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Ursula Avery aus Praunheim hat mit ihrem Mann Klaus Weißbecker die Gruppe „Herbstzeitlose“ gegründet, die Trauernden helfen soll, durch gemeinsame Aktivitäten aus ihrer Einsamkeit zu kommen.
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Ursula Avery aus Praunheim hat mit ihrem Mann Klaus Weißbecker die Gruppe „Herbstzeitlose“ gegründet, die Trauernden helfen soll, durch gemeinsame Aktivitäten aus ihrer Einsamkeit zu kommen.

Praunheim

Ihre Hilfe endet nicht am Grab

Ursula Avery ist Frankfurts einzige ehrenamtliche „Bestatterin“. Die 57-Jährige aus Praunheim hat mit ihrem Mann auch eine ökumenische Gruppe für Witwen und Witwern gegründet, die durch gemeinsame Aktivitäten helfen, aus der Einsamkeit zu kommen.

Eigentlich verlief das Trauergespräch ruhig, die Tochter einer alten Dame, die verstorben war, wirkte gefasst. Doch plötzlich fing sie an zu weinen. „Als ich fragte, warum, zeigte sie mir dicke Ordner mit Feldpost von ihrem im Krieg gefallenen Vater, den sie nie kennenlernen konnte und der nie eine Beerdigung bekommen hat“, erzählt Ursula Avery. Sie versprach der Trauernden: „Wir veranstalten die Beerdigung für Ihre Mutter und Ihren Vater!“ Neben dem Grab stand dann das Hochzeitsbild des Paares, die Trauerrede handelte von beiden, später wurde auch der Name des toten Vaters auf den Grabstein graviert. Für die Tochter eine Möglichkeit, Abschied zu nehmen.

Es sind Begegnungen wie diese, die Ursula Avery im Gedächtnis bleiben. Die 74-Jährige aus Praunheim ist die einzige Ehrenamtliche Frankfurts, die neben Trauerbegleitung auch Beerdigungsdienst übernimmt. 2016 leitete sie erstmals eine Bestattung; ein befreundeter Lektor hatte sie darum gebeten. Ursula Avery, von Haus aus Religionslehrerin und Schulleiterin, wusste zunächst nicht, ob sie überhaupt „beerdigen“ darf. Doch nachdem sie eine positive Antwort von der Kirche bekam, tat sie es. „Es überraschte mich, wie froh und dankbar alle Beteiligten über die Trauergespräche, die Beerdigung und die Gespräche danach waren“, sagt Ursula Avery, die selbst verwitwet und in zweiter Ehe verheiratet ist.

Pfarrer Holger Daniel aus ihrer Pfarrei St. Marien habe sie dann gefragt, ob sie ehrenamtlich Beerdigungen übernehmen wolle. „Ich sagte ihm zu und war stolz, dass er mir diese wichtige Aufgabe zutraute“, erinnert sie sich.

Mittlerweile hat sie 26 Menschen „beerdigt“, mittlerweile ganz offiziell: 2020 wurde sie vom Bistum mit Trauerbegleitung und Beerdigungsdienst beauftragt.

Bestatten darf sie nur auf dem Territorium der Großpfarrei St. Marien und in Abstimmung mit dem Pfarrer. Die Planung läuft über das Pfarrbüro, die pensionierte Lehrerin wird als Entlastung der Hauptamtlichen eingesetzt. Sie macht es gern, denn immerhin, habe sie ja Zeit, sagt sie.

Vor einer Beerdigung besucht Ursula Avery die Angehörigen und lässt sich alles über die oder den Verstorbenen erzählen. In ihrer Trauerrede versucht sie, spürbare Konflikte mit dem Verstorbenen zu einem positiven Abschluss zu bringen. „Die Beerdigung ist oft die letzte Möglichkeit einer Versöhnung“, sagt sie. Geld nimmt sie für ihre Dienste keins. Bekommt sie doch einmal etwas zugesteckt, leitet sie es als Spende ans Ökumenische Hilfenetz Frankfurt Nordwest weiter, in dem sie mit ihrem zweiten Mann Klaus Weißbecker engagiert ist.

Ursula Avery begleitet die Familien auch über die Beerdigung hinaus in ihrer Trauer, ruft an oder schreibt Briefe. Allein schon, weil sie aus eigener Erfahrung weiß, wie gut es tut, wenn jemand sich meldet. Falls gewünscht, segnet sie auch den Grabstein, wenn er gesetzt wird.

2019 hat sie mit ihrem Mann die ökumenische Gruppe „Herbstzeitlose“ gegründet, die Witwen und Witwern helfen, durch gemeinsame Aktivitäten aus der Einsamkeit zu kommen und neue Menschen kennenzulernen.

Kontakt zu Ursula Avery für eine Beerdigung oder zu den Herbstzeitlosen“, über das Pfarrbüro von St. Marien: Telefon 79 53 95 90 oder per E-Mail an pfarrbuero@marien-frankfurt.de

Die ehrenamtliche Bestatterin Ursula Avery bei einer Beerdigung.

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