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Filip Goman wirft der Gefängnisleitung Romafeindlichkeit vor.

Kundgebung

Diskriminierungsvorwürfe gegen Gefängnisleitung

  • Stefan Simon
    vonStefan Simon
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Filip Goman, der Vater von der beim rassistischen Anschlag in Hanau ermordeten Mercedes Kierpacz, fordert für seine Ehefrau den offenen Vollzug.

Filip Goman gibt alles. Er steht mit sechs Aktivist:innen der Initiative 19. Februar Hanau vor der JVA Preungesheim in Frankfurt. Aus Lautsprecherboxen dröhnt schnulzige Schlagermusik: „Lass das Leben nicht an uns vorübergehen“. Die Musik ist an seine Ehefrau Roletta Balog gerichtet. Sie sitzt wegen Betruges im Frauentrakt. Goman ist der Vater von Mercedes Kierpacz, die beim rassistischen Anschlag in Hanau ermordet wurde. Balog ist ihre Stiefmutter. Goman und die Initiative fordern für Balog den offenen Vollzug.

Roletta Balog leidet unter Angstzuständen und Panikattacken, zudem ist sie haftunfähig und benötigt regelmäßige ärztliche Betreuung. Das geht aus mehreren ärztlichen Attesten hervor, die der FR vorliegen. Balogs Anwalt legte der Gefängsnisleitung ein ärztliches Gutachten vor. Doch die Erlaubnis für den offenen Vollzug wurde abgelehnt. Bevor Balog in die JVA nach Preungesheim kam, saß sie acht Monate in Einzelhaft in Zweibrücken. In Frankfurt kam sie vor Gericht. Balog hat alle Anschuldigungen gegen sich zugegeben. „Sie hat das nur gemacht, weil sie mich sehen wollte“, sagt Goman. Zuvor sei ihr jeder Besuch verwehrt worden.

Die Forderungen wurden in den letzten Wochen bei allen verantwortlichen Behörden und Politikern zur Sprache gebracht. „Doch wir stießen oft auf Herzen aus Mauern“, sagt eine Aktivistin von der Initiative. Goman und seine Ehefrau sind Roma. Goman sei sich sicher, dass ihre Herkunft der Grund für die Diskriminierungen sei. Er möche nicht mehr alleine sein und mit seiner Ehefrau um den Tod von Mercedes trauern. „Sie konnte sich nicht einmal von ihr verabschieden“, sagt er. Moralisch sei er ein Wrack, habe seit dem Tod von Mercedes 35 Kilogramm abgenommen.

Goman tanzt indes weiter zur Musik. Es huscht ihm sogar ein Lächeln über das Gesicht. Seit neun Monaten habe er nicht mehr getanzt. „Ich weiß, dass sie die Musik hören kann. Das freut mich so sehr“, sagt er.

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