Der Paradieshof steht seit 2008 leer und verfällt zusehends. 
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Der Paradieshof steht seit 2008 leer und verfällt zusehends.

Zentrum für Migranten

Project Shelter will in den Paradieshof in Frankfurt ziehen

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
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Die Initiative Project Shelter sucht seit Jahren einen Ort für ein migrantisches Zentrum. Aus ihrer Sicht bietet sich der Paradieshof an - ein Gebäude, das die Stadt seit Jahren leer stehen und verfallen lässt.

Mehrere Hundert Teilnehmer haben die Initiative Project Shelter bei einer Kundgebung vor dem Paradieshof am Samstag darin unterstützt, das Gebäude als selbstverwaltetes migrantisches Zentrum nutzen zu können.

„Dieses Haus kann mehr als weiter zu verrotten“, sagte ein Sprecher von Project Shelter. „Es kann eine Anlaufstelle sein für Menschen, die durchs soziale Netz fallen, es kann Menschen ein Obdach geben, Minderheiten unterstützen, vor Rassismus schützen.“

Auf einem Plakat stellte die Initiative dar, wie der Paradieshof eingerichtet werden könnte. Mit einer Aula als Ort der Begegnung am Eingang, Lehrräumen und Referentenzimmern, einem Wohnzimmer, Toiletten und Küche. Zur Rückseite lägen die Schlafsäle.

Die frühere Gaststätte und Diskothek in Alt-Sachsenhausen soll demnach als Anlaufstelle für Migranten dienen, Beratung, Deutschkurse und eine vorübergehende Unterkunft ermöglichen. Auch ein Stadtteilcafé wäre möglich, so wie im „Bistro“ an der Berger Straße, Ecke Große Spillingsgasse, dass die Initiative von 2016 bis 2017 nutzen durfte.

Project Shelter hatte in der Vergangenheit durch mehrere kurzzeitige Hausbesetzungen auf die Forderung nach einem selbstverwalteten Zentrum aufmerksam gemacht, so an der Berger Straße, Ecke Große Spillingsgasse, der Berger Straße 218 und im Paradieshof.

Der Paradieshof wurde 1967 erbaut, diente als Gaststätte und Diskothek. Seit 2010 ist es in städtischem Besitz. Eine Ansiedlung von Michael Quasts Volksbühne kam nicht zustande. Seit 2008 steht das Gebäude leer und verfällt. Türen und Fenster sind verrammelt. Der Putz blättert quadratmeterweise ab. Es müsste vor einer Nutzung saniert werden.

Ab 2016 verhandelte der Magistrat mit der European School of Design (ESD), die das Gebäude in einen Kreativstandort mit Unterrichtsräumen, Ateliers, Wohnungen und Café verwandeln wollte. Vorausgegangen war ein städtebaulicher Wettbewerb. Doch der Umzug scheiterte. Die Fördermittel der Stadt in Höhe von 3,5 Millionen Euro für den Umbau stehen nicht mehr zur Verfügung. Zuletzt regte Baudezernent Jan Schneider (CDU) an, das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, abreißen zu lassen.

Das will die Linke im Römer verhindern. Sie hat beantragt, Project Shelter die Immobilie per Nutzungsvertrag selbstverwaltet zur Verfügung zu stellen. Die Kosten für eine Sanierung soll die Stadt übernehmen. Der Antrag wird am heutigen Montag um 17 Uhr im Planungsausschuss des Römers, der im Plenarsaal tagt, verhandelt.

„Wir werden da sein, um unsere Forderung kundzutun. Kommt vorbei und unterstützt uns“, sagte der Sprecher von Project Shelter. Die Initiative hat nach eigenen Angaben schon 8000 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt.

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