Polizeigewalt

Brutale Festnahme nicht dokumentiert

  • Hanning Voigts
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Die Frankfurter Polizei hat die brutale Festnahme eines 29-jährigen Mannes nicht selbst dokumentiert. Die dafür vorgesehene Videokamera soll keinen Strom mehr gehabt haben.

Die brutale Festnahme eines 29-jährigen Mannes in Sachsenhausen am vergangenen Sonntagmorgen, die eine Debatte über Polizeigewalt ausgelöst hat, ist von den handelnden Beamten nicht auf Video aufgezeichnet worden. Wie ein Polizeisprecher der Frankfurter Rundschau sagte, sei ein Polizist vor Ort mit einer Videokamera, einer sogenannten Bodycam, ausgestattet gewesen. Während der Festnahme gegen 5.30 Uhr sei deren Akku allerdings erschöpft gewesen.

Wie der Sprecher berichtete, hatte der Polizist die Kamera am Vorabend gegen 22 Uhr in Betrieb genommen. Der Akku halte normalerweise sechs bis acht Stunden. Da die Kamera aber wegen der Dunkelheit in den Infrarotmodus geschaltet habe, der mehr Strom verbrauche, sei dem Gerät um 4 Uhr der Saft ausgegangen, woraufhin es sich gegen 4.15 Uhr abgeschaltet habe.

Am Sonntagmorgen hatten Polizisten in der Dreieichstraße mit großer Brutalität einen 29-Jährigen festgenommen. Auf einem Handyvideo ist zu sehen, wie ein Beamter dem bereits am Boden fixierten Mann zweimal ein Knie in den Rücken rammt. Dann tritt ein weiterer Polizist dazu und tritt dem Mann augenscheinlich mit Wucht gegen den Kopf – woraufhin er von einem Kollegen beiseitegeschoben wird.

Schläge und Tritte

In einem zweiten Video kann man sehen, wie mehrere Polizisten auf den am Boden liegenden Mann einschlagen. Als der 29-Jährige in ein Polizeiauto gesetzt wird, hält ein Beamter sich am Dach des Wagens fest und tritt mit Schwung nach dem Mann.

Die Videos der Festnahme hatten breite Empörung in den sozialen Netzwerken ausgelöst, Polizeipräsident Gerhard Bereswill und Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hatten das Vorgehen der Beamten deutlich kritisiert. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen drei der beteiligten Polizisten wegen des Verdachts auf Körperverletzung im Amt; gegen die drei Männer wurde zudem ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Das „Führen der Dienstgeschäfte“ sei ihnen momentan untersagt.

Laut Polizei war der 29-Jährige zuvor als Teil einer betrunkenen Gruppe aufgefallen, aus der die Beamten beschimpft und bespuckt worden seien. Gegen seine Festnahme habe er sich gewehrt, so dass „sein Widerstand gebrochen werden musste“. Wie es dem 29-Jährigen geht, konnte der Polizeisprecher nicht sagen: Man habe ihm wegen seiner Verletzungen nach der Festnahme ärztliche Hilfe angeboten, „die er aber nicht Anspruch genommen hat“.

Die Satirepartei „Die Partei“ forderte derweil am Freitag auf Facebook Powerbanks für die Polizei – „für längere Einsätze“.

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