1. Startseite
  2. Frankfurt

Protest gegen Personalmangel am Flughafen Frankfurt

Erstellt:

Von: Sandra Busch

Kommentare

In der Pandemie wurde Personal abgebaut, jetzt werden Leiharbeiter und - arbeiterinnen eingesetzt.
In der Pandemie wurde Personal abgebaut, jetzt werden Leiharbeiter und - arbeiterinnen eingesetzt. © Monika Müller

Beschäftigte am Flughafen fordern bei einer Demonstration bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld.

Die Passagiere stehen am Samstag in der Warteschlange vor den Check-in-Schaltern in der Abflughalle C des Terminals 1 – gleich daneben protestiert die Gruppierung „Flughafen Arbeiter:innen“ gegen Personalmangel und Qualitätsdefizite am Frankfurter Flughafen. „Das hier sind die Leute, die eure Koffer tragen“, ruft Gülgün Soydan den wartenden Fluggästen zu. Die Servicemitarbeiter:innen könnten aber nichts für das Chaos. „Das sind die Chefs des Flughafens. Vergesst das nicht. Und habt einen schönen Urlaub.“

Rund 40 Menschen protestierten am Samstagnachmittag im Terminal 1. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Firmen wie Wisag, Fraport, Gate Gourmet und Lufthansa. Warteschlangen, stundenlange Wartezeiten, abgesagte Flüge, zurückgebliebenes Gepäck – „diese skandalösen Minderungen der Dienstleistungsqualität ist ein Ergebnis des drastischen Personalmangels“, sagt Soydan. „Die einzigen Verantwortlichen sind genau diejenigen, die den Personalabbau forderten.“ Das seien allen voran Lufthansa-Chef Karsten Spohr und Fraport-Chef Stephan Schulte. „Einen Monat nach Beginn der Pandemie haben sie Tausenden von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gekündigt.“

Für Soydan gab es dafür gar keinen Bedarf, da die meisten in Kurzarbeit geschickt worden seien. „Das bedeutet konkret, dass die Chefs ihre Belegschaften sowieso nicht bezahlt haben.“

Nach dem Wiederanstieg der Passagierzahlen sei sich „bewusst dazu entschieden worden, wenige Arbeiterinnen und Arbeiter viel Arbeit verrichten zu lassen“. Zudem würden nun aus verschiedenen Leihfirmen Leute mit unterschiedlichen Löhnen eingestellt. „Dies führt zu Unmut und Splitterung.“ Anstatt einen fairen Lohn anzubieten, „setzen die Chefs ihre Niedriglohnpolitik fort, indem sie billige Arbeitskräfte aus dem Ausland holen“.

Malci Gültokin, der bei Gate Gourmet arbeitet, beklagt die extreme Arbeitsbelastung. „Wir arbeiten bis zum Kollaps, sind immer unterbesetzt.“ Passagiere würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angreifen und anpöbeln. „Wir haben Angst, zur Arbeit zu gehen“, sagt Gültokin. Die Passagiere hätten sich ihren Urlaub verdient, sie sollten aber ihre Aggressionen nicht an ihnen auslassen. Andere seien verantwortlich. „Muss erst etwas passieren, damit die Oberen reagieren?“

Die Gruppierung „Flughafen Arbeiter:innen“ fordert ein Verbot von Leiharbeit und „menschenwürdige Arbeitsbedingungen und Entlohnung“. Zudem soll es unter anderem „keine schweigenden Gewerkschaften mehr geben. Diese müssen für die Arbeitsrechte kämpfen“.

Auch interessant

Kommentare