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Am Ende fällt ein Urteil: Lolek und Bolek werden bestraft.

Versuchter Raub

Lolek und Bolek vor Gericht: Ein Pizza-Prozess in Frankfurt 

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In Frankfurt gibt es einen Prozess gegen einen Räuber mit mehr Angst vor dem Opfer als umgekehrt.

Man könnte meinen, Lolek und Bolek seien Wölfe im Schafspelz. Die Schöffenrichter an der Jugendkammer des Amtsgerichts scheinen fast enttäuscht, als sie der Angeklagten angesichtig werden, die am 27. Juli 2017 am Rand des Holzhausenparks versucht hatten, einen Pizzaboten auszurauben. „Die sehen aber ziemlich harmlos aus“, urteilen die Richter nach kurzem Ansehen der Personen.

Laut Anklage sind Lolek und Bolek eher Schafe im Wolfspelz. Zumindest in jener Julinacht: Lolek, zur Tatzeit gerade 21, drücken Drogenschulden, die Gläubiger werden ungemütlich. Lolek telefoniert zwei Freunde zusammen, darunter Bolek, seit ein paar Tagen volljährig. Er schnappt sich eine Schreckschuss- und eine Gaspistole und zwei Skimasken, dann fahren die drei zum Holzhausenpark. Zuvor bestellen sie in einer Westendpizzeria zwei Pizzas an eine Adresse in der Fürstenberger Straße. Mit Thunfisch.

Der 21 Jahre alte Student und Pizzalieferant Delit B., laut Staatsanwaltschaft „ein relativ beherzter Mann, der sich nicht ins Bockshorn jagen lässt“, bringt gegen 23 Uhr zwei Pizzen ins Nordend, findet die Adresse nicht und ärgert sich. Seine Laune bessert sich nicht, als er plötzlich in die Pistolenmündungen zweier Skimaskenträger blickt.

Lolek und Bolek gehen mittlerweile einer geregelten Arbeit nach

„Gib uns dein Geld und dein Handy“, bittet Lolek. „Mein Handy kriegt ihr nicht“, antwortet Delit B. „Ja, okay, dann behalt dein Handy“, bessert Lolek sein Eröffnungsangebot nach, beharrt aber auf einer Spende. „Wollen wir das jetzt wirklich durchziehen?“, fragt Delit B. „Ja, wir müssen das machen“, antwortet Lolek.

Delit B. zieht seine Börse aus der Tasche, wedelt mit den Scheinen, und wenn die Räuber danach schnappen, zieht er die Scheine wieder weg. Lolek tritt zwei Schritte zurück, feuert zweimal. Vom lauten Knall verschreckt flüchten die Räuber. Delit B. aber ist jetzt sehr sauer, sprintet hinterher, um die beiden zu verhauen, aber die werfen sich in das wartende Auto und flüchten mit quietschenden Reifen. Delit B. ruft die Polizei und sagt denen, „zwei hochverunsicherte Kindsköpfe“ hätten versucht, ihn auszurauben.

Dem ist wenig hinzuzufügen. Zudem sind Lolek und Bolek relativ unbeschriebene Blätter, gehen mittlerweile einer anständigen Arbeit nach und lassen nach Kräften die Finger von den Drogen. Lolek hat 300 Euro zusammengespart, die er Delit B. gibt. Die Pizzen hatte Delit B. damals wieder mitgenommen.

Das Amtsgericht verurteilt Lolek zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Bolek, der glaubhaft versichert, nicht der zweite Räuber, sondern der Fahrer gewesen zu sein, kassiert zwei Wochen Jugendarrest. Der Richter bittet ausdrücklich darum, „dass so was in Zukunft gelassen wird“. Lolek und Bolek versprechen, dass so was in Zukunft gelassen werde. Von ihren Eltern, bei denen sie damals noch wohnten, sind sie bereits ordentlich ausgeschimpft worden. Den dritten Mann vom Überfall aber wollen sie nicht verraten, weil der immer noch ihr Freund sei, und Freunde verrate man nicht.

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