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Schülerinnen und Schüler demonstrieren für den Wechselunterricht vor dem Frankfurter Gesundheitsamt.
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Schülerinnen und Schüler demonstrieren für den Wechselunterricht vor dem Frankfurter Gesundheitsamt.

Coronavirus

Protest in Frankfurt gegen Regelbetrieb an Schulen

  • Sandra Busch
    vonSandra Busch
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Schülerinnen und Schüler fühlen sich in den Schulen nicht sicher und demonstrieren vor dem Gesundheitsamt für ein Wechselmodell. Doch die Stadt will die Schule für alle offen halten.

Sie skandieren: „Kalt, kälter, Klassenzimmer“. Und sie halten Schilder mit Aufschriften wie „Wir fühlen uns nicht mehr sicher in der Schule“ in die Höhe. Rund 300 Schülerinnen und Schüler sind am Montagmorgen vor dem Frankfurter Gesundheitsamt zusammengekommen und protestieren für weitergehende Corona-Maßnahmen an Schulen. „Es kann einfach kein Mindestabstand an Schulen eingehalten werden“, sagt Gabriel Hanika vom Frankfurter Stadtschüler:innenrat. Dennoch sollten sich alle in überfüllten Klassenzimmern aufhalten. Auch mit Maskenpflicht komme es zwangsläufig zu Infektionen. „Die Zustände können so nicht mehr bleiben.“

Deswegen hat der Stadtschüler:innenrat (SSR) gemeinsam mit den Schüler:innenvertretungen von sechs Schulen zum Schulstreik aufgerufen. „Wir sind im Moment bei einer Infektionszahl, die wir vor zwei Monaten noch als exorbitant betrachtet hätten“, sagt Hannes Kaulfersch vom SSR. „Nun soll es aber in Ordnung sein.“ Ist es für viele aber nicht. Zum Protest sollten die Schülerinnen und Schüler in den „digitalen Streik“ gehen und zu Hause bleiben oder vor dem Gesundheitsamt demonstrieren. Wie viele im digitalen Streik sind, kann keiner sagen, aber die 300 vor dem Gesundheitsamt fordern lautstark das Wechselmodell, zumindest für höhere Jahrgänge. Dabei würde ein Teil der Klasse in Präsenz unterrichtet, während der andere Teil zu Hause lernt. „Es kann nicht sein, dass die kreativsten Vorschläge seit Beginn der Pandemie Masken und Lüften sind. Es war so viel Zeit da“, sagt Hanik. Es müsse mehr Geld in digitale Bildung gesteckt werden und: „Wir fordern auch, dass mit uns in den Dialog gegangen wird.“

Bisher haben sich das Land Hessen und die Stadt Frankfurt stets gegen eine flächendeckende Einführung des Wechselmodells ausgesprochen. In einzelnen Kommunen findet es aber statt. „Sicher hat das nicht dieselbe Qualität wie normaler Unterricht“, sagt Kaulfersch. „Aber mit 30 Leuten in einem Raum zu sitzen und Angst vor Infektionen zu haben, hat auch keine Qualität.“ Damit Schüler:innen, die wenig Unterstützung zu Hause erfahren, nicht benachteiligt würden, „muss die Zeit im Präsenzunterricht genutzt werden, um Nachteilsausgleich zu schaffen“. Da komme es auf die Lehrkräfte an.

Die Demo führt zum Römerberg. Emilia und Madeleine von der Neuen Gymnasialen Oberstufe tragen ein Schild: „Corona hat keine Angst vor Stoßlüften“. Allein das Lüften und die Maske würden in vollen Räumen wenig bringen, sagt Madeleine. Man sitze nun nur mit Decken und zwei Pullis da. „Es müssen mehr Menschen in Quarantäne geschickt werden.“ Vier aktive Fälle gebe es an ihrer Schule, aber nur sieben Leute seien in Quarantäne. Emilia macht es auch „Angst, wenn andere mit einem positiv Getesteten Mittagessen waren, aber trotzdem weiter in der Schule sind“. Für Madeleine geht es nicht um die eigene Sicherheit. „Wir sind keine Risikogruppe. Aber wir wollen unsere Familien schützen.“

Das Gesundheitsamt schickt in Quarantäne, wenn „es zu einem ungeschützten und engen persönlichen Kontakt von mehr als 15 Minuten“ kam. Ziel der Stadt sei, für Sicherheit und Gesundheit in der Schule zu sorgen und sie gleichzeitig möglichst geöffnet zu halten, sagt Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne).

Das sieht auch Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) so: „Es ist ein schwieriger Abwägungsprozess, Gesundheitsschutz mit dem Recht auf Bildung in Einklang zu bringen.“ Im Frühjahr habe man gesehen, dass das Homeschooling die Ungleichheit verschärft habe, Kinder aus bildungsfernen Familien hätten keine Chance, den Anschluss zu schaffen. „Wenn es zur Sicherstellung des Gesundheitsschutzes unbedingt notwendig ist, werden wir auch das Wechselmodell einführen“, sagt Weber. „Aber die Infektionszahlen geben das momentan nicht her.“

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