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Das alternative Wohnprojekt „Nika“ ist in der Niddastraße angesiedelt.

Drogenszene

Protest gegen Vertreibung im Frankfurter Bahnhofsviertel

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Das Wohnprojekt „Nika“ ruft zu einer Kundgebung gegen das neue Frankfurter Vorgehen gegen die Drogenszene auf. Süchtige dürften nicht vertrieben werden.

Frankfurt - Im Bahnhofsviertel wird deutliche Kritik am neuen Vorgehen der Stadt Frankfurt zur Befriedung der Drogenszene laut. Die gemeinsame Aktion von Gesundheitsdezernat, Polizei, Ordnungsamt und Drogenhilfeeinrichtungen läuft seit zwei Wochen und soll den offenen Drogenkonsum im Viertel eindämmen und dafür sorgen, dass Drogenabhängige sich nicht mehr in größeren Gruppen auf der Straße aufhalten. Für Freitag, 6. September, ruft nun das in der Niddastraße gelegene alternative Wohnprojekt „Nika“ ab 14 Uhr zu einer Kundgebung am Karlsplatz auf.

Aufruf zur Protestversammlung

Die Bewohner des Hauses bekämen derzeit täglich mit, „wie massiver gegen Drogen konsumierende und wohnsitzlose Menschen auf den Plätzen und Straßen vor unserer Haustür vorgegangen wird“, heißt es im Aufruf zu der Protestversammlung. Obwohl die Stadt betone, dass es ihr um ein verträgliches Miteinander gehe, verfolge sie vor allem das Ziel, „dass Menschen, die keinen anderen Ort haben als die Straße, verschwinden“. Dass die Drogenszene sich in dem kleinen Bereich zwischen Elbe-, Mosel- und Taunusstraße dränge, liege an der Aufwertung des Stadtteils, so die Nika-Bewohner. Man wolle nicht, dass diese Aufwertung „auf dem Rücken der sozial Schwächsten vollzogen wird“.

Widerstand im Bahnhofsviertel: Aktivisten protestieren gegen das Vorgehen von Polizei und Stadt

Moritz Krawinkel vom Nika sagte der FR, es werde auf der Kundgebung unterschiedliche Redebeiträge zur Lage im Stadtteil geben. Man hoffe auf rege Beteiligung – auch von Leuten, die das neue Vorgehen von Stadt und Polizei begrüßten. „Es geht uns darum, ins Gespräch zu kommen“, sagte Krawinkel.

Polizei greift bei Regelverletzung ein

Die „konzertierte Aktion“ im Bahnhofsviertel hatte vor zwei Wochen begonnen. Die Sozialarbeiter der Drogenhilfeeinrichtungen sprechen Süchtige seitdem verstärkt an und weisen sie darauf hin, dass sie ihre Drogen in den vorhandenen Konsumräumen und nicht auf der Straße nehmen sollten. Auf Flugblättern, die an Drogenabhängige verteilt werden, heißt es außerdem, diese sollten keine Gehwege „belagern“ und ihren Abfall in die Mülleimer werfen. Wenn diese Regeln nicht eingehalten werden, greift die Polizei vermehrt ein. Stadt- und Landespolizei laufen seit Beginn der Aktion verstärkt Streife im Bahnhofsviertel.

Das Bahnhofsviertel ändert sich rasant. Immer mehr möblierte Apartments und Eigentumswohnungen entstehen, günstige Kneipen verschwinden. Die Polizei sieht Erfolge im Viertel, will aberauch nicht verschweigen, dass es Probleme gibt.

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