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Gerichtsgebäude in Frankfurt. (Symbolbild)

Kriminalität

Prozess in Frankfurt: Haftstrafe für pädophilen Therapeuten

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Die Verhandlung zu einer seltsamen Thailand-Reise endet vor dem  Landgericht.

Als die Kammer am späten Vormittag das Urteil verkündet, klingt das für manche Zuhörer wie eine Erlösung. Der 53 Jahre alte Therapeut Michael G. wird wegen Kindesmissbrauchs sowie Beihilfe und des Besitzes und Verbreitens von Kinderpornos zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Doch nicht jeder hört die Urteilsbegründung mit Wohlgefallen: Während der Angeklagte anfangs mit gespielter Erheiterung lauscht, vergräbt neben ihm einer seiner drei Verteidiger – er ist der einzige, der zur Urteilsverkündung erschienen ist - sein Gesicht in den Händen, als wenn er ob des keineswegs milden Urteils die Welt nicht mehr verstünde. Er hatte auf Freispruch plädiert.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Michael G., der sich als Diplom-Psychologe auf die „Therapie“ von Pädophilen und Kindern mit ADHS spezialisiert hatte, 2005 einen Patienten auf einer von diesem bezahlten zweiwöchigen „Therapie-Reise“ nicht nur zu sexuellem Kindesmissbrauch ermutigt, sondern selbst auch missbraucht hatte. Es hält ihn für schuldig, einem damals Zwölfjährigen auf den Philippinen 100 Euro überwiesen zu haben, damit dieser in zwei „Live-Sex-Shows“ seine Fantasien wahr werden lasse. Und das Gericht hat keinen Zweifel daran, dass die mehr als 50 000 kinderpornografischen Bilddateien, die die Ermittler auf G.s Computer gefunden hatten, keinesfalls dessen „wissenschaftlicher Arbeit“ dienten, wie dieser selbst behauptet hatte.

Den Missbrauch in Thailand hatte der Therapeut geleugnet. Der Hauptbelastungszeuge, der damalige Patient, der gegen seine Pädophilie ankämpfen wollte und dabei ausgerechnet an G. geraten war, hatte hingegen glaubhaft versichert, sein damaliger Therapeut habe auf seine Kosten in Thailand alles und jeden mitgenommen, der „nicht bei Drei auf den Bäumen“ war. Der Missbrauch des philippinischen Kindes ist durch Textnachrichten an das Opfer belegt. Mit der Behauptung zur „Kinderporno-Wissenschaft“ beschäftigte sich die Kammer aus gutem Grund nicht weiter.

Immerhin: So ganz ohne wissenschaftliche Reputation ist der Therapeut nicht. Im Internet finden sich einige seiner Aufsätze zum Thema Pädophilie, ihr Tenor lautet, dass die „Hexenjagd“ auf Pädophile aus einem tiefen Hass der Gesellschaft auf Homosexuelle resultiere, denn schließlich gäbe es ja auch unter Pädophilen einige Homosexuelle – so wie Michael G., auch wenn der vor Gericht geleugnet hatte, Kinder zu begehren. Er „stehe auf junge Männer“. Auf sehr junge. Das Alter des von G. missbrauchten thailändischen Jungen ortete die Kammer zwischen Zwölf und Siebzehn. Auch bei Gerichtsprozessen gegen Päderasten war G. bereits als sachverständiger Gutachter eingesetzt gewesen – wenn auch nicht in Frankfurt. Auch der thailändische Patient war damals durch eine „Selbsthilfegruppe“ in die Fänge G.s geraten.

Doch auch eines machte der Prozess deutlich: Das Angebot für Pädophile, die gegen ihre Neigungen angehen wollen, ist in Deutschland miserabel. Der mittlerweile wegen Missbrauchs zu einer Haftstrafe verurteilte Thailand-Patient hatte ernsthaft versucht, eines der wenigen seriösen Hilfsangebote in Deutschland wahrzunehmen. Hoffnungslos – was er bekam, war G., der ihm einredete, nicht er sei pervers, sondern das Land, in dem er lebe – in Thailand aber seien „Boylover“ willkommene und gerngesehene Gäste an jeder Reistafel.

G. schämt sich seiner Pädophilie nicht, aber vor Gericht verleugnet er sie. Das tut nicht jeder. Auch am letzten Verhandlungstag saßen wieder mehr schlecht als recht als „Journalisten“ getarnte Pädophile im Zuschauersaal, die ihre Neigung im Internet wie eine Monstranz vor sich hertragen.

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