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Protest gegen Autobahnausbau in Frankfurt: Heldbock vorm Römer

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Von: Florian Leclerc

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Käfer krabbeln auf den Römer zu. Monika Müller
Käfer krabbeln auf den Römer zu. Monika Müller © Monika Müller

Eine Aktion am Römer in Frankfurt macht auf eine geschützte Käferart im Fechenheimer Wald aufmerksam. Teile des Walds sollen gerodet werden. Die A66 wird am Samstag besetzt.

Auf den Römer krabbeln mehr als ein Dutzend Käfer zu. Zumindest sieht es so aus. Aktivistinnen und Aktivisten von Ende Gelände und dem Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn sind am Donnerstagvormittag auf den Römerberg gekommen, um die Käfer mit Farbdosen und Schablonen auf das Kopfsteinsteinpflaster zu sprühen. Zum Beispiel in rot, grün, blau, rosa, gelb.

„Die Aktion sieht harmlos aus, aber die politische Botschaft hat es in sich“, sagt Alexis Passadakis von Ende Gelände. Er hat die Aktion mitorganisiert. Es geht um den Fechenheimer Wald. Ein gesunder Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald. Dort sollen etwa 2,5 Hektar gerodet werden, für den Ausbau der Autobahn 66 von der Anschlussstelle Borsigallee zum Autobahndreieck Erlenbruch an der A661 und A66.

Bäume im Fechenheimer Wald sollen gerodet werden

In dem Waldstück haben Aktivistinnen und Aktivisten den Heldbock entdeckt und beim Eierlegen gefilmt. Cerambyx cerdo wird auch Großer Eichenbock, Riesenbock oder Spießbock genannt. Er ist einer der größten Käfer Mitteleuropas, brütet in Eichen und ist in Deutschland vom Aussterben bedroht. Das Bundesnaturschutzgesetz schützt ihn durch Paragraf 44. Demnach darf niemand dem Heldbock nachstellen, ihn fangen, verletzen oder töten. Niemand darf ihn während der Aufzucht stören. Die Fortpflanzungstätten darf man nicht beschädigen oder kaputt machen.

Das allerdings steht bevor. Die bundeseigene Autobahn-Gesellschaft will Bäume im Fechenheimer Wald roden. Auch im Erlenbruch und im Teufelsbruch. Ein Planfeststellungsbeschluss liegt vor. „Überwiegt das Baurecht den Naturschutz?“, fragt Simone Kühn vom Aktionsbündnis unmenschliche Autobahn. Auch wenn die Untere Naturschutzbehörde laut einem Medienbericht annehme, dass es den Heldbock klimabedingt mittlerweile häufiger in Frankfurt gebe, werde ein Landesbericht der Oberen Naturschutzbehörde zum Heldbock erst 2023 oder 2024 erwartet. „Zumindest so lange muss der Heldbock in Frankfurt unter Schutz stehen“, fordert Simone Kühn. Ein Rodungsmoratorium sei nötig.

Aktivistinnen und Aktivisten wollen sich dieser Forderung anschließen. Frankfurt wird Teil einer bundesweiten Protestaktion des Bündnisses Wald statt Asphalt. Am Samstag werden sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer gegen 11 Uhr von der Brücke entlang der Vilbeler Landstraße auf die A66 abseilen. Die Autobahn wird für etwa eine halbe Stunde gesperrt. Die Aktion ist laut Ordnungsamt als Teil der Versammlung genehmigt.

Um 14 Uhr träfen sich Interessierte am Samstag gegenüber der U-Bahn-Haltestelle Kruppstraße zu einem Waldspaziergang, sagt ein Aktivist mit dem Decknamen Hermano von Wald statt Asphalt. Um 17 Uhr gebe es eine offene Küche für alle gegenüber der Station Kruppstraße. Ein weiterer Waldspaziergang sei am Sonntag um 14 Uhr. Die Waldbesetzerinnen und Waldbesetzer haben angekündigt, im Fechenheimer Wald auszuharren, wenn die Rodung beginnt. Die Käfer vorm Rathaus Römer werden nicht so lange bleiben. Die Sprühfarbe ist nicht regenfest.

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