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Sie fordern echte Wahlen und Freiheit im Iran.

Protest

Protest in Frankfurt: Exil-Iraner fordern echte Wahlen

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Rund 50 Iranerinnen und Iraner demonstrieren vor dem iranischen Generalkonsulat - „Das Regime wird fallen“.

Eine Menschentraube steht mit wehenden Fahnen der alten iranischen Flagge mit goldenen Löwen auf weißem Grund in der Raimundstraße vor dem iranischen Generalkonsulat. Sie rufen „Nieder mit der Diktatur“ oder „Freiheit für alle politischen Gefangenen im Iran“. In den Händen halten sie Porträts der Vorsitzenden vom Nationalen Widerstandsrat Iran. Rund 50 Iranerinnen und Iraner sind an diesem sonnigen Freitag gekommen, um gegen das Mullah-Regime, gegen die Parlamentswahlen und für die Freiheit im Iran zu demonstrieren.

Eine der Demonstrantinnen ist die 33-jährige Sahar Sanaie. Sie ist Mitglied beim Nationalen Widerstandsrat (NWRI). „Die nun anstehenden Parlamentswahlen sind eine Farce. Das waren nie freie Wahlen, seitdem die Mullahs regieren“, sagt sie.

Der NWRI schreibt in einer Pressemitteilung, dass der angebliche Wahlkampf am 13. Februar begonnen habe. „Zuvor hat der Wächterrat aus fast 15 000 Kandidaten 7148 zugelassen. Dabei wurde die Treue zum Regime und dem System der religiösen Diktatur überprüft“, heißt es. Jeder, der Ajatollah Khamenei, dem obersten Führer der Mullahs, theoretisch und praktisch nicht absolut treu gegenüberstehe, dürfe kein Kandidat sein, geschweige denn gewählt werden. Die Proteste und die Zahl der Toten würden zeigen, dass das Volk mit dem Regime gebrochen habe, sagt Sanaie.

Sie meint die blutigen Aufstände im November letzten Jahres. Bei tagelangen Protesten gegen das Regime sind nach Angaben von Amnesty International 1500 Menschen getötet worden. „Das sind die offiziellen Zahlen“, sagt Sanaie. Ein Bericht von Gerichtsmedizinern, der erst am Donnerstag über die sozialen Medien veröffentlicht wurde, bestätigt offenbar die Vermutung von Sanaie, dass die Dunkelziffer weitaus höher liegen könnte. Hamit Shahverdi, ebenfalls Mitglied beim Nationalen Widerstandsrat, übersetzt das Schreiben. Darin steht, dass bei den Protesten im November 4811 Menschen ums Leben gekommen seien. Weiter heißt es, dass es nicht genug Kühlhäuser für die Toten gebe. „Die Gerichtsmediziner bitten die Regierung, 14 Kühlhäuser bereitzustellen“, übersetzt Shahverdi. Das Regime sei nicht dazu bereit, die Toten den Angehörigen zu übergeben. „Sie wollen, dass die Toten im Geheimen begraben werden, weil das Regime Angst vor neuen Protesten hat“, sagt er. Außerdem würde die Regierung von den Familien verlangen, die Kosten für die Kühlhäuser zu tragen sowie die Kosten für die Geschosse, mit denen sie ermordet wurden.

Angesichts der blutigen Aufstände im November mit Tausenden ermordeten Demonstranten und Inhaftierten, dem Flugzeugabschuss durch die Revolutionsgarden und der anhaltenden wirtschaftlichen Katastrophe rechnet der NWRI weiterhin mit Unruhen.

Sanaie ist überzeugt, dass die vielen Toten der Proteste im November für einen Wendepunkt gesorgt haben. Das Schauspiel des Mullah-Regimes werde nicht mehr lange weitergehen. „Das Regime wird fallen. Das ist nur eine Frage der Zeit.“

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