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Im Frankfurter Niddapark war im Mai eine Frauenleiche gefunden worden.

Prozess in Frankfurt

Mord im Niddapark: Umfangreiche Anklage gegen Jan M. erhoben

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Dem Frankfurter Gastronom Jan M. wird vorgeworfen, seine Geschäftspartnerin Irina A. im Niddapark heimtückisch getötet zu haben.

Gut zehn Monate nach dem grausamen Mord im Niddapark hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Frankfurter Gastronomen Jan M. erhoben. Dem 51-Jährigen werden Mord, Raub mit Todesfolge, Betrug und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Laut Anklage soll M. seine Geschäftspartnerin Irina A. am Abend des 8. Mai 2018 heimtückisch mit mindestens 21 Messerstichen in Brust, Kopf und Nacken getötet haben. Er soll sich mit der 29-Jährigen unter einem Vorwand im Niddapark verabredet haben, angeblich, um seine Schulden zu begleichen. M. habe sich damit den „immer drängenderen Rückzahlungsforderungen“ der 29-Jährigen entledigen wollen, heißt es in der Anklage. Nach der Tat soll M. die Tote auf eine angrenzende Wiese gezogen, ihr eine teure Uhr, einen Diamantring und den Autoschlüssel abgenommen haben und geflüchtet sein.

Ein Spaziergänger hatte die Leiche am Morgen des 9. Mai gefunden. M. war schnell ins Visier der Ermittler geraten, bekam zunächst aber ein falsches Alibi von einer Bekannten. Als die Polizei am Tatort Blutspuren von M. fand, wurde er drei Tage nach der Tat festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Als Tatmotiv sahen die Ermittler zunächst Habgier. M. und das Opfer kannten sich aus der Frankfurter Szene. Irina A., als Szene-Girl und Bedienung bekannt, wurde aber auch 50-prozentige Teilhaberin der von M. gegründeten „Gastro-Group“. In diesem Zusammenhang lieh A. dem Beschuldigten Geld. In einem Fall sollen das laut Staatsanwaltschaft 175 000 Euro gewesen sein, die A. nie zurückbekam.

Geschäftspartner betrogen

Wie viel Geld genau M. dem Opfer geschuldet haben soll, dazu machte die Staatsanwaltschaft am Dienstag keine Angaben. Die Gastro-Group stand aber laut Bundesanzeiger mit mehr als einer Million Euro in der Kreide.

Während der monatelangen Ermittlungen hatte die Polizei laut Anklage 80 Zeugen befragt, die meisten davon aus dem Umfeld von Beschuldigtem und Opfer. Die Ermittlungen haben zahlreiche weitere Anklagepunkte zur Folge. Demnach war die 29-Jährige nicht die einzige, der M. Geld schuldete. So soll er einen langjährigen Geschäftspartner mehrfach betrogen haben. Unter der Vorspiegelung, gemeinsam eine Bar und ein Café zu übernehmen, soll ihm der Geschäftspartner zwischen September 2015 und November 2017 in drei Tranchen insgesamt 120 000 Euro überwiesen haben. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass M. das Geld für private Zwecke verwendet hat.

In einem weiteren Fall soll M. im Dezember 2016 die von ihm betriebene Bar „First In“ auf der Freßgass’ zum Verkauf angeboten und einem Interessenten mit einer gefälschten betriebswirtschaftlichen Aufstellung ein lukratives Geschäft vorgetäuscht haben. Um die Bar zu promoten, hatte M. ohnehin nichts unversucht gelassen. In die Schlagzeilen geraten waren er und das spätere Opfer, als sie der Öffentlichkeit vorgaukeln wollten, an Silvester 2017 habe es in der Bar einen Sex-Mob gegeben, ähnlich wie auf der Kölner Domplatte. M. und A. sollten sich dafür vor dem Amtsgericht verantworten.

Ins Visier der Behörden war M. indes schon vorher geraten. Bereits im Juli 2014 hatte ihm das Ordnungsamt wegen unsachgemäßer Aufbewahrung untersagt, eine halbautomatische Pistole zu besitzen. Besagte Schusswaffe soll M. dann kurz vor seiner Festnahme in der Nähe auf einem Grünstreifen deponiert haben, wo sie am 14. Mai gefunden wurde. Die eigentliche Tatwaffe, ein Messer, haben die Ermittler bislang allerdings nicht gefunden.

M. selbst hat die Tat bislang bestritten und im Streit um seine Verteidigungsstrategie auch seinen Strafverteidiger gewechselt.

M. hat nach eigenen Angaben in Frankfurt und Montreal BWL studiert, eine Banklehre gemacht und danach für eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und ein privates Bankhaus gearbeitet, bevor er in die Gastronomie einstieg und zahlreiche Clubs und Bars in Frankfurt und Bad Homburg führte. Der 51-Jährige hat zwei Söhne, genau wie das Opfer, das sehr beliebt war, wie eine Gedenkstätte am Tatort bewies.

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