte.

Aber dann bittet er um Verständnis für seine damalige Schreibe, indem er alte antioffenbacherische Klischees bemüht: Seine damalige Heimatstadt sei eine grammatikfreie Zone, in welcher die Verbal-Vendetta schon lange den Small Talk ersetze. Ruppigkeit diene dort lediglich als Stilmittel: „Es ist faktisch unmöglich, einen Offenbacher verbal zu beleidigen!“

Mittlerweile aber ist F. nach eigenen Angaben „gereift“, geläutert – und nach Stuttgart verzogen. (Stefan Behr)

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