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Das Uniklinikum in Frankfurt.

Uniklinikum Frankfurt

Uniklinikum räumt Ungereimtheiten ein

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Patienten, die an Prostatakrebs erkrankt sind, wurden von einem Arzt am Uniklinikum Frankfurt mit einer unkonventionellen Methode, der Lutetium-PSMA-Therapie, behandelt.

Das Frankfurter Universitätsklinikum hat sich von dem Nuklearmediziner Wolfgang Bergter bereits im Frühjahr 2017 getrennt. „Spiegel Online“ hat ihm vorgeworfen, Patienten, die an Prostatakrebs leiden, mit einem neuen Verfahren behandelt zu haben, das in klinischen Studien noch nicht ausreichend getestet worden sei.

Es handelt sich um ein nuklearmedizinisches Verfahren, das mit Hilfe von radioaktivem Lutetium-177 die Tumorzellen der Krebserkrankung und seiner Metastasen zerstören soll. Nach Angaben von „Spiegel Online“ wirkt die PSMA-Therapie bei einem Drittel der Patienten. Bei den anderen weltweit behandelten Patienten würde sich der Zustand nicht verändern oder verschlechtern. An der Frankfurter Klinik für Nuklearmedizin sollen „Hunderte Patienten“ mit PSMA behandelt worden sein.

Im Herbst 2016 war in der Tumorkonferenz des Klinikums aufgefallen, dass Bergter auffällig häufig eine PSMA-Therapie verordnete. Üblich ist zunächst eine Hormon- oder Chemotherapie. Eine entsprechende Leitlinie gibt es aber erst seit April 2018, wie der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Jürgen Graf, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau erklärte. Für Graf ist die Trennung von Bergter vor allem ein Beweis dafür, dass das interne Kontrollsystem des Klinikums funktioniert habe.

Offiziell vermeldete das Klinikum, dass unabhängige externe Gutachten bestätigt hätten, dass bei der Anwendung der PSMA-Therapie alle „regulatorischen Vorgaben nach aktuellem Stand der medizinischen Forschung uneingeschränkt erfüllt“ worden seien. Es folgt der Hinweis, dass ab Januar 2019 die PSMA-Therapie im Fallpauschalenkatalog der Krankenkassen enthalten sei und somit von ihnen „standardmäßig“ finanziert werde.

Wolfgang Bergter bezeichnete den Artikel von „Spiegel Online“ als „Unsinn“. Gegenüber den betroffenen Patienten handele es sich um eine „Unverschämtheit“. Bergter, der sich am Freitag in der niedersächsischen Kurstadt Bad Pyrmont aufhielt, wo er eine eigene Klinik aufbauen möchte, betonte, er habe seinen Patienten nie eine „Heilung“ versprochen.

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