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In der Siedlung Westhausen werden rund 260 Wohnungen saniert und modernisiert.

Praunheim

Praunheim: Mieter in Westhausen wehren sich gegen Vonovia

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In der Siedlung Westhausen werden rund 260 Wohnungen saniert. Anwohner leiden unter Lärm, fehlender Kommunikation und Mieterhöhungen - nun haben sich Betroffene zusammengetan.

Rund 260 Wohnungen lässt der Wohnkonzern Vonovia in der Siedlung Westhausen in der Ludwig-Landmann- und Stephan-Heise-Straße sowie am Westring derzeit sanieren und modernisieren. Die Mieter leiden unter massiven Baulärm, Dreck und einer aus ihrer Sicht zumindest bis Anfang 2020 schwierigen Kommunikation mit der Bauleitung. Jetzt haben sich einige Betroffene, die sich in einer Mieterinitiative zusammengeschlossen haben, an die Öffentlichkeit gewandt.

Sie befürchten, dass sich einige Nachbarn ihre Wohnungen nach Ende der Arbeiten nicht mehr leisten können, erläutert Ayla Ertürk, die seit fünf Jahren in einer 58 Quadratmeter großen Drei-Zimmer-Wohnung in der Stephan-Heise-Straße wohnt. Nach einer Trennung lebt die 38-Jährige dort nun alleine. 665 Euro zahlt die diplomierte Produktdesignerin an Warmmiete. Das mache rund 40 Prozent ihres Nettoeinkommens aus. Als der Wohnungskonzern die Bauarbeiten ankündigte, teilte er jedem betroffenen Mieter „die voraussichtliche Höhe der Mietanpassung sowie die Anteile, die auf die Modernisierungs- und Instandhaltungskosten entfallen“, mit, berichtet Katja Mazurek, Pressesprecherin bei Vonovia.

In der Siedlung Westhausen werden rund 260 Wohnungen saniert und modernisiert. 

Ayla Ertürk rechnet mit einer Erhöhung von 119 Euro: „Dann gehen fast 50 Prozent meines Einkommens für die Miete drauf.“ Auch andere Mieter rechnen mit deutlichen Steigerungen, die sie kaum oder gar nicht stemmen können. Doch ein Umzug sei keine Option angesichts des derzeitigen Wohnungsmarkts. „Deswegen fordern wir von der Vonovia eine Deckelung der Mieten auf 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens, damit die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte verhindert wird“, so die Mieterinitiative.

Eine Befürchtung, die Vonovia so nicht stehen lassen will. „Generell begrenzen wir unsere Mietanpassungen nach einer Modernisierung freiwillig auf maximal zwei Euro pro Quadratmeter. Sollte sich ein Mieter seine Wohnung dadurch tatsächlich nicht mehr leisten können, finden wir immer eine Lösung“, sagt Mazurek.

Jedoch haben die Mieter Zweifel an der von der Vonovia geplanten Umlegung der Kosten auf die Miete. Entscheidend hierfür ist, was Instandhaltung- und was Modernisierungsarbeiten sind. Für Vonovia zählen vor allem Wärmedämmungen sowie den Wohnkomfort steigernde Arbeiten zur Modernisierung wie die Erneuerung einiger Balkone, der Einbau sichererer Wohnungstüren, die teilweise erstmalige Installation von Gegensprechanlagen und elektrischen Türöffnern.

In der Siedlung Westhausen werden rund 260 Wohnungen saniert und modernisiert. 

„Die endgültige Modernisierungserhöhung wird aber erst nach Ende der Arbeiten feststehen“, sagt Phuong Thanh Tran, Sprecherin beim Mieterschutzverein „Mieter helfen Mietern“, an den sich einige Betroffene gewandt haben, auch wegen möglicher Mietminderungsansprüche während der Bauphase. „Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass maximal acht Prozent der Modernisierungskosten umgelegt werden dürfen“, sagt Tran. Daher rät sie den Betroffenen, die Mieterhöhungen von Experten genau prüfen zu lassen. Für Ayla Ertürk ist beispielsweise nicht nachvollziehbar, warum ihr 1,5 Quadratmeter großer Balkon abgebrochen wurde und gegen einen ein Quadratmeter größeren Balkon ausgetauscht werden soll: „Der alte Balkon war verkehrssicher. Der Vorbesitzer, die Deutsche Annington, hatte erst vor wenigen Jahren ein neues, höheres Geländer angebracht.“

Hinter dem Balkonabbruch vermutet Artürk „optische Gründe“, da ihr gegenüber drei Neubauten entstanden sind. Denn die Vonovia baut in dem Gebiet bereits seit 2018. Die Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten am Bestand begannen im Sommer 2019. Morgens um 8 Uhr gehe es bereits mit klopfen, hämmern und bohren los.

Ein weiterer Vorwurf: Die Baufirmen würden für die Arbeiten Wasser und Strom von Privathaushalten verbrauchen. Hierfür fordern die Mieter eine Entschädigung und die Installation eines Zwischenzählers. Überhaupt sei die Kommunikation zwischen Bewohnern und Bauleitung bis Anfang des Jahres schwierig gewesen. Der frühere Bauleiter war laut Anwohner nicht erreichbar, ein zuverlässiger Bauzeitenplan lag nicht vor. Doch habe sich der Dialog seit Jahresanfang mit einem neuem Bauleiter verbessert, so Artürk.

Sprecherin Mazurek bedauert die Beeinträchtigungen und rechnet mit einem Abschluss der Arbeiten im Sommer.

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