+
In Frankfurt hat ein Prozess gegen eine mutmaßliche Schleuserbande begonnen. (Symbolbild)

Justiz

Prozess in Frankfurt: Liebesgrüße aus dem Kosovo

  • schließen

In Frankfurt beginnt ein Prozess gegen eine mutmaßliche Schleuserbande. Die Angeklagten setzten sich für die Ehe ein, aber nicht für die Liebe.

Zwei Männer und eine Frau müssen sich seit Mittwoch vor dem Landgericht verantworten, weil sie anderen Menschen zum Eheglück verholfen haben sollen. Die Staatsanwaltschaft aber nennt das äußerst prosaisch Verstoß gegen das Freizügigkeitsgesetz und Urkundenfälschung.

Mehmet G. (58), sein Sohn Visar (34) und Nadja C. (42) sollen spätestens von Ende 2016 bis Anfang 2018 mehreren Nicht-EU-Bürgern, und zwar ausschließlich Männern aus dem Kosovo, dem Herkunftsland der G.s, zu einem Aufenthaltsrecht in Deutschland verholfen haben. Und zwar immer mit derselben Masche: Heiratswillige Frauen aus Rumänien und Bulgarien sollen unter anderem von der Rumänin Nadja C. angeworben worden sein. Danach sollen die Frauen einen ihnen bis dahin völlig unbekannten Kosovaren geheiratet haben – entweder im Kosovo selbst oder im Heirats-Hotspot Dänemark. 

Frankfurt: Gefälschte Miet- und Arbeitsverträge 

Anschließend habe die Bande die Frauen mit gefälschten Miet- und Arbeitsverträgen ausgestattet und die Frischvermählten in Frankfurt bei den notwendigen Behördengängen begleitet. Sobald die Männer die für einen mindestens fünfjährigen Aufenthalt notwendigen Papiere hatten, sagt die Staatsanwaltschaft, hätten die Damen sich wieder in ihr Heimatland zurückgezogen, die Männer aber lebten weiter in Deutschland – und wenn sie nicht gestorben seien, dann täten sie das noch heute.

Der Entzug der Freiheit 

Der ersten Verhandlungstag war geprägt vom Verlesen der daumendicken Anklageschrift und diversen Rechtsgesprächen. Sollten die Angeklagten sich geständig einlassen, dann erwarten den Vater rund dreieinhalb, den Sohn etwa zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe - Nadja C. dürfte mit Bewährung davonkommen.

Mehmet G. soll der Kopf der Bande gewesen sein und pro Heirat einen „deutlich fünfstelligen Betrag“ abkassiert haben. Zumindest reiste er standesgemäß: Während die Brautpaare klimafreundlich vom Kosovo oder aus Dänemark mit dem Bus anreisten, nahm G. den Flieger. Sein Sohn Visar soll zur Tatzeit mit Drogenproblemen gekämpft haben. Dafür spricht auch die Einnahmesituation: Bei Mehmet G. wurden knapp 100.000 Euro sichergestellt, bei Visar 800. Der Prozess wird fortgesetzt.

Stefan Behr 

In Frankfurt kam es zu mehreren kuriosen Gerichtsprozessen. So drohte ein Mann in einem Café den Anwesenden mit Orangen. An anderer Stelle wurde ein Polizist von einem rabiaten Rentner mit seinem Auto mitgeschleift. Er hatte den Polizisten mit einem Klempner verwechselt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare