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Isabell Adane, Neama El-Khabbazi, Beatrix Diem (v.l.) bereiten Essen im Stadtraum zu.

Preungesheim

Lebensmittel retten

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Die Initiative „Lebensfreude“ will sich vergrößern. In Zukunft soll es gemeinsame Kochtreffen geben.

Isabell Adnane schaut sich die Paprika genau an. „Die ist zwar etwas verschrumpelt, aber noch genießbar“, sagt die 37-Jährige. So sehe es mit den meisten Lebensmitteln aus, die Supermärkte nicht mehr verkaufen können, wollen oder dürfen. An dieser Stelle kommen Adnane und ihre Mitstreiterin Beatrix Diem ins Spiel, mit ihrer Initiative Lebensmittelfreunde „Lebensfreude“. Sie wollen bedürftigen Menschen helfen, für gemeinsame Erlebnisse sorgen, aufklären und informieren – und das künftig in einem größeren Rahmen. Basis und Zentrale des stadtweiten Projektes soll der Stadtraum in der Homburger Landstraße 148 sein. Seit Anfang des Jahres werden die Räumlichkeiten dort genutzt, bisher für Infoabende, künftig auch für Kochkurse oder gemeinsame Frühstückstreffen.

Im Mittelpunkt stehen Lebensmittel. Die stammen aus Supermärkten, die die Helfer an sechs Tagen in der Woche anfahren. Entweder sind die Produkte kurz davor abzulaufen oder liegen knapp über dem Verfallsdatum. Oder sie sind eben etwas verschrumpelt, so wie die Paprika. Zwei Märkte sind fest dabei, mit vielen anderen unterhält die Initiative Kooperationen, so dass diese bei Bedarf immer wieder angefahren werden können. Diese Aufgabe übernehmen rund 30 bis 40 Leute aus ganz Frankfurt. „Mit einem Trolley kommen die nicht weit“, sagt Beatric Diem und lacht, „sie brauchen schon ein Auto.“ Denn in den Supermärkten warten unzählige Lebensmittel: Obst, Gemüse, Fleisch, Nudeln, Backwaren, Süßigkeiten, Getränke.

Die müssen sortiert und verpackt werden. „Das nimmt durchaus zwei Stunden in Anspruch“, schildert Helferin Neama El-Khabbazi. „Anschließend räumen wir den Müll weg und entsorgen ihn“, sagt sie. „Wir helfen damit also auch den Geschäften, es ist eine Win-win-Situation“, ergänzt Isabell Adnane. Doch damit ist die Arbeit nicht erledigt. Neama El-Khabazzi etwa fährt die Lebensmittel dann weiter zu einer Obdachlosenspeisung. Andere Helfer lagern sie in Kühlschränken an bestimmten Verteilstationen, bringen sie direkt zu den Menschen oder nehmen sie mit zu sich nach Hause, um sie dann weiter zu verteilen.

Der nächste Infotrefffindet am heutigen Dienstag, 9. April, um 18 Uhr im Stadtraum, Homburger Landstraße 148, statt. Der erste Kochkurs ist dort am Sonntag, 14. April, von 12 bis 15 Uhr. Infos unter www.preungesheim.net.

Essen ausgegeben wird aktuell an rund 150 Menschen, die meist über Mundpropaganda auf das Angebot aufmerksam wurden. Eine prall gefüllte Tüte kostet 1,50 Euro, die große Familientüte fünf Euro. „Die Spritkosten ließen nichts anderes mehr zu“, räumt Adnane ein.

Die Lebensmittelfreunde distanzieren sich von der Frankfurter Tafel. „Wir wollen den Rand abfangen, den die Tafel nicht bedient“, sagt Beatrix Diem. Zielgruppe seien alte Menschen, die das Haus nicht verlassen können, Alleinerziehende oder Flüchtlinge. „Bei uns muss niemand etwas vorzeigen“, so Diem.

Aus ihrer Initiative soll noch in diesem Jahr ein Verein werden. Ein Verein, dessen Mitglieder dann gemeinsam kochen, aufgeklärt werden über Lebensmittel und die Umwelt an sich. „Wenn die Erwachsenen gegessen haben, können die Kinder danach aus den Verpackungen etwas basteln“, beschreibt Isabell Adnane eine ihrer Ideen für einen gesamtheitlichen Ansatz.

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