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Prozess in Frankfurt: Angeklagter fühlt sich „über den Tisch gezogen“

  • Hanning Voigts
    vonHanning Voigts
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Ein Mann erfindet auf der Polizeiwache ein ganzes Waffenarsenal und landet vor Gericht. Er findet das Vorgehen der Polizei allerdings unfair.

Markus R. weiß gar nicht so genau, warum er überhaupt vor Gericht sitzt. Er sei nur müde, betrunken und „stinksauer“ gewesen, weil er sich behandelt gefühlt habe wie ein Schwerverbrecher, sagt der 53-Jährige. Es tue ihm auch leid, was er in seiner Wut alles gesagt habe. Aber er habe dabei gar nichts Böses im Sinn gehabt, beteuert R. „Ich hätte nie gedacht, dass das solche Auswirkungen haben könnte.“

Die Staatsanwältin und der Richter am Frankfurter Amtsgericht wissen sehr genau, warum Markus R. vor Gericht sitzt. Rein formal liegt es daran, dass er einen Strafbefehl über eine milde Geldstrafe nicht akzeptieren wollte und deshalb jetzt eine Hauptverhandlung nötig ist. Vor allem aber liegt es an einem Abend im April vergangenen Jahres.

Vor seinem Haus in Kalbach war R. nämlich spät abends in angetrunkenem Zustand von der Polizei kontrolliert worden. Als ein Bus vorbeifuhr, der von einem Fahrer mit Migrationshintergrund gelenkt wurde, soll R. zweimal den Hitlergruß gezeigt und dazu „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ gebrüllt haben. Als die Beamten ihn daraufhin mit auf die Wache nahmen, erzählte R. ihnen laut Anklage, dass er eine Uzi, eine Kalaschnikow und eine Bazooka nebst Munition zu Hause habe. Die Polizisten fuhren ihn wieder heim, nahmen aber auch gleich Kollegen mit, die das ganze Haus auf den Kopf stellten. Waffen fanden sie keine, weshalb R. auch den Strafbefehl wegen Vortäuschung einer Straftat kassierte.

R. findet das Vorgehen der Beamten heute noch überzogen. Er habe sich geärgert, dass man ihn auf die Wache geschleppt und ihm vorgeworfen habe, etwas mit Neonazis zu tun zu haben, sagt er. Die Hitlergrüße habe es ja gar nicht gegeben. Und das mit den Waffen sei nur übertriebenes Gerede gewesen, deshalb müsse man doch nicht gleich sein Haus durchsuchen. Letztlich fühle er sich „über den Tisch gezogen“.

Der Richter findet das Vorgehen der Beamten heute noch richtig. Wenn jemand, der sich vorher rechtsextrem geäußert habe, von Waffen erzähle, sei es die Pflicht der Polizei, dem nachzugehen – gerade vor dem Hintergrund der vielen rechten Gewalttaten in letzter Zeit. Er lege R. dringend nahe, den Strafbefehl doch noch zu akzeptieren.

Und so kommt es dann auch. Nach Absprache mit seinem Anwalt, der noch leise sagt, wie „bescheuert“ er das hier alles finde, zieht R. seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Der Richter verurteilt ihn zu einer Geldstrafe zu 30 Tagessätzen. Zum Abschied sagt R. zum Richter, er sage ganz bewusst nicht „Auf Wiedersehen“: „Zumindest nicht unter diesen Umständen.“

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