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Renate Gräfe in Aktion: So wie fast jeden Tag ist auf einer ihrer Vespas unterwegs.

Porträt

„Wir suchen keine Parkplätze, wir fahren Vespa“

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Renate Gräfe führt seit neun Jahren eine Stiftung zum Kulturgut Vespa. Am  11. Juli  wird sie 80 Jahre alt.

Dass Renate Gräfe am  Donnerstag 80 Jahre alt wird, merkt man ihr nicht an. Zum Gespräch kommt sie auf ihrer blauen Vespa angefahren. Sie erzählt vom Jakobsweg, den sie im Mai gelaufen ist („20 Kilometer am Tag“), von den Plänen, die sie noch hat („eine Bibliothek zu den Themen Frankfurt und Vespa aufbauen“), von ihrem generellen Gesundheitszustand („meine Schuhe wollen laufen“). Diese Frau strotzt vor Energie, und die steckt sie in ihre große Leidenschaft: die Vespa.

Diese Leidenschaft hat 2010 dazu geführt, dass Gräfe die nach ihr benannte Vespa-Stiftung ins Lebens gerufen hat. Seitdem kümmert sie sich zusammen mit dem Ehepaar Jeanette und Jochen Haseleu darum, das Kulturgut Vespa zu erhalten, ein Bewusstsein der Allgemeinheit für technische Entwicklungen zu schärfen. Heute wird die Gründerin dafür von der Stiftung gefeiert, mit einer Party im Vespa-Museum, in dem sie seit Tagen quasi Hausverbot hatte, um die Vorbereitungen nicht zu stören.

Gräfe wird dann bestimmt auch aus ihrem Leben erzählen, das zwar früh, aber nicht durchgehend von ihrer Leidenschaft geprägt war. Geboren 1939 in Frankfurt, besuchte sie die Comeniusschule im Nordend. Später begann sie eine Lehre zur Großhandelskauffrau, bildete sich berufsbegleitend fort zur Bankfach- und zur Betriebswirtin, war anschließend für eine Bank tätig, unter anderem an der Wertpapierbörse. 1998 ging sie in den Ruhestand.

Die gemeinnützige Renate-Gräfe-Vespa-Stiftung ist am 30. September 2010 gegründet worden. Gräfe ist Vorsitzende.

 Zweck ist die Förderung von Kunst und Kultur, schwerpunktmäßig durch Erhaltung, Pflege und Präsentation historischer Fahrzeuge, insbesondere des Kultrollers „Vespa“.

Zusammen mit Jochen Haseleu hat Gräfe 2017 auch das Vespa-Museum in der Straße Alt-Praunheim 44 ins Leben gerufen. Geöffnet hat es  jeden ersten Dienstag im Monat von 10 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung.

Doch das berufliche war das eine. Schon mit 17, erinnert sie sich, „hatte ich die fixe Idee, Vespa zu fahren“. Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Aber in der Nachbarschaft gab es eine Werkstatt, in der auch Vespas repariert wurden, „das hat sich vielleicht in meinem Unterbewusstsein festgesetzte“, so Gräfe. So machte sie neben dem Führerschein der Klasse 3 für Autos auch den der Klasse 1, allerdings nicht auf einer Vespa, sondern auf einer Adler. „Der Fahrlehrer hatte mich irgendwie nicht ernst genommen.“

Die Folge: Gräfe hatte zwar schnell ihre Fahrerlaubnis, traute sich aber nicht auf eine Vespa, die ihr zu groß und zu schwer erschien. Und so dauerte es bis zum Jahr 1996, als sie durch Zufall über einen Bekannten an eine Vespa kam. Die ersten Fahrversuche waren noch nicht so erfolgreich, doch das änderte sich bald.

Mittlerweile hat die – selten passte der Begriff besser – rüstige Rentnerin Zugriff auf sechs Vespas, die entweder im Museum oder in ihrer Garage stehen. Die teilen sie sich mit einer A-Klasse. „Die habe ich mir extra zugelegt, die ist so schön kurz, dann passt auch noch eine Vespa dahinter“, erzählt die Stiftungsgründerin lachend.

Renate Gräfe ist quasi jeden Tag unterwegs mit einer ihrer Maschinen, macht Erledigungen, schaut im Museum vorbei, fährt zu Terminen rund um die Vespa. Und manchmal „fahre ich auch einfach nur durch die Gegend, um auf andere Gedanken zu kommen“. Denn Vespa fahren, das ist für sie „Lebenslust“.

Ihre erste Vespa hatte 30 000 Kilometer auf dem Tacho, eine andere auch. Seltener genutzte Exemplare kommen auf 2000, 6000 oder 14 000 Kilometer, angehäuft auf Touren nach Klagenfurt, Berchtesgaden oder Celle. Urlaub oder Vespatreffen. Auch nach Portugal haben sie und Mitstreiter schon ihre Roller transportieren lassen, um dort ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Ans Aufhören denkt Gräfe noch lange nicht. Ihr Motto bleibt: „Wir suchen keine Parkplätze, wir fahren Vespa.“

Erreichbar sind Stiftung und Museum unter Telefon 95 00 09 26, per E-Mail an renate-graefe-vespa-stiftung@t-online.de oder über das Kontaktformular auf www.vespa-stiftung-frankfurt.de.

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