+
Polizeieinsatz am Frankfurter Hauptbahnhof

Prozess

Prozess in Frankfurt: Marco Reus und die Sache mit dem Polizisten

Ein Prozessversuch gegen einen jugendliche Sanitäter-Schläger hinterlässt deutlich mehr Fragen als Antworten.

Frankfurt - Leider erscheint der Angeklagte nicht zu seinem Prozess vor dem Jugendgericht. Die Richterin will die etwa 50 Schüler, die im Zuschauersaal sitzen, aber nicht gänzlich uninformiert ziehenlassen. Sie erklärt kurz, um was es hier gehen sollte: Ein fachmännisch berauschter (1,57 Promille) 19-Jähriger hatte am frühen Morgen des 16. September 2018 am Hauptbahnhof auf Außenstehende den Eindruck einer „hilflosen Person“ vermittelt. Zu Unrecht: Den herbeigerufenen Sanitäter begrüßte der vermeintlich Hilflose mit dem Satz „Chill mal, du Bastard!“ und einem Fausthieb in den Magen. Deswegen sollte er sich eigentlich wegen Widerstands und Körperverletzung verantworten, sei aber leider nicht kommen.

„Ich habe jetzt drei Möglichkeiten: Wir erlassen gegen ihn einen Strafbefehl in Abwesenheit, wir lassen ihn an einem anderen Termin von der Polizei abholen und vorführen, oder wir stellen einen Haftbefehl aus. Was würdet ihr machen?“, fragt die Richterin. Die Schüler entscheiden sich für Antwort B. Die Richterin auch.

Prozess: Kleine Rechenaufgabe der Richterin

„Habt ihr noch Fragen?“, fragt die Richterin. Ja, sagt eine Schülerin, das mit den Strafbefehlen und Tagessätzen sei ihr nicht ganz klar. Also, das sei so, erklärt die Richterin: Mal angenommen, ein Besser- und ein Schlechterverdienender hätten dasselbe ausgefressen und sollten dafür eine Geldstrafe zahlen, dann müsse eine gerechte Lösung her, „die beide gleichblöd finden“. Und mal angenommen, der Schlechterverdienende habe monatlich 3000 Euro übrig und der Monat habe 30 Tage, wie viel habe der Schlechterverdiendende dann täglich übrig... aber offenkundig ist es nicht der Mathe-Leistungskurs, der heute das Gericht besucht.

Also fragt die Richterin den Staatsanwalt: „Angenommen, jemand würde bei H&M eine Jacke im Wert von 45 Euro klauen, was würden Sie beantragen?“ – aber der Staatsanwalt hat leider nicht recht zugehört. „Entschuldigung“, sagt er, „ich war gerade in Gedanken bei der Geschichte mit Marco Reus.“ Die Richterin freut sich. „Die Marco-Reus-Geschichte? Ja, die würde die jungen Leute bestimmt interessieren...“

Würde sie wohl, aber in diesem Moment geht die Tür auf, und der Angeklagte Patrick A. gibt sich doch noch die Ehre. Sie habe hier gleich zwei Anklagen gegen ihn, begrüßt die Richterin den Verspäteten, die eine mit dem Sanitäter „und dann noch die Sache mit dem Polizisten“, da könne man ja jetzt gleich beides verhandeln.

Schule ist im Moment kein Thema

Lieber nicht, sagt Patrick A., für die Sache mit dem Polizisten brauche er einen Verteidiger, für die mit dem Sanitäter nicht. Es sei nämlich so: In der Nacht auf den 16. September habe ihn ein Kamerateam von RTL II porträtiert, und die Aufnahmen, ausgestrahlt vor wenigen Wochen in der Sendung „Hartes Deutschland“, bewiesen eindrucksvoll, dass er den Sanitäter nicht geschlagen, sondern bloß die Hand zum Gruße erhoben habe. Ob er die Tat leugnen wolle?, versucht die Richterin Sinn in das Geschwätz zu bringen. Ja, antwortet A. Dann, sagt die Richterin, komme man nicht umhin, einen neuen Termin festzulegen, um an diesem auch den Sanitäter zu hören, der die Faust im Magen zu spüren geglaubt hatte.

Ob es denn am Morgen des 8. Juli konveniere, will die Richterin von A. wissen, oder ob dem schulische Termine entgegenstünden. „Ich gehe im Moment nicht mehr zur Schule“, sagt A., der deshalb auch nicht weiß, dass dann Sommerferien sind, er wolle schließlich „die Firma weiterführen“. Das sei ja interessant, sagt die Richterin, was für eine Firma das denn sei? „Keine Ahnung“, antwortet Patrick vermutlich wahrheitsgemäß, „die gehört einem Freund meines Vaters, mit drei verschiedenen Labels und so.“

Und so verlassen zumindest die Schüler das Amtsgericht mit dem erworbenen Wissen, dass manche Prozesse mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten. Was ist das für eine Sache mit dem Polizisten? Wie geht die Geschichte mit Marco Reus? Und ist das RTL-II-Programm tatsächlich so seltsam wie sein Ruf?

(Stefan Behr)

Das könnte Sie auch interessieren

Eintracht Frankfurt: Alles ruhig an der Wechselbörse

Eintracht Frankfurt bastelt nach wie vor im Hintergrund am neuen Team.

Kommt ein dominanter Mittelfeldspieler von Bundesliga-Rivalen?

Eintracht Frankfurt schaut sich nach dominanten Mittelfeldspielern um - und hat zwei Kandidaten ins Auge gefasst.

Korb für die Eintracht - englisches Talent will zu Glasgow Rangers

Eintracht Frankfurt: Die SGE hat auf dem Transfermarkt einen Korb bekommen. Ein englisches Talent wechselt lieber zu den Glasgow Rangers.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare