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Blick in eine Geldbörse.

FR-Altenhilfe

Prekäre Verhältnisse mit Gelegenheitsjobs

Heinz T. fand nach seinem Pädagogik-Studium keine Festanstellung. Heute lebt der 80-Jährige von Grundsicherung.

Ein flaches, rundes Gerät schwebt über den Boden in der Wohnung von Heinz T. Der Rentner hat sich vergangenes Jahr einen Putzroboter gekauft. Heinz T. ist gehbehindert. Die elektronische Putzhilfe hat sich im Haushalt des 80-Jährigen bewährt. Vor rund 40 Jahren verletzte sich der damalige Student beim Surfen auf der Insel Mykonos in der griechischen Ägäis an der rechten Hüfte.

Den Putzroboter leistete sich der Senior von seinen Ersparnissen. Einen Zuschuss erhielt er dabei von der FR-Altenhilfe. Seit 2005 unterstützt die Altenhilfe Heinz T. Er lebt von der Grundsicherung. Ein geregeltes Einkommen und damit Anspruch auf eine reguläre Rente hatte T. nie.

„Ich habe lange in prekären Verhältnissen gelebt“, erzählt der 80-Jährige. Dabei begann seine Karriere vielversprechend. In den 1960er Jahren arbeitete T. als Großhändler von Schreibmaschinen und Papierwaren. Alles nach dem sogenannten „Cash-and-Carry“-Modell. In Großmärkten quer durch Deutschland kaufte T. die Waren ein und transportierte sie dann im eigenen Wagen zu den Kunden. Seine Geschäftsreisen brachten ihn von Passau bis ins Ruhrgebiet. „Ein bescheuertes Geschäftsmodell“, wie T. rückblickend sagt, 1965 verursachte T. einen Autounfall. Danach stellte ihn seine Firma frei.

Die folgenden sechs Jahre versuchte er sich als selbstständiger Lieferant, bis er 1971 sein Leben auf den Kopf stellte. Mit rund 30 Jahren holte T. die Hochschulreife nach und begann ein Studium der Pädagogik in Tübingen. In den Semesterferien reiste T. mit seiner damaligen Freundin nach Indien, um sich über die Entwicklungshilfen vor Ort zu informieren.

Doch nach dem Abschluss fand er keine Festanstellung. Die Zeugnisse seien zwar prima, doch das Alter zu hoch, wurde T. bei Bewerbungen mitgeteilt. Mit Gelegenheitsjobs hielt sich der Diplompädagoge über Wasser.

So organisierte er in Kooperation mit dem Arbeitsamt Seminare zur Eingliederung von Langzeitarbeitslosen in die Berufswelt. In einem Programm der gemeinnützigen Organisation „Dienste in Übersee“ unterstützte er Entwicklungshelfer nach ihrer Rückkehr beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. „Die Tätigkeit hatte eine unglaublich befreiende Wirkung auf mich“, erzählt T.

Trotz seiner Gehbehinderung möchte der 80-Jährige von einer Gebrechlichkeit im Alter nichts wissen. Mit dem Elektrofahrrad fährt der Senior täglich in einer kleinen Gruppe in die Stadt zum Einkaufen. „Die Frauen sprechen bei den Ausflügen immer von einer Verbesserung der Lebensqualität“, scherzt T., „für die Männer sind sie besser als Viagra.“ prns

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