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Bauen wird immer teurer. Und auch die Grundstückspreise steigen weiter.

Grundstückspreise in Frankfurt

Projektentwickler beklagen Bodenspekulation

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Unternehmen fordern von der Stadt Frankfurt Schritte gegen die Explosion der Bodenpreise.  

Die Grundstückspreise in Frankfurt und anderen Großstädten steigen so stark, dass nun schon Projektentwickler ein Vorgehen gegen Bodenspekulation fordern. Weil auch die Baukosten regelrecht explodiert seien, hätten die Unternehmen selbst bei geringeren Renditeerwartungen bereits jetzt keine Möglichkeit, in innerstädtischen Lagen freifinanzierte Mietwohnungen für Haushalte mit geringeren Haushalten zu bauen, machten Vertreter der jeweils auch in Frankfurt tätigen Entwickler BPD und Benchmark am Mittwochmorgen bei einem Gespräch mit Planungsdezernent Mike Josef (SPD) über die Möglichkeiten der Nachverdichtung in Frankfurt deutlich. Auch deshalb bauten Entwickler fast nur noch teure Eigentumswohnungen.

Prinzipiell könne man mit Nachverdichtung bezahlbaren Wohnraum schaffen, sagte BPD-Geschäftsführer Franz-Josef Lickteig. Das scheitere aber an den hohen Grundstückspreisen. Grundstücke würden teils nicht direkt bebaut, sondern aus spekulativen Gründen zunächst mehrmals weiter verkauft, beklagte er. Er warb daher dafür, Baugenehmigungen für Projekte nach zwei Jahren ersatzlos verfallen zu lassen, wenn deren Bau bis dahin nicht begonnen hat. Martin Hantel, geschäftsführende Gesellschafter von Benchmark, unterstützte diese Forderung. Auch er nannte Spekulation mit Grundstücken als einen der Preistreiber der Nachverdichtung deutlich erschwere. Dabei gebe es in den deutschen Großstädten für diese durchaus noch Potenzial. Ohne Kompromisse gelinge diese allerdings nicht. Wenn immer mehr Menschen urban leben wollten, werde es eben enger, höher und lauter, sagte Hantel.

Preise „jenseits von gut und böse“

Josef sagte, die Grundstückspreise seien in Frankfurt inzwischen „jenseits von gut und böse“. Um das zu ändern, werde die Stadt künftig Grundstückseigentümern klare Vorgaben für die künftige Nutzung der Flächen machen. Investoren müssten etwa wissen, dass nicht nur Eigentumswohnungen, sondern auch geförderte Mietwohnungen entstehen müssen und das in den Gebieten Infrastruktur , etwa Kitas und Schulen, errichtet werden muss. Die Stadt müsse dem eine vorausschauendere Liegenschaftspolitik betreiben, also sich, wo möglich, selbst Grundstücke sichern. 

Auch bei der Erteilung von Bauvorbescheiden für Projekte müsse man restriktiver vorgehen, sagte er. Klar stellte sich der SPD-Politiker dagegen gegen Pläne des Liegenschaftsdezernenten Jan Schneider (CDU) für eine Subventionierung des Kaufs von Eigentumswohnungen. Um den Eigentumserwerb zu fördern, müsse die Stadt sehr viel Geld bereitstellen. Und trage damit im Zweifel noch dazu bei, dass die Wohnungspreise weiter steigen, sagte Josef.

Nikolas Jorzick, Geschäftsführers bei Hamburg Team Investment, wies darauf hin, dass es durchaus Investoren gebe, die Interesse an langfristigen Mieteinnahmen hätten, etwa Pensionskassen und Versorgungswerke, und sich auch mit Sein Unternehmen hat gerade einen Neubau mit 66 Wohnungen, die nach dem Mittelstandsprogramm im Gallus entstanden, erworben. Er warnte allerdings davor, die Förderbedingungen für den Bau von Sozial- und Mittelstandswohnungen zu verschlechtern. Kritisch äußert er sich etwa zu Bindungsfristen von mehr als 20 Jahren. Diese erschwerten die Finanzierung der Projekte.

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