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Nun spricht immer mehr für Franco A.s Schuld –  Im Prozess gegen den Bundeswehroffizier wird eine Schusswaffe zu einem entscheidenden Beweisstück.
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Nun spricht immer mehr für Franco A.s Schuld – Im Prozess gegen den Bundeswehroffizier wird eine Schusswaffe zu einem entscheidenden Beweisstück.

Gericht

Terrorismus-Prozess in Frankfurt: Franco A. und die Mähr von der Räuberpistole

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
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Der unter Terrorverdacht stehende Franco A. beteuert vor Gericht, seine Waffe bei einer Pinkelpause gefunden zu haben. Die Forensikerin verweist diese Geschichte ins Reich der Mythen.

Frankfurt – Schon oft hat die Wissenschaft einer schönen Geschichte den Garaus gemacht. Und so ist es auch am Montagmorgen vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt: Eine Forensikerin aus Österreich verweist einen der zentralen Verteidigungspunkte des unter Terrorverdacht stehenden Bundeswehroffiziers Franco A. ins Reich der Legenden.

Dem leidenschaftlichen Antisemiten und Weltverschwörungstheoretiker wird nicht nur die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat unter der Tarnidentität eines syrischen Flüchtlings, sondern auch verbotener Waffenbesitz vorgeworfen. Festgenommen worden war A. im Februar 2017 am Wiener Flughafen, wo er eine auf einer Toilette deponierte Pistole abholen wollte. Zur Herkunft dieser Pistole hatte A. eine wunderschöne Geschichte erzählt: Als er mit Kameraden durch Wien geschlendert sei, wo man sich wegen eines Offiziersballs aufhielt, habe er ein menschliches Verlangen verspürt und sich in einem Gebüsch erleichtert. Zufrieden habe er dann das Ergebnis betrachtet, in dem sich der Mond über Wien funkelnd widergespiegelt hätte.

Terrorismus-Prozess: DNA-Spuren auf der Waffe deuten auf Franco A.

Doch nicht nur der Mond habe gefunkelt, sondern mit ihm auch eine herrenlos herumliegende Pistole, die er als braver Soldat an sich genommen habe, um sie den Behörden zu übergeben. Doch dann habe er die Pistole in seiner Jackentasche ganz vergessen. Und sich erst am nächsten Tag wieder ihrer erinnert, als er am Flughafen in sein Flugzeug gen Heimat habe einchecken wollen. Da Pistolen im Luftverkehr eher ungern gesehen sind, habe er die Waffe auf dem Abort deponiert, um sie später wieder abholen und der Polizei übergeben zu können.

„A schöne Leich“ würde ein Wiener wohl seit Montagmorgen über diese Version sagen. Denn laut Gutachterin hat sich ausschließlich die DNA von Franco A. auf der Waffe gefunden – dafür aber jede Menge davon. Und das an Stellen wie dem Magazin oder Teilen des Laufs, wo sie nur bei liebevoller Pflege hingekommen sein können. Nun muss ein guter Soldat seine Waffe auch im Schlaf auseinandernehmen und zusammensetzen können, aber dass ein im Schlaf waffenpflegendender Soldat soviel DNA in einer einzigen Nacht hinterlässt, hält die Expertin für ausgeschlossen. „Regelmäßiges Hantieren“ hält sie für wahrscheinlicher.

Prozess in Frankfurt: Franco A.s Gerichtsverfahren bis Januar verlängert

Letzte Zweifel zerstreut Moritz David Schmitt-Fricke, einer von A.s Verteidigern, durch hartnäckiges Nachfragen. Als schließlich feststeht, dass die Gebüsch-Geschichte nicht wahr sein kann, packt den Vorsitzenden Richter Christoph Koller ein Anflug von Erbarmen. „Manchmal tut mir Ihr Mandant leid“, sagt Koller zu Schmitt-Fricke. „Ein vernünftiger Anwalt“ wisse, wann er besser mal die Klappe halte – und wann er sich mit seinem Mandanten eine kleine Auszeit nehme, um zu klären, ob man an einer widerlegten Verteidigungsstrategie festhalte. Aber es ist wie so oft: Wenn man mal einen vernünftigen Anwalt braucht, ist keiner da.

So bleibt Schmitt-Frickes rhetorische Spitzenleistung in diesem Prozess sein am ersten Prozesstag gehaltenes flammendes Plädoyer wider die Herrschaft des Unrechts beziehungsweise Angela Merkels. Aber es bleibt ihm ja noch Zeit: Der eigentlich bis November geplante Prozess ist bis Januar kommenden Jahres verlängert – vorerst. (Stefan Behr)

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