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Bei der Fahrraddemo trugen fast alle Masken.
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Bei der Fahrraddemo trugen fast alle Masken.

Demonstration

Protest: Radeln für Erhalt der Grünen Lunge

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Hunderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer demonstrieren in Frankfurt gegen den Bau der Günthersburghöfe. Klima- und Mieterinitiativen hatten zu der Demonstration aufgerufen, die vom Mainkai zum Günthersburgpark im Nordend führt.

Ob die Wildgans auf dem Obelisken an der Ecke Main-/Fischerfeldstraße sitzt, weil vor ihren Augen eine Fahrraddemonstration vorbeirollt, bleibt ungeklärt.

Jedenfalls schnattert die Gans auf der Steinsäule ununterbrochen, während am Samstagnachmittag mehrere Hundert Demonstrierende, die für den Erhalt der Grünen Lunge aufs Rad gestiegen sind, vorbeistrampeln. Auf 346 beziffert ein Sprecher der Veranstaltenden die genaue Teilnehmendenzahl, die von der Polizei bestätigt wird.

Unter dem Motto „Jetzt oder nie: Grüne Lunge bleibt“ hatten mehr als ein Dutzend Klima- und Mieterinitiativen zu der Demonstration aufgerufen, die vom Mainkai über Dependancen der Grünen, SPD und CDU zum Günthersburgpark führt. Oberhalb des Parks befindet sich das 16 Hektar große Gelände, das bebaut werden soll. Unter dem Namen Günthersburghöfe sollen dort laut den Initiativen „1500 hauptsächlich hochpreisige Wohnungen“ entstehen, gebaut von den Immobilieninvestoren Instone Real Estate AG und der Wohnungsbaugesellschaft ABG.

An der Spitze und am Ende des Demozugs von jeweils einem Polizeiauto begleitet, organisieren die Protestierenden ihre Fahrt durch die Innenstadt selbst. Rund zwei Dutzend Radlerinnen und Radler in roten Leibchen „korken“ abwechselnd an Straßenkreuzungen, blockieren also kurzzeitig mit ihren quergestellten Rädern den übrigen Verkehr und ermöglichen so freie Fahrt für die Demonstrierenden, von denen fast alle Mund-Nasen-Bedeckungen tragen. Bis auf ein ungeduldiges Hupen hier und da klappt das ziemlich reibungslos.

Kein Verlass auf die Grünen

Vor dem Parteibüro der Grünen, auf der Berliner Straße, sagt Felix Wiegand in einer Ansprache, „wir können uns nicht auf die Grünen verlassen“. Der Aktivist der „Interventionistischen Linken“ sowie der „Kampagne Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen!“ erinnert an den ehemaligen Planungsdezernenten Olaf Cunitz von den Grünen, der die Planung für eine Bebauung des Areals, wo sich zwischen Bäumen und Büschen der Abenteuerspielplatz Günthersburg befindet, vorangetrieben habe. Kurz vor den Kommunalwahlen vor einer Woche hätte sich die Partei auch deshalb für einen Erhalt des Geländes ausgesprochen, „weil Druck von unten und von der grünen Basis kam“, sagt Wiegand.

Auf Schildern, die sich Demonstrierende an ihre Räder gehängt haben, ist zu lesen: „Wahlergebnis zeigt: Bebauung unerwünscht“, „Grüne Wahlversprechen halten“ sowie „Bäume statt Beton“. Miriam Loy, die seit etwas mehr als einem Jahr bei der Gruppe „GemüseheldInnen“ aktiv ist, hat auf ihr Schild, das an ihrem Gepäckträger hängt, geschrieben: „Ohne Lunge, keine Seele“.

Die Preungesheimerin moniert eine „sehr unternehmerische Stadtpolitik“ und „fehlende Bürgerbeteiligung“ bei den Planungen für die Fläche in ihrem Nachbarquartier. Sie wünscht sich auf dem Gelände nachhaltige Bepflanzung durch „Permakultur“ und regt „Wildnispädagogik“ mit Schulen und Universitäten an.

Alexis Passadikis sagt bei seiner Rede am Eisernen Steg, „es gilt, dieses vermaledeite Bauprojekt zu stoppen“, und ergänzt, „wir lassen keinen Kuhhandel mit uns machen“. Für diese Aussagen gibt es zustimmendes Klingeln. Der Sprecher der „Kampagne Grüne Lunge bleibt – Instone stoppen!“ findet, es gehe dem „an der Börse notierten Unternehmen um Profit und sonst nichts“.

Sven Nagel von der Gruppe „People for future“ will eine „Katastrophe Dani 2.0“, in Anlehnung an die Rodung des Dannenröder Forsts in Mittelhessen für den Autobahnausbau, verhindern. „Jeder Zentimeter wird verteidigt“, kündigt er an.

Eine Mutter aus dem Nordend, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern mitradelt und ihren Namen für sich behalten möchte, sagt, „der Abenteuerspielplatz bietet für die Kinder einen tollen Platz zum Spielen“. Ihrem siebenjährigen Sohn ist vor allem eines wichtig: „Dass wir besser auf die Welt aufpassen.“ Dann radelt er an der Seite seiner Mama mit den übrigen Demonstrierenden weiter durch die Innenstadt.

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