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Prostitution in Frankfurt: „Die Frauen beklagen, dass sie weniger verdienen“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Prostitution
Ein Interview über die Zustände in der Prostitution und wie sich alles wegen Corona verändert hat. (Symbolfoto) © Andreas Arnold / dpa

Die Auswirkungen der Pandemie und Inflation zeigen sich auch in den Laufhäusern im Frankfurter Bahnhofsviertel. Ein Interview über die Zustände.

Frankfurt – Encarni Ramírez Vega (45) ist stellvertretende Geschäftsführerin des interkulturellen Beratungszentrums FIM – Frauenrecht ist Menschenrecht e.V. in Frankfurt. Im Bereich Prostitution berät der Verein hauptsächlich Frauen, die in der Armutsprostitution tätig sind. Dazu gehören vor allem junge Frauen aus Bulgarien und Rumänien.

Während der Pandemie, als die Laufhäuser geschlossen waren und Prostitution verboten war, haben viele Frauen trotzdem aus finanzieller Not heraus weitergearbeitet - auf der Straße und in den umliegenden Hotels im Frankfurter Bahnhofsviertel: Ist nun mit den Lockerungen alles wieder normal wie vor Corona, Frau Ramírez Vega?

Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Nach außen hin auf jeden Fall schon: Es gibt keine Auflagen mehr, und auch die Zimmer in den Laufhäusern sind wieder ganz gut belegt. Im vergangenen Sommer, als Prostitution wieder erlaubt war, blieben viele Zimmer erst noch frei. Zudem beobachten unsere Streetworkerinnen jetzt, dass kaum noch Frauen auf der Straße im Bahnhofsviertel arbeiten. Viele Frauen sind ins Laufhaus zurückgegangen, weil sie dort besser vor Gewalt geschützt sind als auf der Straße. Und selbst die Frauen, die eigentlich nicht ins Laufhaus zurückwollten, da sie dort eine hohe Tagesmiete zahlen müssen, sind letztendlich doch zurückgegangen.

Warum sind sie das?

Die Polizeipräsenz war sehr hoch, und es gab viele Kontrollen. Das Bahnhofsviertel ist Sperrgebietszone, und das Arbeiten auf der Straße hat sich für die Frauen aufgrund der hohen Bußgelder nicht mehr gelohnt. In den Laufhäusern ist die Situation aber nach wie vor nicht wie vor der Pandemie: Die Frauen beklagen, dass sie weniger verdienen. Als Grund nennen sie nicht nur die Auswirkungen der Pandemie, sondern die aktuelle Inflation, die auch in den Laufhäusern ihre Auswirkungen zeige. Insgesamt kämen weniger Freier, die nun auch mehr darauf achten, wie viel Geld sie ausgeben.

Sind eigentlich jetzt auch geflüchtete Ukrainerinnen Opfer von Zwangsprostitution geworden?

In Hessen haben wir bislang nur vereinzelte Fälle. Es gab anfangs durchaus Situationen, wo Männer vor Unterkünften gestanden und Frauen angesprochen haben, aber das konnte ganz gut abgewehrt werden. Die Fälle, die FIM betreut, sind über die Polizei zu uns gekommen.

Zur Person

Encarni Ramírez Vega (45) ist stellvertretende Geschäftsführerin von „Frauenrecht ist Menschenrecht“ in Frankfurt und leitet den Bereich psychosoziale Beratung. In ihrer Tätigkeit unterstützt sie Frauen, die vor allem durch Armut in die Prostitution abgerutscht sind. Dabei spricht sie mit ihnen über ihre Ängste, ihre Lebenssituation und gibt Hilfestellungen.

Wie helfen Sie Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind?

Wir beraten und begleiten die Frauen psychosozial und vermitteln sie in eine geschützte Unterkunft. Wir stellen zudem die medizinische und psychologische Versorgung sicher und bieten Hilfe zur sprachlichen Qualifizierung. Auch begleiten wir die Frauen bei den Gerichtsprozessen.

Anfang 2021 beschwerten sich Anwohner:innen der Kuhwaldsiedlung, weil Frauen auch außerhalb der Toleranzzone an der Theodor-Heuss-Allee, dem einzigen erlaubten Straßenstrich in Frankfurt, Freier anwarben. Wie ist denn dort aktuell die Situation?

Der Konflikt zwischen den Anwohner:innen und den Prostituierten konnte zum größten Teil beigelegt werden. FIM hat hier in einem gemeinsamen Gespräch zwischen den Parteien vermittelt und bemüht sich weiterhin darum, ein gutes Miteinander in der Kuhwaldsiedlung zu erreichen.

Die Stadt Wiesbaden plant, die Freier zu bestrafen, soweit das die Gesetzeslage zulässt. Damit möchte sie sich an die Gesetze in Schweden annähern, wo der Sexkauf seit 1998 nicht mehr legal ist. Was halten Sie davon?

In Deutschland wird die Diskussion um Prostitution sehr polarisierend geführt: Prostitution als Beruf versus Sexkaufverbot. FIM ist sozialarbeiterisch aktiv und respektiert die Lebenssituation und Tätigkeit der Frauen. Den Auswirkungen und den Hintergründen von Prostitution steht FIM jedoch kritisch gegenüber. Unsere Erfahrungen in der Pandemie haben zudem gezeigt: Ein Verbot führt dazu, dass illegale Strukturen entstehen, in denen die Frauen Gewalt und Ausbeutung schutzlos ausgesetzt sind und Hilfen sie weniger gut erreichen können.

Encarni Ramírez Vega ist stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins „Frauenrecht ist Menschenrecht“ (FIM) in Frankfurt. Foto: Privat
Encarni Ramírez Vega ist stellvertretende Geschäftsführerin des Vereins „Frauenrecht ist Menschenrecht“ (FIM) in Frankfurt. © Privat

Was wünschen Sie sich für die Zukunft für Ihre Arbeit und für die Frauen?

In der Pandemie haben viele Frauen einen guten Zugang zu uns als Beratungsstelle gefunden. Das ist ein positiver Effekt, den wir weiter nutzen. In Frankfurt braucht es auf jeden Fall mehr Unterstützung in der Ausstiegshilfe. Das heißt sowohl finanzielle Hilfen, aber auch Programme, die den Frauen realistische Möglichkeiten bieten, aus der Prostitution auszusteigen.

Können Sie das konkretisieren?

Frauen, die in der Armutsprostitution arbeiten, haben oft das Problem, dass sie keine Wohnadresse haben und ihre Tätigkeit in der Prostitution nicht nachweisen können. Wenn eine Frau nach fünf Jahren sagt: „Ich möchte aus der Prostitution aussteigen“, hat sie oft keinen Anspruch auf Hartz IV. Das macht es so schwer. Da würde ich mir unkonventionelle und unbürokratische Wege in den Ausstieg wünschen. (Kathrin Rosendorff)

Auch Manuela Schon sieht gravierende Probleme für die Frau in der Prostitution. Sie meint „Prostitution zementiert die niedrige Stellung aller Frauen“. Ein Interview über Manuela Schon‘s Denkweise zur Prostitution und ihre Beweggründe.

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