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Ein Einsatzfahrzeug der Polizei steht im Kneipenviertel Alt-Sachsenhausen.

Polizeigewalt

Gewaltexzess in Alt-Sachsenhausen

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Die Vorwürfe gegen Polizisten in Frankfurt Alt-Sachsenhausen stürzen die Behörde in eine Krise. Die Ermittlungen gegen drei Beamte laufen.

  • Die Frankfurter Polizei ist in einer Krise.
  • Gegen Polizisten, die in Sachsenhausen im Einsatz waren, laufen Verfahren.
  • Ihr wird im Zuge von Corona Racial Profiling vorgeworfen.

Selten zuvor hat ein einzelner Einsatz die Frankfurter Polizei in eine derart tiefe Krise gestürzt wie das Vorgehen der Beamten am frühen Morgen des 16. August in der Dreieichstraße im Kneipenviertel von Alt-Sachsenhausen. Auf zwei Videos ist zu sehen, wie Polizisten einen am Boden liegenden Mann treten. Und wer den Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill in den folgenden Tagen erlebte, konnte erahnen, dass ihn nicht nur dieser einzelne Übergriff beschäftigte. Gerade nach dem Skandal um illegal abgerufene Daten im 1. Polizeirevier war der Gewaltexzess von Alt-Sachsenhausen so ziemlich das Letzte, was Bereswill gebrauchen konnte. Der Polizeichef wirkte erschüttert. Er fürchtete um das Vertrauen in die Einheit.

Polizeigewalt in Frankfurt: Racial Profiling im Zuge der Corona-Kontrollen

Fast auf den Tag genau einen Monat später ist es bedeutend ruhiger geworden um den Vorfall in der Dreieichstraße. Wütende Antifa-Demonstrationen mit hohem Krawallpotenzial, die einzelne Polizistinnen und Polizisten erwartet und befürchtet hatten, hat es nicht gegeben. Und was das Vertrauen in die Polizei betrifft: Insbesondere Migrantinnen und Migranten sehen das Problem eher im Racial Profiling, das den Beamten gerade im Zuge von Corona-Kontrollen häufig vorgeworfen wird. Politisch befeuert insbesondere die Linke im Römer die Debatte, die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück.

Der Einsatz von Alt-Sachsenhausen ist zu einem Fall für die Justiz geworden. Die Ermittlungen gegen drei Polizeibeamte liefen, sagt Nadja Niesen, die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Etwas Neues gebe es nicht mitzuteilen.

Die Ermittlungen stützen sich im Wesentlichen auf zwei Videos. Aus einem, das direkt nach der Tatnacht auftauchte, ergibt sich ein Verdacht gegen zwei Polizisten. Einer tritt den Verdächtigen und trifft ihn offenbar in Höhe des Kopfes. Ein weiterer stößt mehrfach sein Knie in den Körper des Mannes, der bereits gefesselt am Boden liegt. Wenig später tauchte dann ein zweites Video auf. Die Bilder, die zuerst der FR vorlagen, zeigen, wie ein weiterer Polizist in den Streifenwagen tritt, in den der Festgenommene gebracht worden war.

Polizeigewalt in Frankfurt: Anwohner fühlen sich von Polizei bedrängt

Anders als bei vorangegangenen Fällen, in denen der Verdacht von Polizeigewalt im Raum stand, spielte es kaum eine Rolle, was das Opfer vor seiner Festnahme getan haben soll. Offenbar ging es um Widerstand. Der junge Mann soll in einer größeren Gruppe unterwegs gewesen sein, die sich laut, wild und vor allem renitent verhalten haben soll. Die Polizei sucht weitere Zeugen, doch klar ist, dass die Tritte nicht zu rechtfertigen sind.

Derweil wehrte sich Gerhard Bereswill unmittelbar nach der Veröffentlichung der Videos gegen den Vorwurf, er gehe nicht entschlossen genug gegen die Täter vor. Den drei Beamten sei das Führen der Dienstgeschäfte untersagt worden. Ein schärferes Mittel habe er nicht, so Bereswill. Ob die drei Männer weiterhin als Polizeibeamte tätig sein dürfen, wird vom Fortgang des Verfahrens abhängen. Sollte am Ende eine Freiheitsstrafe von einem Jahr stehen, und sei es zur Bewährung, wären sie raus aus dem Dienst bei der Behörde.

Für Aufregung sorgte vor zwei Wochen noch die Zeugensuche der Polizei in Sachsenhausen. Anwohnerinnen und Anwohner aus der Dreieichstraße kritisierten öffentlich, sie fühlten sich von der Polizei bedrängt. Selbst eine Wohnungsdurchsuchung sei ihnen angedroht worden. Die Polizei weist diesen Vorwurf zurück. Es sei darum gegangen, Informationen über den Einsatz und das vorausgegangene Geschehen zu erlangen. Mit einer Durchsuchung hätten die Beamtinnen und Beamten nicht gedroht.

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