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Preungesheim: Alter Codex mit hoher Bedeutung

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Von: Friedrich Reinhardt

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Vor 1250 Jahren wurde Preungesheim erstmals erwähnt. Das Foto zeigt Bauarbeiten 2021.
Vor 1250 Jahren wurde Preungesheim erstmals erwähnt. Das Foto zeigt Bauarbeiten 2021. © Rolf Oeser

Der Stadtteil feiert dieses Jahr sein 1250-jähriges Bestehen. Im Lorscher Codex wurde der Ortsname erstmals erwähnt.

Im zwischen den Jahren 1170 und 1195 entstandenen Lorscher Codex wird Preungesheim (Bruningesheim) erstmals erwähnt. Der Codex wurde in der Reichsabtei Lorsch in lateinischer Sprache angelegt, in ihm finden sich mehr als 3800 Urkunden.

Preungesheim feiert in diesem Jahr sein 1250-Jahr-Fest. Die Spur im Codex führt aber mehr als 1250 Jahre zurück in die Vergangenheit, in die Zeit vor Karl dem Großen.

Wer wohl dieser Huswert ist, der die Preungesheimer in diesem Jahr feiern lässt, ohne etwas davon zu ahnen? Nicht viel, aber ein paar Dinge weiß man über ihn. Ein frommer, religiöser Mann ist er vermutlich. Immerhin vermacht er sein ganzes Hab und Gut in „Bruningesheim“ dem Lorscher Kloster. Wohlhabend muss er sein, immerhin hat er mindestens neun Leibeigene. Und Huswert ist Franke. Er lebt im 6. Jahrhundert im Kernland des Fränkischen Reiches. Als er seinen Bruningsheimer Besitz dem Lorscher Kloster überschreibt, ist Karl der Große gerade seit vier Jahren König des Frankenreichs, etwa zehn Jahre später wird es seine größte Ausdehnung unter der Herrschaft König, später Kaiser, Karls erreicht haben.

Der Codex

Folgender Text steht im Codex:

Schenkung des Huswerts in der Preungesheimer Gemarkung unter Abt Gundeland und König Karl

Im Namen Gottes entbiete ich, Huswert, dem heiligen Märtyrer N(azarius) eine Gabe. Der Leib des Heiligen ruht im Lorscher Kloster, dem der ehrwürdige Gundeland als Abt vorsteht. Es ist mein Wunsch, dass diese Stiftung von ewiger Dauer sei, und ich erwähne ausdrücklich, dass sie aus völlig freiem Willen erfolgt. Ich schenke alles, was ich in pago Nitachogwe (im Niddagau), in Brungingesheimer marca (in der Gemarkung Preungesheim) besitze und neun Leibeigene. Vertraglich abgeschlossen“. Geschehen im Lorscher Kloster am 20. Januar im 4. Jahr des Königs Karl (772).

Übersetzung von Karl Josef Minst.

Am 20. Januar 772 überschreibt Huswert seinen Besitz dem Kloster. Der Vertrag wird schriftlich festgehalten und geht später verloren. Ende des 12. Jahrhunderts aber hatte das Lorscher Kloster seine Schenkungsurkunden kopiert und seine Geschichte niedergeschrieben. Darin findet sich bis heute eine Kopie des Schenkungsvertrags mit dem frommen Huswert. Es ist das älteste nachgewiesene Ereignis, in dem Preungesheim genannt wird und damit der Maßstab, an dem das Alter des heutigen Frankfurter Stadtteils gezählt wird. Darum feiert Preungesheim: 1250 Jahre alt wird es, zwölfeinhalb Jahrhunderte, eineinviertel Jahrtausend.

Preungesheim ist nicht der einzige Ort, der im Lorscher Codex erstmals erwähnt wird, jener Sammlung der kopierten Schenkungsurkunden. In den mehr als 3800 Urkunden auf 229 in gotischer Minuskel beschriebenen Pergamentseiten werden 1300 Ortsnamen genannt.

Die Geschichte Preungesheims ist aber älter als 1250 Jahre. Darauf deutet der Name „Brungisheim“ hin. Der Stadtteilhistoriker Wolfgang Plüm sieht in dem Namen einen Hinweis auf einen fränkischen Siedler mit Namen Bruno. Brunos Heim wird zu Brunisheim wird zu Bruningsheim wird zu Preungesheim. „Die Art der Namensbildung – ein Personennamen wird mit dem Grundwort -heim verbunden – tritt massiv in einem relativ klar abgetrennten Verbreitungsgebiet des südlichen und mittleren Hessens auf und legt die Vermutung nahe, dass ihre Entstehung auf fränkische Siedlung und Raumerfassung zurückzuführen ist.“ Beispielhaft nennt Plüm Eckenheim (Heim des Eco), Rödelheim (Heim des Radilo) oder Ginnheim (Heim des Genno). Dass die Namensgebung gerade von fränkischen Siedlern stammen soll und nicht etwa von den Alemannen, die gegen 234 den Limes überquert haben sollen, macht Plüm an der Bestattungspraktik der Reihengäberfelder fest. Deren Verbreitung decke sich auffällig mit der der Heim-Ortsnamen. Spätestens Ende des 5. Jahrhunderts hatten die Franken die Alemannen verdrängt. Jener Bruno, der Preungesheim seinen Namen gab, hätte demnach im 6. oder 7. Jahrhundert gelebt.

Damit ist aber nicht gesagt, dass vor dem 6. Jahrhundert niemand auf der heutigen Gemarkung gelebt hätte. Ganz im Gegenteil. Die ältesten Spuren, die menschliches Leben bezeugen, stammen aus der Jungsteinzeit (7000 bis 2400 v. Chr.), die Zeit, in der Menschen begannen, Ackerbau zu betreiben. Es sind Scherben und Tierknochen, die an der Homburger Landstraße 290 gefunden wurden. Für Huswert und Bruno wäre das heutige Preungesheim damit zeitlich näher als es die ersten Siedler waren.

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