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Das umstrittene Gebäude Ecke Große Eckenheimer Straße/Stiftstraße.

Bauwerk

„Flare of Frankfurt“: Preis löst Kritik aus

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„Flare of Frankfurt“ wurde für „innovative Architektur“ ausgezeichnet: Kritiker sehen das Gebäude als „absolut nicht preiswürdig“ und „respektlos“ an.

Schon 2015 hatte der Entwurf des Architekten Hadi Teherani für die Bebauung des alten FR-Geländes in der Frankfurter Innenstadt heftige Diskussionen ausgelöst. Jetzt ist das Gebäudeensemble „Flare of Frankfurt“, Ecke Große Eschenheimer Straße/Stiftstraße, vom Rat für Formgebung, einer renommierten Stiftung, mit dem Iconic Award in der Kategorie „Innovative Architektur“ ausgezeichnet worden.

Die Jury würdigte Form und Funktion des Bauwerks, die zu einer komplexen „Stadtreparatur“ im Herzen Frankfurts beitrügen. Der heterogene Ort werde städtebaulich in eine neue Dimension gehoben.

Die Entscheidung löst in der Architektenszene heftigen Protest aus. „Was ist denn in die gefahren?“, fragte D. W. Dreysse, der frühere Vorsitzende des Städtebaubeirates in Frankfurt, in dem Architekten und Planer den Magistrat beraten. Das Gebäude sei „absolut nicht preiswürdig“. Es nehme keinerlei Rücksicht auf sein städtebauliches Umfeld und die Tradition des Ortes. „Gerade in der dichten Innenstadt ist ein Bauwerk, das so respektlos daherkommt, unmöglich“, so der renommierte Professor für Architektur im Gespräch mit der FR.

Frankfurter Architekt kritisiert „Flare of Frankfurt“ – zentral gelegenes Grundstück geschichtsträchtig

Der Frankfurter Architekt Stefan Forster kritisierte das „Flare of Frankfurt“ ebenfalls scharf. „Das Gebäude dient nur der Vermarktung und tut sich wichtig“, urteilte Forster. Im Rat für Formgebung säßen aber auch „keine architekturaffinen Leute“, sondern „lediglich Designer“.

Der Gebäudekomplex vereint ein Hotel, teure Eigentumswohnungen, Läden und Restaurants unter einem Dach. Außerdem gehört ein Parkhaus zur heutigen Infrastruktur.

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Das zentral gelegene Grundstück ist geschichtsträchtig. Von 1953 bis zum Jahr 2006 stand dort das Rundschau-Haus, das Gebäude, in dem die Frankfurter Rundschau produziert wurde.

FR-Haus bereits 2006 abgerissen – Fläche fast ein Jahrzehnt ungenutzt 

Bis Mai 2006 wurde das FR-Haus nach dem Verkauf des Areals an einen Projektentwickler abgerissen. Dann blieb die Fläche fast ein Jahrzehnt ungenutzt liegen.

Der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler, der seit Jahrzehnten in Fernseh- und Pressebeiträgen auch als Architekturkritiker hervortritt, hatte schon 2015 im Deutschen Architektenblatt den Bau von Architekt Teherani kritisiert. „Wenn man nun wie Hadi Teherani aus Hamburg am ältesten Stadttor Frankfurts aus dem 12. Jahrhundert eine Blechkiste baut, dann zerstört man diesen Ort, weil man nicht erkannt hat, was er für die Stadt bedeutet.“

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