+
Starke Unterstützung für die Mannschaft – trotz abgesagter Ultras-Choreographie.

Polizeieinsatz

Eintracht-Fans fordern Beuths Rücktritt

  • schließen
  • Georg Leppert
    Georg Leppert
    schließen

Innenminister Peter Beuth rechtfertigt den Polizeieinsatz vor Europacupspiel der Eintracht - und düpiert damit die Fans.

Innenminister Peter Beuth (CDU) hat den Polizeieinsatz im Stadion von Eintracht Frankfurt am Donnerstagabend verteidigt und gleichzeitig die Führung des Bundesligavereins scharf angegriffen. „Die Maßnahmen waren notwendig und sie waren angemessen“, sagte Beuth am Freitag in Wiesbaden. Das sahen die Anhänger von Eintracht Frankfurt komplett anders. Der Nordwestkurve-Rat, der Zusammenschluss der aktiven Fanszene, schreibt in einem emotionalen Statement: „Alles andere als der sofortige Rücktritt des inkompetentesten hessischen Innenministers aller Zeiten ist nicht akzeptabel!“

Die Polizei war vor dem Europapokal-Spiel der Eintracht gegen Donezk mit Durchsuchungen im Fanblock aufgetreten. Zudem hatte sie ein Transparent mit einer Minister-Beleidigung („Beuth, der Ficker fickt zurück“) entfernt.

Beuth nannte als Anlass Äußerungen von Eintracht-Präsident Peter Fischer („Das Stadion muss brennen – und wenn ich sage, dass das Stadion morgen brennt, dann brennt das morgen!“). Der Minister nannte diese Worte „höchst problematisch und inakzeptabel“. Die Verantwortlichen der Eintracht und anderer Fußballvereine müssten sich darüber klar sein, „welche Verantwortung sie tragen“. Die Frankfurter Polizei hatte den Einsatz vom Amtsgericht Frankfurt genehmigt bekommen – ein Verweis auf Peter Fischers Äußerungen findet sich in dem Beschluss aber nicht.

Peter Fischer: "Ein Eklat"

Minister Beuth sagte auf Nachfrage, ob er vorab informiert worden sei: „Die einzelnen Maßnahmen waren mir vorher nicht bekannt.“ Ob Landespolizeipräsident Udo Münch Bescheid gewusst habe, könne er nicht sagen.

Die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt betonten am Freitag, Peter Fischer habe am Donnerstagmorgen über diverse Medien eine Klarstellung veröffentlicht. Ihm sei es eben nicht darum gegangen, zum Einsatz von Pyrotechnik aufzurufen. Das habe die Polizei nicht berücksichtigt. Es habe außerdem nicht einen einzigen weiteren, ernst zu nehmenden Anhaltspunkt für bevorstehende Ordnungswidrigkeiten oder gar Straftaten im Zusammenhang mit dem Spiel gegeben. Die Beamten hätten nicht einmal bei der Eintracht nachgefragt, wie sie die Gefährdungslage einschätze. Es sei offenbar um ein Zeichen der Stärke gegangen. Dass man die Einschätzung, dass nicht im Ansatz ein Risiko bestünde, schlicht ignoriert hat, komme einem Eklat gleich, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme von Eintracht Frankfurt.

Lesen Sie hierzu auch: Kommentar: Die Durchsuchung war ein Mittel zum Zweck

Nach der Durchsuchung der Fankurve und der Sicherstellung des Transparents hatten die Frankfurter Ultras am Donnerstagabend entschieden, die aufwendig vorbereitete Choreographie kurzfristig abzusagen. Die Fans liefen über die Tribünen und sammelten die ausgelegten Fahnen wieder ein. Während des Spiels unterstützten sie die Mannschaft dafür lauter denn je. Beuth nannte es „bedauerlich“, dass die Choreo nicht gezeigt worden sei. Sie sei aber von der Polizei weder gestoppt noch verboten worden.

Die Ultras begründeten die Absage der Choreographie mit den Worten, nach dem Polizeieinsatz hätten sie „nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können“. Dem Innenminister warfen sie vor, einen „Kleinkrieg“ gegen Fußballfans zu führen. Schon in den vergangenen Wochen habe es immer wieder Polizeieinsätze rund ums Stadion gegeben. Nachdem Beuth eine massive Strafverschärfung für den Einsatz von Pyrotechnik gefordert hatte, ist das Verhältnis zwischen ihm und der Frankfurter Fanszene gestört.

Nancy Faeser: Polizeieinsatz war „überdimensioniert“

Die hessische SPD-Politikerin Nancy Faeser nannte den Polizeieinsatz „überdimensioniert“ und Beuths Stellungnahme „dürftig“. Drastischer bezog Hermann Schaus (Linke) Position. Es sei „absurd“, wenn Beuth nach „rechtlich fragwürdigen Durchsuchungen in Fanräumen“ und einem „völlig überzogenen Polizeieinsatz wegen eines Transparents“ nun auf die Eintracht-Fans und Präsident Fischer zeige. „Dass ein Beteiligter bei diesem unnötigen Polizeieinsatz einen Lendenwirbelbruch erlitten hat, sollte den Minister veranlassen, auf die Polizeiführung einzuwirken, statt nachträglich zur Angriffsverteidigung überzugehen“, sagte Schaus.

Deutliche Worte von den Grünen gab es aus Frankfurt zu hören. Wolfgang Siefert, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Römer, schrieb auf Facebook: „Peter Beuth hat offenkundig jedes Maß verloren. So löst man keine Schwierigkeiten!“ Nachsichtiger äußerte sich Beuths grüner Koalitionspartner in Wiesbaden. Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Landtag, Jürgen Frömmrich, nannte „Deeskalation das Gebot der Stunde“. Notwendig seien Lehren und Verabredungen für die Zukunft. „Das geht mit etwas zeitlichem Abstand und kühlem Kopf besser als in der aktuell sehr angespannten Situation.“

Prügelnde Beamte

Ein Video des Polizeieinsatzes vor der Frankfurter Fankurve im Internetportal Youtube sorgte am Donnerstagabend für Aufregung. Es zeigt, wie Beamte unter Einsatz des Schlagstocks das Banner sicherstellen, das sich gegen Innenminister Beuth richtet.

Die Polizisten gehen außerordentlich hart vor. Ein Fan wird so heftig angegangen, dass er rückwärts über eine Bande stürzt. Mindestens zwei Fans wurden nach FR-Informationen schwer verletzt. Die Polizei verwies auf FR-Anfrage darauf, im Video werde ein vorangegangener Einsatz nicht gezeigt. Dabei habe sich eine „hochaggressive Gruppe von Heimfans“ den Beamten entgegengestellt. geo

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare