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Gabriela Bloem vom Verein Kunstwerk Praunheim e.V. ist enttäuscht.

Praunheim

Praunheim: Künstler müssen warten

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Das ehemaliges Gebäude der Praunheimer Werkstätten in der Straße Alt-Praunheim bleibt länger als ursprünglich geplant eine Flüchtlingsunterkunft. Im Verein „KunstWerk“ Praunheim sorgen diese Pläne für Frust.

Die Praunheimer Werkstätten im alten Ortskern Alt- Praunheim 2 bleiben voraussichtlich bis 2025 eine Unterkunft für Geflüchtete. Das bestätigte auf Anfrage die Referentin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), Manuela Skotnik. Hierüber hat sich die Stadt mit der Eigentümerin, die Konversionsgrundstücksentwicklungsgesellschaft (KEG), sowie dem Betreiber der Unterkunft, dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, verständigt und den Betreibervertrag bis zum 30. September 2025 verlängert.

Mehrere Gründe seien Skotnik zufolge ausschlaggebend gewesen. Ursprünglich hieß es seitens der Stadt, die Praunheimer Werkstätten werden bis 2020 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Anschließend sollte der Praunheimer Verein KunstWerk die ehemalige Werkstätte für Menschen mit geistiger Behinderung für ein Stadtteil-Kultur-Zentrum übernehmen. Dieses ist einer der Bausteine des Rahmenplans Praunheim. Weitere Bausteine wie die Einrichtung des Jugendclubs Praunheims in die Werkstätten und der Bezug von vier Atelierwohnungen durch Künstler, die über den Verein „Basis“ Angebote vor Ort machen, sind schon umgesetzt.

Nicht so das Kulturzentrum. Gabriela Bloem, Vorsitzende des Vereins KunstWerk, zeigt sich maßlos enttäuscht über die erneute, mehrjährige Verschiebung. Insbesondere weil diese nicht offen im Stadtteil kommuniziert worden sei: „Vor vier Jahren bestand eine prekäre Situation, in der die Stadt in Praunheim um Unterstützung für die Flüchtlingsunterkunft geworben hat.“ Das Umfeld, die Bürger wurden „einbezogen, mitgenommen“, so Bloem. Jetzt fühle sich der Verein brüskiert: „Wir haben das Gefühl, dass uns das Gebäude entgleitet.“ KunstWerk befürchtet, die Werkstätten könnten für Wohnzwecke umgewidmet werden.

Das verneint Manuela Skotnik. Vielmehr sei in Frankfurt die Unterbringungssituation weiterhin angespannt, sodass die Stadt die Plätze in den ehemaligen Praunheimer Werkstätten noch bis September 2025 benötige. Bei einem Gespräch im Oktober, an dem neben Dezernentin Daniela Birkenfeld Vertreter von KEG, Jugendclub Praunheim, dem Verein Basis, dem Frankfurter Verein für soziale Heimstätten und dem Ortsbeirat 7 teilgenommen haben, seien die Gründe für die Verlängerung dargelegt worden.

146 Geflüchtete

„Hauptgrund ist die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt in Frankfurt“, erläutert Skotnik. So kommen weiterhin Geflüchtete über Zuweisungen des Landes Hessen und Familiennachzug nach Frankfurt, aber nur wenige fänden eine Bleibe auf dem Wohnungsmarkt.

Aktuell leben in Frankfurt fast 700 Geflüchtete in Hotels und mehr als 250 in Hallen. In der Praunheimer Unterkunft sind derzeit 146 Geflüchtete untergebracht, davon 48 Minderjährige, sowie acht Wohnungslose, die sonst etwa wegen Wohnungsräumung oder Trennung von Obdachlosigkeit bedroht wären. Hinzu kommt, dass die denkmalgeschützten Praunheimer Werkstätten 2015 nur provisorisch hergerichtet wurden und derzeit unaufschiebbare Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten anstehen. Diese kosten im mittleren sechsstelligen Bereich.

„Die KEG kann diese dringend erforderlichen Arbeiten nur beauftragen, wenn eine Refinanzierung der Kosten sichergestellt ist“, erklärt Skotnik einen weiteren Grund für die Vertragsverlängerung und betont: „Aber auch nach Abschluss dieser Arbeiten werden die Praunheimer Werkstätten den Charakter einer Notunterkunft haben.“

Mit dieser Aussage möchte Skotnik Befürchtungen zerstreuen, dass die Nutzung als Stadtteil- und Kulturzentrum nicht Realität wird. Vielmehr werde die Einrichtung finanziell profitieren, da „diese Instandhaltungsarbeiten dann erledigt und finanziert sind und die Kosten nicht von den künftigen Mietern zu schultern sind“, unterstreicht Skotnik.

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