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Hertha Sladek verteilt beim Weihnachtsmarkt der Praunheimer Werkstätten frisch gebackenen Flammkuchen.

Praunheim

Bratwurst und Erinnerungen

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Mit einem Weihnachtsmarkt feiert die Wohnanlage „Praunheimer Mühle“ ihr 50-jähriges Bestehen. Dabei geht es auch um Zukunftsfragen.

Eine milde Brise weht den Geruch von Bratwürsten und Glühwein bis in den letzten Winkel des Hofes der Wohnanlage „Praunheimer Mühle“, in dessen Mitte ein mit Lichterketten umschlungener Baum leuchtet. Wer nicht in der Dämmerung zwischen den Ständen im immer wieder einsetzenden Regen ausharrt, hat sich in die Häuser zurückgezogen, aus deren Fenstern Lichterketten schimmern.

Drinnen füllen sich die mit Lichtern und Weihnachtssternen dekorierten Bänke und Tische mit Besuchern, die zum Weihnachtsmarkt der größten und ältesten der fünf Wohnanlagen für Menschen mit Behinderung der Praunheimer Werkstätte gekommen sind. Auch Heinz Wehnes hat sich mit schwindendem Tageslicht in sein Zimmer zurückgezogen, nachdem er auf dem Hof Kuchen und Bratwurst gegessen hat. Wehnes hat hier schon viele Weihnachtsmärkte mitgemacht, doch dieses Jahr ist es ein ganz besonderer, der das 50-jährige Bestehen der Wohnanlage Praunheimer Mühle feiert.

Hier lebt Heinz Wehnes bereits „ein halbes Jahrhundert“. Mit 15 Jahren zog er ein und arbeitete in den vor 90 Jahren zunächst als Anlernwerkstatt für Menschen mit Behinderung entstandenen „Praunheimer Werkstätten“. „Die Wohnanlage entstand 1968 auf dem Gelände eines Mädchenheims“, sagt Margit Bokelmann, die zusammen mit Hilde Hoppe die Einrichtung leitet. „Vor 30 Jahren hatten wir noch 24 Bewohner, heute sind es 46 in fünf Wohneinheiten.“

In den 50 Jahren habe sich für die Bewohner einiges verändert, ausgestellte Fotos – farbig und schwarzweiß – machen die Veränderung für die Gäste des Weihnachtsmarkts deutlich. Vier Mal wechselte Wehnes sein Zimmer innerhalb der Wohneinrichtung. In seinem bislang größten hat er Platz für seine CD-Sammlung, die eine ganze Wand hinter ihm einnimmt. Seit Heinz Wehnes im Mai in Rente ist, bleibt auch mehr Zeit für seine Hobbys, die Bildhauerei und Malerei.

Einige von Heinz Wehnes‘ Werke werden im Hof vor seinem Fenster zusammen mit den unterschiedlichsten Motiven anderer Bewohner verkauft, um „die Vielfältigkeit der Bewohner zu zeigen“, so Bokelmann. Auch anderes Handgefertigtes und ein Jubiläumskalender liegen an einem Stand auf der Mitte des Platzes zum Verkauf aus.

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens blickt Margit Bokelmann auf die Zukunftsfragen: „Frankfurt hat keine Wohnungen, das trifft auch uns.“ Für die Wohnanlage „Praunheimer Mühle“ stehe in den kommenden Jahren an, inklusives Wohnen in kleineren Gemeinschaften zu gestalten.

Ein am Weihnachtsmarkt überreichter Spendencheck des Benefizturniers des Vereins „Fußballer und Fans helfen“ soll schon bald die Renovierung eines Raumes unterstützen. „Das Leben in der Anlage wird sich ändern. Wir wollen ein viel selbstbestimmteres Wohnen.“

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