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Der Umgang mit Technik, mit Mathematik oder ein Studium der Naturwissenschaften ist genau das Richtige für Frauen, sagt Professorin Petra Döll.
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Der Umgang mit Technik, mit Mathematik oder ein Studium der Naturwissenschaften ist genau das Richtige für Frauen, sagt Professorin Petra Döll.

Frankfurt

Professorin: „Jungen Frauen sollte klar sein, dass Mint-Berufe besser bezahlt werden“

Im Gespräch mit einer Schulklasse macht die Hydrologie-Professorin Petra Döll Mädchen Mut zu Mathe und Informatik.

Im Interview mit Schülerinnen und Schülern der Klasse 9b der Anna-Schmidt-Schule Frankfurt beantwortet Professorin Petra Döll via Zoom Fragen zu ihrer Tätigkeit und zu Frauen in Mint-Berufen.

Stellen Sie sich bitte kurz vor und beschreiben Sie Ihren Beruf als Hydrologin an der Goethe-Universität Frankfurt.

Mein Name ist Petra Döll. Ich bin Jahrgang 1962 und seit 2003 Professorin für Hydrologie an der Goethe-Universität Frankfurt im Fachbereich Geowissenschaften und Geographie am Institut für Physische Geographie.

Was tun Sie dort?

Als Professorin macht man immer Forschung, Lehre und akademische Selbstverwaltung. In meiner Forschung habe ich als Hydrologin zwei verschiedene Schwerpunkte. Im Schwerpunkt „Globales Wasser“ entwickeln und nutzen wir ein mathematisches Modell, das für alle Landflächen der Erde berechnet, welchen Anteil des Niederschlags in den Boden und das Grundwasser geht und dort als Wasserressourcen zur Verfügung steht, und auf der anderen Seite berechnen wir auch, wie viel Wasser Menschen nutzen. Den zweiten Schwerpunkt meiner Forschung nennen wir Methoden transdisziplinärer Forschung.

Was bedeutet das?

Dabei geht es darum, wie kann das Wissen der Wissenschaftler:innen mit dem von anderen Menschen zusammengebracht werden, z. B. von Menschen, die bei Behörden arbeiten oder bei Regierungsorganisationen sind, oder auch von Landwirten, um schwierige Fragen zu beantworten. Ein Beispiel für eine solche schwierige Frage ist: Wie können wir uns am besten an den Klimawandel anpassen?

Welche Skills sollte man haben, um im Mint-Bereich erfolgreich zu sein, und an welchen Fächern sollte man Interesse haben?

Ich denke, in den meisten Mint-Bereichen spielt Mathematik eine große Rolle. Wenn man im Mint-Bereich arbeiten will, dann kann man sich auch motivieren, an Mathe etwas gut zu finden. Ich habe Mathe schon in der Schule gern gemacht und hatte da einen Leistungskurs. Von Chemie war ich allerdings weniger begeistert. Aber wenn ich mich beruflich mit Wasser befassen möchte, dann geht es dabei auch immer um Wasserqualität, also Wasserchemie. Also habe ich während meines Studiums in den USA geschaut, ob ich mich dafür begeistern kann, und ich habe gemerkt, dass ich das kann, wenn ich weiß, wofür ein bestimmtes Fach wichtig ist. Ich bin der festen Überzeugung, dass Mädchen Mathe und Mint-Fächer genauso gut können wie Jungen. Sie dürfen sich nicht von den Vorurteilen, die immer noch nach langer Zeit der Emanzipation in der Gesellschaft herrschen, beeinflussen lassen.

Haben Sie während Ihrer Ausbildung an der University of Colorado oder auch an der Universität in Erlangen mit Vorurteilen aufgrund Ihres Geschlechts zu kämpfen gehabt?

Ich kann mich nur an ein ganz konkretes Ereignis erinnern. Beim Studium der Geologie macht man sogenannte Kartierkurse, das heißt, man ist eine Woche unterwegs und kartiert, welches Gestein, etwa Granit oder anderes Gestein, an welcher Stelle in dem untersuchten Gebiet vorliegt. Wir waren immer zwei Studierende, und einmal begleitete uns ein Doktorand, um uns zu zeigen, was wir machen müssen. Dann sind der männliche Doktorand und mein ebenfalls männlicher Kommilitone über einen Bach gesprungen, und ich habe nicht gewusst, wie ich über diesen Bach springen sollte, ohne nasse Füße zu bekommen, weil ich mir nicht zugetraut habe, so weit wie die beiden Männer zu springen. Ich stand da und habe gesagt, ich muss irgendwie anders herüberkommen, und das hat dann der Doktorand am Abend vor versammelter Gruppe preisgegeben – und dass man daran sehen würde, dass Frauen eben nicht so geeignet seien, Geologinnen zu werden.

Sind Sie während Ihrer Karriere in Kassel, Berlin oder auch in Frankfurt vielen Frauen in Ihrem Beruf begegnet, oder sind Sie eher eine Ausnahme? Wie war der Frauenanteil im Studium im Vergleich zu Ihrer aktuellen Arbeitsstelle?

Die Zahl der weiblichen Studierenden in den Geowissenschaften hat über die vergangenen Jahrzehnte immer mehr zugenommen und liegt inzwischen bei ungefähr 50 Prozent, auch hier in Frankfurt. Als ich studiert habe, waren es eher 20 Prozent. Leider sind an unserem Fachbereich Geowissenschaften/Geographie nur etwa zehn Prozent der Professor*innen Frauen, ich habe nur drei Kolleginnen. Während unter den Doktorand*innen ungefähr die Hälfte und unter den Postdoktorand*innen vielleicht 40 Prozent weiblich sind, ist es uns noch nicht gelungen, mehr Frauen auf Professuren einzustellen.

Glauben Sie, dass sich in Zukunft das Verhältnis von Männern und Frauen in den Mint-Berufen stark verändern wird?

Ja, denn es studieren ja heute mehr Frauen Mint-Berufe als früher.

Warum haben Sie sich für einen Beruf als Hydrologin entschieden? Haben Sie vielleicht Vorbilder in der Familie?

Ich habe als Studienfach die Geologie gewählt und dann festgestellt, als ich in Erlangen studiert habe, dass es schwierig sein könnte, mit diesem Studium ein berufliches Feld zu finden, dass mir sinnvoll erscheint. In den 1980er Jahren konnte man als Geowissenschaftlerin entweder im Bergbau oder in der Erdölindustrie tätig sein. Beides wollte ich nicht. Ich wollte nicht mit etwas Geld verdienen, mit dem ich unserer Erde, der Umwelt, der Natur schade. Dann hatte ich das Glück, dass ich ein Stipendium für die USA bekommen habe und dort ein Kurs in Geohydrology angeboten wurde, den ich besucht habe. So kam ich zur Hydrologie. Als Hydrologin kann ich einen positiven Einfluss auf die Umwelt nehmen. Und ich beschäftige mich tatsächlich lieber mit Zahlen, als Fossilien zu sammeln oder im Labor zu arbeiten, und Hydrolog*innen arbeiten vor allem mit Zahlen, sie rechnen z. B. aus, wie viel Wasser in Flüssen oder im Grundwasser fließt.

Haben Sie ein Vorbild im Mint-Bereich?

Ich habe kein bestimmtes Vorbild, aber ich kenne viele Kollegen und Kolleginnen, die älter sind und an denen ich mich orientiere. Ich lerne von deren Eigenschaften und Vorgehensweisen, und natürlich haben mich auch die Betreuer meiner Masterarbeit, meiner Doktorarbeit und meiner Habilitation beeinflusst.

Wie, glauben Sie, könnte man junge Frauen und Mädchen für die Berufe interessieren?

Man muss erklären, dass es ein Vorurteil ist, man habe in Mint-Berufen nicht mit Menschen zu tun. Es ist eine Kombination aus der Arbeit mit Menschen und Dingen. Ich habe viel mit Menschen zu tun, zum Beispiel mit Studierenden, mit meinen Doktorand*innen, mit meinen Kolleg*innen. Wenn man Informatik studiert, muss man nicht den ganzen Tag programmieren und alleine vor dem Rechner sitzen, sondern man kann sich innerhalb der Informatikbranche eine Tätigkeit aussuchen, bei der man mit den Kunden sehr viel spricht, um deren Wünsche an die Software umzusetzen. Man hat sehr viel Kontakt mit Menschen, aber der Vorteil ist, dass man nicht den ganzen Tag mit Menschen zusammenarbeitet, was ja auch sehr anstrengend sein kann.

Was ist noch wichtig?

Zudem sollte jungen Frauen klar sein, dass Mint-Berufe besser bezahlt werden als viele andere Berufe, vor allem die „typischen“ Frauenberufe im Sozialbereich. Der Vorteil davon, dass Mint-Berufe leider doch noch immer als Männerberufe angesehen werden, ist, dass sie auch daher besser bezahlt werden. Daher ist es sehr sinnvoll für Frauen, die Familien ernähren wollen, einen Mint-Beruf auszuwählen.

Gibt es noch etwas?

Außerdem kann man einen Mint-Beruf ergreifen, um unsere Erde und die Umwelt zu schützen und für den Fortbestand eines guten Lebens für uns alle zu arbeiten. Ich empfehle einen Mint-Beruf, der etwas mit der Natur zu tun hat und einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung der Erde leistet. Ich denke, so eine Ausrichtung motiviert insbesondere Frauen, denn viele wollen etwas machen, was nicht nur Geld bringt, sondern auch die Welt voranbringt.

Können Sie Förderprogramme oder Stipendien für junge Mädchen oder auch Frauen empfehlen?

Den Girls’ Day, den sollte man auf jeden Fall immer mitmachen, der ist sehr hilfreich. An meiner Universität haben die Informatiker Programmierkurse für junge Mädchen und Schülerinnen angeboten, um sie zu fördern. Außerdem gibt es Angebote der Universitäten, um schon einmal in verschiedene Kurse hineinzuschnuppern, so ab der elften Klasse. Die sind sehr hilfreich, um Mädchen zu informieren. Für Stipendien für das Studium gibt es verschiedene Stiftungen. Wenn man besonders gut in der Schule ist, kann man von seiner Schule empfohlen werden.

Können Sie Mädchen, die im Mint-Bereich arbeiten möchten, einen Tipp geben?

Man sollte sich nicht denken, ich bin ein Mädchen, deswegen schaffe ich es nicht. Man sollte immer an sich glauben. Jedes Mädchen soll überlegen, für was es sich interessiert, für was es sich begeistern kann, dann kann es auch erfolgreich sein. Wenn man Diskriminierung erfährt, sollte man das offen ansprechen und auch lernen, damit umzugehen. Im Studium ist es heute ziemlich egal, welches Geschlecht man hat. Die Benachteiligungen kommen im Berufsleben, vielleicht auch schon in der betrieblichen Ausbildung. So werden etwa Ingenieurinnen am Arbeitsplatz eventuell diskriminiert, und es gibt z. B. den Deutschen Ingenieurinnenbund, in dem sich Ingenieurinnen zusammengeschlossen haben, um damit umzugehen.

Für was ist das gut?

Man kann sich in solchen Gruppen mit anderen Frauen über Probleme austauschen und so gegenseitig unterstützen. Es ist immer sinnvoll, wenn man sich als Mädchen oder als Frau zusammen mit anderen mit der Rolle des Geschlechts im Beruf auseinandersetzt, weil man dadurch versteht, was die Geschlechterrollen für eine Bedeutung im eigenen Beruf und an der eigenen Arbeitsstelle haben.

Frau Professor Döll, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Petra Döll ist Hydrologin und Geologin. Sie hat in Erlangen und im US-Bundesstaat Colorado studiert. Döll ist Professorin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt. Sie spricht über ihre Erfahrung als Frau im Mint-Bereich und gibt Tipps für Mädchen.

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