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Erklärtafel am Preungesheimer Kriegerdenkmal

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Von: Fabian Böker

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Das Kriegerdenkmal, hat jetzt eine kritische Infotafel.
Das Kriegerdenkmal, hat jetzt eine kritische Infotafel. © Michael Schick

Auf dem Preungesheimer Friedhof wird nun die Inschrift zum deutsch-französischen Krieg 1870/71 kritisch gewürdigt. Das soll bei allen anderen Denkmälern zum Thema auch geschehen.

Wer über den Preungesheimer Friedhof läuft, kann an einer Stelle durchaus verwirrt sein. Dort, an einem rötlichen Denkmal, steht: „Zur Erinnerung an die glorreichen Siege der deutschen Armee 1870/71.“ Gemeint ist der deutsch-französische Krieg in besagtem Jahr, und der schwärmerische Ton der Inschrift irritiert. Nun informiert eine Tafel neben dem Denkmal über die Hintergründe.

In den vergangenen Jahren hat es weltweit viele Diskussionen um den Umgang mit Statuen, Denk- oder Mahnmälern zu historischen Ereignissen oder Personen gegeben. Oft stand die Frage im Mittelpunkt, ob Darstellungen oder Inschriften, die heute nicht mehr tragbar sind, getilgt oder erklärt werden müssen. In Frankfurt hat man sich bezogen auf den deutsch-französischen Krieg für letzteres entschieden, ein Anfang wurde gestern in Preungesheim gemacht.

„Man kann die Inschrift nicht löschen, aber man kann sie erklären“, sagte Ortsvorsteherin Wera Eiselt (Grüne) bei der Enthüllung einer Tafel. Diese steht neben dem Denkmal und informiert über die rund 180 000 Toten des Krieges, die vor allem auf französischer Seite zu beklagen waren. 44 Soldaten aus Preungesheim fanden ebenfalls den Tod, auch das erfährt man auf der Tafel. Genau wie die Tatsache, dass das Denkmal am 8. Juli 1884 an der Ecke Homburger Landstraße / Weinstraße errichtet und 1961 auf den Friedhof verlegt wurde.

Vor allem aber erklärt die Plakette, dass die Inschrift am Denkmal damalige Ansichten wiedergebe, die nicht nur von Trauer oder Freude geprägt gewesen seien, sondern auch von Nationalstolz und Kriegsbegeisterung. Denkmäler wie das Preungesheimer seien historische Zeugnisse und bildeten ein Erbe, das einen kritischen Umgang erfordere.

Dieser kritische Umgang soll fortan nicht nur in Preungesheim stattfinden. In Frankfurt gibt es rund 20 Denkmäler zum deutsch-französischen Krieg, erklärte Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) gestern. „Die Tafel wird an allen Standorten zum Einsatz kommen.“ So zum Beispiel in Bornheim am Germaniaplatz, in Bockenheim auf dem Alten Friedhof oder in Fechenheim an der Starkenburger Straße.

Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sei wichtig, „um auch für die Gegenwart etwas zu lernen“, erklärte Hartwig. Denn nur so gelinge es, zentrale Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit mit Leben zu füllen.

Der kritischen Auseinandersetzung in Preungesheim ging eine lange Diskussion im Stadtteil und im Ortsbeirat 10 voraus. Bereits 2020 hatte das Gremium beschlossen, an dem Denkmal auf dem Friedhof einen QR-Code anzubringen. Dieser sollte auf einen erklärenden Text verweisen, um die irritierende Inschrift nicht für sich stehen zu lassen.

Verfasst hatte den dann Stefan Döring, Kurator des kleinen Heimatmuseums an der Kreuzkirche in Preungesheim. Doch seine Version geriet in die Kritik, woraufhin das Projekt an die im Vorjahr neu geschaffene Kommission für Erinnerungskultur des Kulturdezernats ging. Die ist nun auch für die Erklärtafel verantwortlich.

Döring hat derweil seinen Text überarbeitet. Sobald die endgültige Freigabe vorliegt und geklärt ist, auf welcher Homepage er veröffentlicht wird, soll auch wie geplant noch ein QR-Code am Denkmal angebracht werden.

Auf eins soll bei allen weiteren Tafeln geachtet werden: Dass Denkmal nicht als „Denkmahl“ und damit falsch geschrieben wird. Auf der in Preungesheim wurde der Fehler vorab nicht entdeckt. Ina Hartwig sicherte aber zu, dass die Plakette korrigiert und ausgetauscht wird.

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