Prävention

Ein Projekt in Frankfurt will Suiziden vorbeugen

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Das Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (Frans) widmet sich einem immer noch tabuisierten Thema. Einem Forschungsprojekt droht aber in diesem Jahr das Finanzierungs-Aus.

Das Thema Suizid ist noch immer mit vielen Stigmata behaftet. Eine Tatsache, die auch die Präventionsarbeit auf diesem Gebiet beeinflusst. Inga Beig vom Frankfurter Netzwerk für Suizidprävention (Frans) sagt: „Noch immer gibt es viele Mythen zu dem Thema. Viele Menschen regieren ängstlich oder unsicher.“ Auch herrsche oft Unwissenheit in Gesprächen über Suizid. All dem versucht das Netzwerk seit 2014 entgegenzuwirken.

„Wir haben bereits Fortschritte gemacht“, sagt Beig mit Blick auf die zurückliegenden Jahre. Die Psychologin betreut beim Frankfurter Gesundheitsamt das Projekt Frans und erklärt, dass die Informationen über das Thema heute mehr angefragt werden. „Wir sind sichtbarer geworden.“ Das liege auch an Veranstaltungen, Informationsständen und Plakataktionen, die man organisiere. Trotzdem beklagt Beig, dass das Thema gesamtgesellschaftlich wenig Aufmerksamkeit erfahre.

Vermutete man vor dem Start von Frans noch die Zahlen für Suizide und Suizidversuche, hat man heute ein besseres, wenn auch nicht vollständiges Bild. So kommt es in Frankfurt im Schnitt zu 90 Suiziden pro Jahr. Bei den Suizidversuchen rechnet man schätzungsweise mit einer 20-mal höheren Zahl.

2017 wurde das Netzwerk um eine wissenschaftliche Komponente erweitert. Mit Hilfe von Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit wurde das Frankfurter Projekt zur Prävention von Suiziden mittels Evidenz-basierter Maßnahmen (Frappe) ins Leben gerufen. Ziel ist die Senkung von Suiziden und Suizidversuchen innerhalb der dreijährigen Projektlaufzeit. In diesem Zeitraum bekommt Frappe 783 000 Euro aus den Bundesmitteln. Damit soll ein Programm zur Suizidprävention evaluiert werden.

Psychiaterin Christiane Schlang von der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum Frankfurt und für die Koordinatorin von Frappe zuständig, erklärt: „Es ist schwierig Prävention zu evaluieren. Deswegen betrachten wir die Zahlen von Suiziden und Suizidversuchen, um zu schauen, ob die Maßnahmen wirken.“ Der Beobachtungszeitraum von drei Jahren sei jedoch sehr kurz. Die wissenschaftliche Betrachtung des Themas soll aber auch Erkenntnisse liefern, wie beispielsweise wann, wo und warum es zu Suiziden oder Suizidversuchen kommt. Die gesammelten Daten könnten dann auch auf Stadtbezirke heruntergebrochen werden, so dass man erkennt, wo noch mehr Prävention nötig ist, oder ob Beratungsangebote auch nachts verfügbar sein müssen. Ergebnisse könne man vermutlich zum Ende des Jahres erwarten.

In diesem Jahr endet jedoch auch die dreijährige Finanzierung des Forschungsprojekts. Bisher habe die Bundesregierung nicht signalisiert, dass man Frappe und andere thematische Forschungsprojekte in Deutschland weiter finanziell unterstützen werde. „Es wäre tragisch, wenn das Projekt wieder in der Schublade verschwindet“, sagt Beig. Vielleicht müsse hier das Land und die Kommune mit Geld unterstützen.

Für die Zukunft planen die beiden Frauen die Krisenangebote für Betroffene zu verbessern und die allgemeinen Angebote noch weiter auszubauen sowie mehr Veranstaltungen zum Thema zu realisieren. Schlang wünscht sich eine professionelle Rund-um-die-Uhr-Telefonhotline. Das scheitere aber wieder am Geld. Die aktuelle Hotline sei nicht optimal. Der Traum der Psychiaterin ist ein Suizid-Krisenzentrum in Frankfurt.

Hilfe bei Suizid-Gedanken

Wer unter suizidalen Gedankenleidet oder sich Sorgen um einen Angehörigen macht, kann sich an die Hotline 069 / 630 131 13 wenden. Rund um die Uhr erreicht man dort eine der psychiatrischen Kliniken in Frankfurt.

Die Telefonseelsorgeberät und stützt unter den kostenfreien Telefonnummern 0800 / 111 011 1 und 0800 /111 022 2.

Im Internetbietet das Netzwerk Frans Hilfe: www.frans-hilft.de.

Das Frankfurter Netzwerkfür Suizidprävention bietet auf der Messe „gesund leben“ zwei Vorträge zum Thema an.

Am 29. Februarum 13.30 Uhr sprechen Inga Beig und Christiane Schlang im Vortragsraum 3 über Mythen beim Thema Suizid. Zudem geben sie praktische Tipps, was man im Umgang mit Betroffenen tun sollte und was nicht.

Am 1. Märzum 13.30 Uhr berichtet Walter Kohl im Vortragsraum 2 über das Thema Suizid. Der Sohn von Hannelore und Helmut Kohl wird über die Selbsttötung seiner Mutter und seine eigene Krisenzeit sprechen. Es soll auch um Perspektiven und Wege aus der Krise gehen.

Beide Vorträgesind Teil des umfassenden Programms der Messe „gesund leben“, die am 29. Februar und 1. März jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Jahrhunderthalle Frankfurt ist.

Neben 60 Expertenvorträgengibt es auch noch 16 Stunden Fitnessprogramm und 80 Aussteller, die Informationen und kostenfreie Gesundheits-Checks bieten.

Der Eintrittan der Tageskasse kostet sechs Euro, ermäßigt vier. Im Online-Vorverkauf je einen Euro günstiger.

www.gesundleben-messe.de

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