Resonanz

Polizeieinsatz in Frankfurt wird zum Hit im Internet

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22.000 Social-Media-Kommentare gibt es bisher zu dem umstrittenen Vorgehen der Beamten auf der Zeil.

Der umstrittene Polizeieinsatz auf der Zeil Ende Juli hat auf den Social-Media-Kanälen der Polizei zu einer nie gekannten Resonanz geführt. In den ersten drei Tagen, nachdem im Internet die Videos des Vorfalls auftauchten, seien 22 000 Kommentare auf Twitter, Facebook und anderen Medien erschienen, sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill am Montag im Sicherheitsausschuss der Stadtverordneten.

Bereswill war eingeladen worden, um über den Einsatz zu berichten, nach dem es vor allem im Internet den Vorwurf der Polizeigewalt gegeben hatte. Er tat das, ohne das Einschreiten seiner Mitarbeiter, mit dem sich mittlerweile die Staatsanwaltschaft beschäftigt, rechtlich zu werten.

Laut Bereswill hatte eine Streife gegen 4 Uhr morgens eine tätliche Auseinandersetzung bemerkt. Die Kontrolle der Verdächtigen habe sich außerordentlich schwierig gestaltet, alle Anweisungen der Polizisten seien ignoriert worden. Aus einer Menge von etwa 50 Personen seien die Beamten angegriffen worden. Daraufhin hätten sie Pfefferspray eingesetzt. Ein Polizist habe eine Frau, die einen festgesetzten Verdächtigen befreien wollte, an den Haaren zu Boden gerissen. Ein Beamter habe zudem einer Person das Knie in den Oberkörper gestoßen.

Das alles ist auch auf Videos zu sehen, die nach dem Einsatz im Internet auftauchten. Da eine Influencerin mit 800 000 Followern die Aufnahmen verbreitete und kommentierte, „setzte ein Shit-storm“ gegen die Polizei ein, sagte Bereswill.

Daraufhin schaltete sich das Social-Media-Team der Behörde ein, stellte den Einsatz aus Sicht der Polizei dar und räumte auch mit Falschmeldungen auf. So war laut Bereswill etwa das Bild eines schwer verletzten Mannes im Internet aufgetaucht, der von den Polizisten misshandelt worden sein soll. Tatsächlich stammten die Verletzungen aus einer lange zurückliegenden Schlägerei aus Hattersheim.

Nachdem die Polizei ihre Sicht dargelegt hatte, „änderten sich die Kommentare im Internet um 180 Grad“, sagte Bereswill. Seien die Beamten zunächst fast nur kritisiert worden, habe es danach viel Zuspruch und Unterstützung gegeben.

Auch von der CDU bekam Bereswill Unterstützung. Christoph Schmitt sagte, der Einsatz zeige die „große Verwahrlosung von Menschen, die auf Gesetze pfeifen“. Angriffe auf Polizisten könnten leicht eskalieren, warnte Schmitt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Beamten in einer solchen Situation die Schusswaffe zögen.

Pearl Hahn (Linke) sagte, derartige Kommentare seien fehl am Platz. Ihr Fraktionskollege Martin Kliehm kritisierte vor allem den Kniestoß eines Polizisten. Die Beamten hätten gelassener reagieren müssen. Ähnlich äußerte sich Hilime Arslaner: „Es schickt sich einfach nicht, eine Frau an den Haaren zu Boden zu ziehen.“

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