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Die Kinder der Fried-Lübbecke-Schule müssen in einem viel zu engen Container lernen.

Eschersheim

Protest an Fried-Lübbeke-Schule

  • vonSabrina Butz
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Eltern und der Ortsbeirat kritisieren die Stadt, keine Lösung für die Raumnot zu haben. Die Kommune sei auf der Suche nach einem neuen Standort, versichert die Bildungsdezernentin.

Wenn 95 Grundschulkinder in einem Container zusammen lernen, der eigentlich nur für 45 Mädchen und Jungen ausgelegt ist, dann ist das nicht nur sehr eng, sondern während einer Pandemie auch sehr gefährlich. An der Fried-Lübbecke-Schule in Eschersheim gehört dieses Szenario derzeit zum traurigen Unterrichtsalltag. Kein Wunder also, dass Eltern dagegen Sturm laufen. Am Donnerstagabend machten sie ihrem Ärger in der Sitzung des Ortsbeirats 9 Luft. Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) war gekommen und kündigte an, man wolle sobald wie möglich einen Ortstermin einberufen. Vertreter von Ortsbeirat, Elterninitiative und der Stadt sollen sich die Situation anschauen und zeitnah eine Lösung finden.

Die Grundschule Im Uhrig hat schon lange zu wenig Platz für die wachsende Anzahl an Schulkindern. Vergangenes Jahr gab es einen Runden Tisch, aber keine Lösung. Zwar wurden zwei Räume eines benachbarten Horts des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes angemietet, die können aber wegen der Hygienebestimmungen seit Frühjahr nicht mehr genutzt werden. Langfristig benötigt der Hort die Räume ohnehin selbst.

Eltern und Ortsbeirat geht die Stellungnahme der Dezernentin angesichts der Not nicht weit genug. Es schaffe „sehr viel Ärger“ im Stadtteil, dass es so lange keine konkrete Lösung gebe, sagte die Eschersheimer Kinderbeauftragte Heidi Bachmayer in der Sitzung. Sie frage sich, warum es so lange dauere, etwa einfach die Fahrradständer des angrenzenden Schwimmbads zu verschieben und dort einen neuen Container aufzustellen. Oder den bestehenden Container aufzustocken.

Offenbar sei der Stadt die Betreuungssituation in Alt-Eschersheim aus dem Blick geraten, monierte Bachmayer. Dort lebten viele junge Familien, für die es nicht genügend Betreuungsplätze gebe. Auch Sigrun Jungk-Göritz, Konrektorin der Fried-Lübbeke-Schule will die Situation so nicht mehr hinnehmen: „Wir brauchen eine sofortige Lösung, wir haben keinen Platz.“

Kinder sollen zu ihrem Recht kommen

Vanessa Berger von der Elterninitiative der Grundschule fordert, „dass die Kinder endlich zu ihrem Recht kommen“. Es könne doch keine so große Sache sein, neue Container aufzustellen. „Handeln Sie!“, forderte sie die Dezernentin auf und erntete viel Applaus. Ein Vater bezeichnete es als höchst fahrlässig, die Kinder während einer Pandemie so zu unterrichten. Wenn das so weiter ginge, müsse wohl bald der gesamte Stadtteil in Quarantäne. Auch der Ortsbeirat äußerte sein Unverständnis: „In so einer Notlage muss doch eine schnellere Lösung gefunden werden, das ist doch ein Unding“, fand Sonja Ebel-Eisa (Linke). Thomas Budenz (BFF) sprach von einem „Ping-Pong-Spiel“ zwischen Bau- und Schuldezernat, das „auf dem Rücken von Eltern und Kindern ausgetragen“ werde. Und Ingrid Häußler (FDP) fragte sich, was die Ämter den ganzen Tag tun würden. Seit Beginn der Amtsperiode kämen immer die gleichen Informationen, „nur die Dringlichkeit wird größer“.

Die Bildungsdezernentin sagte, sie verstehe den Ärger sehr gut: „Wir brüten schon lange über dieses Problem.“ Es gebe aber noch keine langfristige Lösung, weil der Stadt keine Grundstücke für Auslagerungen oder einen Neubau angeboten würden. Auf die Ausschreibungen des Amtes für Bau und Immobilien reagiere niemand – die Grundstücke würden eher an Investoren verkauft, die Wohnungen bauen und mehr zahlen könnten. Das gleiche Dilemma gelte für die anderen sanierungsbedürftigen Schulen im Ortsbezirk. So muss sich die Ginnheimer Astrid-Lindgren-Schule angesichts der Nachverdichtung der Platensiedlung vergrößern. Diesen Plänen kommt aber der Ausbau der Linie U4 immer wieder in die Quere. Dezernentin Weber machte deutlich, dass es für sie und für den Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) keine Trasse durch die Platensiedlung und die Schule geben dürfe.

Langfristig soll eine neue Schule in Ginnheim entstehen – und wie für die Auslagerung der Diesterwegschule, die seit mehr als zehn Jahren auf ihren Umbau wartet, werde auch hierfür ein geeignetes Grundstück gesucht. Nur für die IGS Eschersheim sei man schon in Grundstücks-Verhandlungen mit dem Evangelischen Regionalverband.

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